Julian Draxler, Max Meyer und Leon Goretzka stehen im Kader für das Spiel gegen Polen © imago

Vier Schalker hat Bundestrainer Löw für das vorläufige WM-Aufgebot nominiert. Das Quartett muss allerdings kollektiv zittern.

Von Andreas Reiners

Gelsenkirchen/Hamburg - Bei der Rückkehr zur Nationalmannschaft ging für Julian Draxler erst einmal alles schief.

Sein Flug hatte Verspätung. Der Schalker Jungstar wurde ausgebremst. Die obligatorische Pressekonferenz vor dem Länderspiel in Hamburg gegen Polen (ab 20.15 Uhr, im LIVE-TICKER und LIVE auf SPORT1.fm) fand ohne ihn statt.

Gegen Polen will der 20-Jährige aber Gas geben. Und den Schwung aus Gelsenkirchen mitnehmen. Mit Schalke absolvierte er die beste Rückrunde der Vereinsgeschichte. Und versöhnte sich selbst nach einer zweimonatigen Verletzungspause im Winter mit einer für ihn schwierigen zweiten Halbserie.

Endlich wieder ein Tor

Denn zum Saisonabschluss traf Draxler beim 4:1 gegen Nürnberg nach etwas mehr als einem halben Jahr auch endlich mal wieder selbst in der Bundesliga. Ein Statement in eigener Sache zum richtigen Zeitpunkt.

"Das Tor nehme ich mit, es bringt mir Schwung. Ich blicke positiv in die Vorbereitung und hoffe, dass ich nicht das gleiche Schicksal erleide wie vor der Euro 2012", sagte Draxler. Damals tauchte er ebenfalls im vorläufigen Aufgebot auf, wurde von Löw aber noch gestrichen ( 888136 DIASHOW: Der vorläufige WM-Kader ).

Das Spiel umgestellt

Damit das nicht noch einmal passiert, hat Draxler sein Spiel in den vergangenen Monaten umgestellt. Alles immer in Rücksprache mit Löw. An sich gearbeitet. Rückschläge weggesteckt. Sein Defensivverhalten verbessert. Auch wenn seine Offensivaktionen nicht mehr so spektakulär sind wie früher. Polyvalent ist da das Stichwort.

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Denn die Konkurrenz in der Offensive ist in der Nationalmannschaft groß. Und kommt nebenbei auch aus dem eigenen Verein. Draxler könnte ausgerechnet von den eigenen Teamkollegen überholt werden. Denn das Polen-Spiel ist zugleich auch die große Chance für Max Meyer und Leon Goretzka.

Nichts zu verlieren

Deren Vorteil: Sie kennen es, ins kalte Wasser geworfen zu werden.

Beide stehen stellvertretend für den Schalker Jugendstil, mit dem die Königsblauen in die Champions League gestürmt sind. 18 und 19 Jahre alt. Erfrischend. Unbekümmert. Und vor allem erfolgreich.

Der Lohn: Die Chance, sich im Training der Nationalmannschaft und im Test gegen Polen zu zeigen. Und um den etablierten Spielern Druck zu machen.

Zu den Etablierten gehört auch ihr Schalker Teamkollege Benedikt Höwedes. Der 26-Jährige ist mit 18 Einsätzen gegen Polen der erfahrenste Akteur. Und zugleich auch der älteste.

Höwedes ohne Spielpraxis

Nach drei Muskelfaserrissen in dieser Saison könnte er in Hamburg nach einem Kurzeinsatz gegen Nürnberg erstmals seit März wieder über 90 Minuten spielen.

Sein Vorteil: Die Konkurrenz in der deutschen Defensive ist überschaubar, Höwedes sowohl in der Innenverteidigung als auch auf der rechten Seite einsetzbar. Der Nachteil: die fehlende Spielpraxis. Als S04 in der Rückrunde die Kurve bekam, wirkte er nur bei fünf Spielen mit (DATENCENTER: Der Spielplan der WM 2014) .

Höwedes hat etwas zu verlieren. Ganz im Gegensatz zu den jungen Wilden.

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Nervosität? Ja. Große Erwartungen? Nein. Ansprüche? Keine. Sie haben die große Bühne praktisch für sich. Denn nur zehn Spieler aus dem vorläufigen WM-Aufgebot sind in Hamburg dabei.

"Für mich kam die Nominierung völlig überraschend. Ich habe überhaupt nicht damit gerechnet", sagte Meyer: "Ich bin überglücklich und werde mein Bestes geben."

Alles aufsaugen

"Auch wenn ich mir vorher keine Gedanken über eine Nominierung gemacht habe, kann ich sie als Lohn für die gute Rückrunde betrachten. Gerade mit Max Meyer zusammen nominiert zu werden, ist etwas Besonderes. Viele Erwartungen habe ich nicht, ich will alles aufsaugen", sagte Goretzka.

Der Ex-Bochumer kam mit reichlich Vorschusslorbeeren nach Gelsenkirchen, war anfangs jedoch nur Ersatz. Verletzungen und eine Mandel-OP warfen ihn zurück. Dazwischen die Arbeit am Abitur. In der Rückrunde dann der Durchbruch. Sein persönlicher Höhepunkt? "Als ich die Bio-Klausur abgegeben habe", scherzte er.

Vielleicht kommt das ganz große Highlight aber schon in diesem Sommer.

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