Der Augsburger Andre Hahn (r.) debütierte gegen Polen in der Nationalelf © getty

Beim Auftritt gegen Polen drängt sich kein Youngster fürs WM-Ticket auf. Bundestrainer Löw verhilft zwölf Spielern zum Debüt.

Aus Hamburg berichten Tom Vaagt, Markus Höhner und Jochen Stutzky

Hamburg - Die jüngste deutsche Nationalmannschaft aller Zeiten hat den Schnupperkurs im DFB-Trikot nicht zur Eigenwerbung genutzt.

Angeführt vom Schalker Julian Draxler, der in seinem elften Länderspiel erstmals die Kapitänsbinde trug, kam das erheblich ersatzgeschwächte Team von Joachim Löw nicht über ein mageres 0:0 gegen Polen hinaus ( 890951 DIASHOW: Die Bilder des Spiels ).

Die am Dienstagabend in Hamburg aufgebotenen Spieler ließen damit die Chance, noch einmal mit einer Glanzleistung nachdrücklich auf sich aufmerksam zu machen, ausnahmslos verstreichen.

Ohne Bayern und Dortmunder

Rund einen Monat vor Beginn der Weltmeisterschaft war schon vor dem Anpfiff klar, dass die Partie nicht als ernstzunehmender Test für das Turnier taugen würde. Insgesamt fehlten Löw 20 Spieler aus seinem vorläufigen 30-köpfigen Kader für Brasilien.

Aufgrund des DFB-Pokalendspiels am Samstag Berlin musste der DFB-Coach gegen Polen auf die Profis des FC Bayern und von Borussia Dortmund verzichten.

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Zudem fehlten die im Ausland beschäftigten Stars um Mesut Özil und Sami Khedira sowie Marcell Jansen, der mit dem HSV noch die Relegationsspiele bestreitet ( 888136 DIASHOW: Der vorläufige WM-Kader ).

Der Bundestrainer und Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff hatten die Begegnung folglich als Test für die Zukunft bezeichnet.

Startelf im Schnitt nicht mal 22

In der Startformation standen insgesamt acht Spieler ohne jegliche Länderspiel-Erfahrung und mit einem Altersdurchschnitt von 21,45 Jahren.

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Ähnlich jung war das DFB-Team zuletzt vor 106 Jahren in eine Partie gegangen. In ihrem ersten Länderspiel überhaupt unterlag die im Schnitt 21,5 Jahre alte Mannschaft 1908 der Schweiz mit 3:5.

Derart torreich wie damals sollte es am Dienstagabend vor 37.569 Zuschauern nicht werden (DATENCENTER: Der Spielplan der WM 2014) .

Draxler noch kein Leader

Die DFB-Elf zeigte sich zwar engagiert, vermochte es aber kaum, für Torraumszenen zu sorgen.

Draxler, der sich in der offensive Mittelfeldzentrale mit seinem Schalker Vereinskollegen Max Meyer abwechselte, war der ihm zugedachten Leaderrolle lange nicht wirklich gewachsen und steigerte sich erst in der zweiten Hälfte ein wenig.

Zwar wirkte der 20-Jährigen den meisten seiner Kameraden in puncto Reife überlegen. Dynamische Vorstöße oder kreative Geistesblitze blieben aber die Ausnahme. Den Nachweis seiner Unverzichtbarkeit für das endgültige WM-Aufgebot konnte er jedenfalls nicht erbringen.

Löw verkleinert Kader am Mittwoch

Allerdings traf dies auch auf seine Mitspieler zu. Mehr als den einen oder anderen guten Ansatz gab es nicht zu bestaunen.

Der unbedingte Wille war kaum einmal zu entdecken. Für viele Youngster wahrscheinlich eine vertane Chance.

Denn: Löw will seinen Kader für die Weltmeisterschaf am Mittwoch auf 25 oder 26 Spieler zusammenstreich und mit diesem Kader dann in der kommenden Woche ins Trainingslager nach Südtirol aufbrechen.

Volland ohne Abschluss

Aufgrund der fehlenden Alternativen im Angriff gilt Kevin Volland für diese Reise gesetzt.

Aber auch der gegen Polen als einzige Spitze aufgebotene Hoffenheimer sorgte bis zu seiner Auswechslung nach 70 Minuten nicht einmal für wirkliche Torgefahr.

Zumindest in puncto Ballbesitz war die deutsche Mannschaft den Gästen klar überlegen. Allerdings mussten auch die Polen auf zahlreiche Stars wie Bundesliga-Torschützenkönig Robert Lewandowski verzichten.

Löw schiebt Hahn in die Spitze

Nach dem Seitenwechsel setzte Löw die Reihe der Debütanten und brachte nacheinander Andre Hahn, Sebastian Jung, Maximilian Arnold und Christian Günter in die Partie.

Die DFB-Elf blieb gegen die harmlosen Polen auch nach den Veränderungen feldüberlegen ? große Nagelproben hatte Gäste-Keeper Artur Boruc aber weiterhin nicht zu bestehen.

Interessantester Aspekt war noch: Der Bundestrainer beorderte Hahn nach der Herausnahme von Volland an die vorderste Front und prüfte damit eine weitere personelle Variante für Brasilien.

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