Goretzka, Durm und Hahn hoffen auf den Sprung in den finalen WM-Kader © getty

Joachim Löw hat reichlich frisches Blut in den vorläufigen Kader berufen. Doch wie groß sind die WM-Chancen der Neuen wirklich?

Von Thorsten Mesch

Frankfurt/Main - Sieben Bayern, sechs Dortmunder - natürlich bilden Deutschlands Topvereine den Stamm des vorläufigen DFB-Aufgebots für die WM.

Aber unter den Dortmundern ist auch ein 21-Jähriger, der bisher noch nie eine Einladung von Joachim Löw erhalten hatte: Erik Durm.

"Die Überraschung und die Freude ist natürlich gigantisch", sagte der BVB-Profi: "Ich möchte mich in jedem Training beweisen und zeigen, dass der Bundestrainer mich zu Recht in das vorläufige Aufgebot berufen hat." ( 888136 DIASHOW: Der vorläufige WM-Kader )

Aber reicht es auch für einen Platz im endgültigen Kader? 30 Spieler hat Löw vorerst nominiert. Sieben Profis werden bis zum Meldeschluss am 2. Juni noch auf der Strecke bleiben.

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Die Neulinge gehören naturgemäß zu den ersten potenziellen Streichkandidaten. Oder doch nicht?

Sechs Spieler ohne Länderspiel-Einsatz

Neben Durm weisen Kevin Volland (1899 Hoffenheim) sowie die beiden Schalker Max Meyer und Leon Goretzka noch keine Länderspiel-Erfahrung auf.

Auch Shkodran Mustafi (Sampdoria Genua) und Andre Hahn (FC Augsburg) standen noch nicht für das A-Team auf dem Platz. Beide gehörten im März gegen Chile aber immerhin schon zum Aufgebot.

Das gilt auch für Freiburgs Matthias Ginter, der gegen die Südamerikaner ein paar Einsatzminuten sammeln durfte.

Erster Schnitt nach Polen-Spiel

Nach dem Länderspiel gegen Polen am kommenden Dienstag in Hamburg wird er einen ersten Schnitt machen. Denn ins Trainingslager in Südtirol (21. Mai bis 1. Juni) will Löw nur 25 oder 26 Kandidaten mitnehmen.

Für das Polen-Spiel berief er acht weitere Neulinge, die aber keine Chance auf die WM haben. Der Rest kann sich in Hamburg noch einmal für die nächste Casting-Runde empfehlen. (DATENCENTER: Der Spielplan der WM 2014)

Durm wird in Hamburg nicht dabei sein, wie auch alle übrigen Dortmunder und Bayern, die am 18. Mai in Berlin das DFB-Pokalfinale bestreiten.

Dennoch darf der Linksverteidiger durchaus auf einen Platz im endgültigen 23er-Kader hoffen. Denn seine Position gehört zu den größten Baustellen des Bundestrainers.

SPORT1 stellt die Neulinge vor und bewertet ihre WM-Chancen:

ERIK DURM (Borussia Dortmund, 21 Jahre, 19 Bundesliga-Spiele/0 Tore): Kam 2012 aus Mainz, spielte in der U23 des BVB als Stürmer, ehe Trainer Jürgen Klopp ihn zum Außenverteidiger umschulte. Sein Bundesliga-Debüt feierte er im September als Ersatz für Marcel Schmelzer und empfahl sich daraufhin für weitere Einsätze. In der Champions League kam er sieben Mal zum Einsatz. Besonders im Viertelfinale gegen Real Madrid zeigte Durm, dass er auf höchstem Niveau mithalten kann.

"Gerade in den Champions-League-Spielen hat er uns überzeugt", sagt Löw. Schmelzer hat beim BVB gerade erst sein Comeback gegeben, Hamburgs Marcell Jansen wurde trotz seiner Verletzung von Löw berufen.

Durm bietet sich eine große Chance. Er könnte die große Überraschung im WM-Kader werden.

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LEON GORETZKA (Schalke 04, 19, 24/4): Vor seinem Wechsel nach Gelsenkirchen stand der ehemalige Bochumer bei mehreren Topklubs auf der Liste. Hatte auf Schalke zu Beginn der Saison Probleme, doch in der Rückrunde spielte er sich in die Stammelf. "Er hat die Technik, die Körperstatur, ist ein intelligenter Junge. Ich sehe keinen Schwachpunkt", lobt Schalkes Sportvorstand Horst Heldt. Löw beschreibt ihn als einen "Spieler mit außergewöhnlich viel Qualität".

Dennoch wird seine Stunde im DFB-Team wohl erst nach der WM schlagen.

MAX MEYER (Schalke 04, 18, 34/6): Der Shootingstar bei den Königsblauen und einer der stärksten Neulinge der Bundesliga-Saison. Einziger Lichtblick beim Champions-League-Debakel gegen Real Madrid und ein Garant für das erneute Erreichen der Königsklasse. Dribbelstark, großes Spielverständnis und für sein Alter schon unglaublich abgeklärt. Hat Julian Draxler im Verein schon fast überflügelt, hebt aber nicht ab.

"Für mich kam die Nominierung völlig überraschend. Ich habe überhaupt nicht damit gerechnet", sagt Meyer zurückhaltend. "Er ist technisch sehr gut, spielt unbekümmert auf. Er wird seinen Weg machen", sagte Löw zuletzt.

Sein Weg könnte ihn sogar bis nach Brasilien führen, doch die Konkurrenz im offensiven Mittelfeld ist enorm.

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KEVIN VOLLAND (1899 Hoffenheim, 21, 66/16): Für den Kapitän der deutschen U-21-Auswahl ist die erste Berufung in die A-Mannschaft der Lohn für konstant gute Leistungen im DFB-Nachwuchs. Seit 2008 hat der gebürtige Bayer alle U-Mannschaften durchlaufen. In der Bundesliga empfahl er sich mit einer starken Saison. Er erhielt den Vorzug vor Mönchengladbachs Max Kruse. (REAKTIONEN: "WM ist besser als Urlaub")

Wenn er sich nicht mehr verletzt, wird Volland mit großer Wahrscheinlichkeit den zweiten Platz im Angriff neben Miroslav Klose besetzen.

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ANDRE HAHN (FC Augsburg, 23, 47/11): Der zukünftige Mönchengladbacher steckte zuletzt in einem Formtief. Dennoch bekommt er von Löw eine Chance. Hahns "enorme Schnelligkeit" imponiert Löw: "Wir können uns vorstellen, dass er uns mit seiner Dynamik helfen kann. Seine Entwicklung in relativ kurzer Zeit ist rasant."

Für die WM wird es aber wohl noch nicht reichen.

SHKODRAN MUSTAFI (Sampdoria Genua, 22, 48/1 in der Serie A): Überraschungsgast beim Länderspiel im März gegen Chile, wenn auch ohne Einsatz. "Für mich geht es darum, mich einzuleben, die Abläufe und die Mannschaft kennenzulernen. Ich werde versuchen, mich für die Nationalmannschaft zu beweisen und die Nominierung zu bestätigen", sagte der Sohn albanischer Eltern damals im SPORT1-Interview.

Mustafi hat seit der U15 alle DFB-Nachwuchsteams durchlaufen. "Er ist eine echte Persönlichkeit und sehr reif für sein Alter. Er kann führen und Verantwortung übernehmen, antizipiert im Spiel sehr gut und macht wenige Fehler", sagt U-21-Nationaltrainer Horst Hrubesch.

Dennoch ist seine erneute Berufung eine Überraschung. Seine Zeit kommt noch.

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