Mario Gomez absolvierte in den vergangenen sieben Monaten nur zehn Pflichtspiele © getty

Das WM-Aus sorgt bei Mario Gomez für Frust. Doch der Stürmer will nicht aufgeben. Er hat schon viele Höhen und Tiefen erlebt.

Von Thorsten Mesch

Frankfurt/Main - Für Mario gab es am Donnerstag kein Foto. Auch für Matthias nicht, doch der durfte sich trotzdem freuen.

Als der Sprecher Matthias Ginter bei der Präsentation des vorläufigen WM-Kaders als letzten Namen nannte, tauchte das Bild des Freiburgers nicht auf. Vielleicht ein technischer Fehler? Oder ein Indiz, dass Ginters Nominierung auf der Kippe stand?

Doch Ginter ist bei Joachim Löws Casting in der nächsten Runde. Mario Gomez nicht ( 888136 DIASHOW: Der vorläufige WM-Kader ).

Nicht nur die Fans des Fußballers, der mit dem FC Bayern 2012 noch das Triple gewann, dürfte die Nachricht geschockt haben. Auch diejenigen, die vor allem den Astralkörper des 28-Jährigen bewundern, werden ihn bei der WM vermissen (DATENCENTER: Der Spielplan der WM 2014) .

Das Topmodel unter den deutschen Fußballern darf nicht mit nach Brasilien.

Optimismus im April

Stolz zeigte er sich noch Ende April im edlen WM-Anzug. "Hier nun endlich unser Bild im offiziellen Outfit, mit dem wir stilvoll den Weg zur Weltmeisterschaft in Brasilien antreten werden", schrieb er damals auf seiner Facebook-Seite.

Am Mittwoch erfuhr Gomez von Bundestrainer Joachim Löw, dass sein großer Traum von der zweiten WM-Teilnahme nach 2010 geplatzt ist (EINWURF: Löw sollte auf Gomez verzichten).

"Nun also auch die WM. Ein Anruf vom Trainer, der schmerzt. Die hässlichste Saison meiner Karriere endet mit einem weiteren Rückschlag", postete er am Donnerstag völlig niedergeschlagen auf Facebook. "Bis zuletzt" habe er daran geglaubt, rechtzeitig fit zu werden. "Fast sieben Monate Knieverletzung waren einfach zu viel. Das ärgert mich unendlich!"

Vom Verletzungspech verfolgt

Löw bekundete sein Mitgefühl mit dem 59-maligen Nationalspieler, der seit seinem Wechsel nach Italien vom Verletzungspech verfolgt ist.

"Selbstverständlich hätte ich mir auch gewünscht, dass Mario fit gewesen wäre, dass er die letzten Monate gespielt hätte", erklärte der Bundestrainer.

In den vergangenen siebeneinhalb Monaten absolvierte Gomez nur zehn Pflichtspiele, dabei stand er nur in einmal über 90 Minuten auf dem Platz

Gomez habe seit September nur 280 Minuten gespielt, rechnete Löw vor. "Von daher war ich der Meinung, dass er vielleicht nicht in der Lage ist, unter den Bedingungen das Turnier zu überstehen."

Löw schreibt Gomez nicht ab

Für den Stürmer ist es nur ein ganz schwacher Trost, dass Löw ihn für die Zeit nach der WM nicht abschreiben wollte: "Er ist ein hervorragender Spieler. Seine Karriere in der Nationalmannschaft ist auf keinen Fall beendet."

Seit September ist Gomez vom Pech verfolgt. Auf seinen Innenbandanriss im Knie folgte eine Entzündung im Knie, dann zwang ihn eine Verletzung am Kollateralband im linken Knie zur Untätigkeit.

Vor seinem Wechsel nach Italien hatte er beim FC Bayern Höhen und Tiefen durchlebt.

Höhen und Tiefen beim FC Bayern

2009 wechselte er für die damalige Rekordsumme von geschätzten 35 Millionen Euro zum Rekordmeister. In München entwickelte er sich zur Tormaschine, erzielte in seiner zweiten Saison 28 Treffer, wurde dreimal Meister, zweimal Pokalsieger und gewann die Champions League.

Fast die komplette erste Hälfte der Münchner Triple-Saison verpasste er wegen einer Sprunggelenksverletzung. Er kämpfte sich zurück, kam aber oftmals nur als Ergänzungsspieler zum Einsatz.

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Dennoch brachte er es in 21 Spielen auf elf Tore. Beim Champions-League-Sieg gegen Dortmund wurde er in der letzten Minute eingewechselt, eine Woche später war er beim 3:2 im DFB-Pokalfinale in seinem letzten Spiel für den FCB der Matchwinner gegen Stuttgart. In München sah er unter dem neuen Trainer Pep Guardiola keine Chance mehr und wechselte nach Florenz.

Blitzkarriere in Stuttgart und beim DFB

Gomez' Karriere hatte mit einem kometenhaften Aufstieg begonnen. In Stuttgart begann der in Riedlingen aufgewachsene Schwabe seine Laufbahn, aus der Jugend rückte er ins Profiteam auf und steuerte 14 Tore zur Meisterschaft 2007 bei.

Der Stuttgarter Publikumsliebling schlug auch in der Nationalmannschaft voll ein. In seinem Debüt für das DFB-Team erzielte er im Februar 2007 beim 3:1 gegen die Schweiz ein Tor, bei seinem zweiten Spiel traf er gleich doppelt beim 6:0 gegen San Marino.

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Von Everybody?s Darling zum Buhmann

Gomez gehörte zum Kader bei der EM 2008, doch sein Fehlschuss aus kürzester Distanz im Spiel gegen Österreich kostete ihn viele Sympathien. Statt Everybody's Darling war er plötzlich der Buhmann. Ohne Gnade wurde er bei Länderspielen ausgepfiffen, doch Gomez ließ sich nicht kleinkriegen.

Aber trotz seiner 25 Tore genoss er nie den Stellenwert, den er sich gewünscht hätte. Zwar pfiffen ihn die Fans nicht mehr aus, doch stand er immer unter besonderer Beobachtung.

Bei der EM 2012 erzielte er das Siegtor im Auftaktspiel gegen Portugal, doch TV-Experte Mehmet Scholl lästerte, er habe das Gefühl, man müsse Gomez wenden, sonst werde er sich wund liegen.

"Ich werde wiederkommen"

Gomez antwortete mit zwei Toren gegen die Niederlande, doch beim Halbfinal-Aus gegen Italien war er ebenso schwach wie seine Teamkollegen.

Sein bislang letztes Spiel im DFB-Trikot absolvierte er im August 2013 gegen Paraguay.

Das Ende seiner Zeit im DFB-Team sieht er trotz des WM-Aus noch längst nicht gekommen: "Auch das gehört zum Sport - persönliche Niederlagen. Ich werde wiederkommen, wie so oft in meiner Karriere."

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