Sami Khedira (M.) bestritt bislang 44 A-Länderspiele für Deutschland © getty

Vor der Nominierung seines vorläufigen WM-Kaders plagen Bundestrainer Löw Sorgen. SPORT1 beleuchtet die Probleme im DFB-Team.

Vom DFB-Team berichtet Thorsten Mesch

Frankfurt/Main - Joachim Löw macht dieser Tage einen nachdenklichen Eindruck.

Am Donnerstagmittag muss er seinen vorläufigen Kader für Brasilien benennen, doch nur wenige seiner Kandidaten sind bereit für die WM (DATENCENTER: Der Spielplan der WM 2014) .

Viele seiner Leistungsträger sind verletzt oder nicht in optimaler Verfassung.

"Wir haben im Moment nur sieben, acht Spieler, die in Topform sind", sagte Löw im Gespräch mit dem "stern"

Dazu gehört auch Manuel Neuer. Auf der Position des Torhüters hat Löw ohnehin keine Probleme.

Kaderplanung bereitet Löw Kopfzerbrechen

Doch ansonsten sieht es so bedrohlich aus wie lange nicht vor einem großen Turnier ( 884119 DIASHOW: Der SPORT1-WM-Kader-Check ).

"Klose, Khedira, Gomez, Gündogan, Schweinsteiger - alles Spieler, die zu den tragenden Säulen bei uns gehören, aber ihnen allen fehlt ein guter Spielrhythmus", erklärte der Bundestrainer, dem "die gesamte Situation schon auch Kopfzerbrechen" macht.

Besonders die Situation im Sturm und im Mittelfeld bereiten Löw Sorgen.

Doch damit nicht genug: Auch in der Abwehr gibt es Fragezeichen, konkret auf der Position des Linksverteidigers.

"Es gibt verschiedene Positionen, die fraglich sind und wo es Diskussionsbedarf gibt", sagt SPORT1-Experte Thomas Strunz, der 1996 bei der EM in England mithalf, den bislang letzten Titel nach Deutschland zu holen.

SPORT1 beschreibt die Problemzonen des DFB-Teams, nennt Wackelkandidaten, Hoffnungsträger und mögliche Überraschungskandidaten.

Problemzone linke Abwehrseite:

Marcel Schmelzer gab erst am vergangenen Wochenende beim 3:2 gegen Hoffenheim sein Comeback für Borussia Dortmund.

"Er hat so gespielt, als ob er nie weggewesen wäre", sagte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke bei SPORT1. Auf der linken Außenposition habe Schmelzer "sehr gute Chancen für Brasilien", findet Watzke.

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Doch der Dortmunder hat seinen Platz im DFB-Team keineswegs sicher. Marcell Jansen ist ein ernstzunehmender Konkurrent, der zudem mehr Erfahrung bei großen Turnieren hat.

Jansen ist allerdings nicht fit, sein Hamburger SV kämpft gegen den Abstieg. "Jansen hat seine schlechteste Saison gespielt", findet Strunz.

Vielleicht bekommt Schmelzer dafür Druck aus dem eigenen Verein. Erik Durm, der ihn in dieser Saison mehrmals vertrat, hat einen großen Schritt nach vorn gemacht und könnte ein Überraschungskandidat sein.

"Erik hat unfassbaren Aufstieg hingelegt", meint Watzke.

Problemzone Mittelfeld:

Sami Khedira stand am Wochenende zwar erstmals nach seinem Kreuzbandriss im November wieder im Kader von Real Madrid, doch der Mittelfeldmotor hat seit einem halben Jahr keine Spielpraxis.

Am Mittwochabend bei Reals Nachholspiel in Valladolid könnte er sein Comeback geben.

Ilkay Gündogan hat wegen einer komplizierten Rückenverletzung sogar schon seit August kein Spiel mehr absolviert und wird es so gut wie sicher nicht zur WM schaffen. Die Last im defensiv-zentralen Mittelfeld lastet so mal wieder auf Bastian Schweinsteiger. Doch wird er dieser auch gewachsen sein?

Thomas Müller und Mario Götze kamen beim FC Bayern zuletzt nur als Teilzeitkräfte zum Einsatz, Toni Kroos konnte nicht immer überzeugen 884290 (DIASHOW: Nationalspieler auf Schokolade) .

Mesut Özil hat sich nach langer Verletzungspause beim FC Arsenal aus seinem Tief heraus gekämpft. Doch die großen Partien hat er mit den Londonern verloren. Sein Vereinskollege Lukas Podolski kommt über die Jokerrolle nicht hinaus, hat aber bei Löw einen Vertrauensbonus.

Andre Schürrle ist bei Chelsea ebenfalls nur Einwechselspieler, Schalkes Julian Draxler scheint in seiner Entwicklung nicht so recht voranzukommen. Sein Vereinskollege Max Meyer oder Augsburgs Andre Hahn könnten Joker sein, die Löw am Donnerstag aus dem Ärmel zieht.

Einzig der Dortmunder Marco Reus spielte in den vergangenen Wochen auf einem konstant hohen Niveau.

"Ich gespannt, wie das Mittelfeld aussieht", sagt Strunz und steht damit nicht alleine da (SHOP: Jetzt Fanartikel vom DFB-Team kaufen).

"Es gibt den einen oder anderen Spieler, der einen Mehrwert aufgrund seiner Persönlichkeit hat. Das ist die Ausnahme, aber nicht die Regel", hatte Löw Anfang März erklärt.

Khedira zählt zu diesen Spielern. Wer noch, ist die große Frage. Vor allem im Angriff.

Problemzone Sturm:

Klose gab beim 3:3 gegen Hellas Verona am Wochenende sein Kurz-Comeback.

"Ich muss noch viel arbeiten in dieser Woche und hoffe, dass ich gegen Inter wieder bei 100 Prozent sein werde", sagte der 35-Jährige von Lazio Rom.

Noch zwei Spiele in der italienischen Liga bleiben Klose bis zum Beginn des DFB-Trainingslagers in Südtirol am 21. Mai. "Für mich ist es wichtig, wieder in Topform zu kommen, noch fehlt mir die Kraft für 90 Minuten", gibt Klose zu.

Von Kloses Fitness ist der zweite Italien-Legionär im Angriff weit entfernt. Gomez stand beim 2:3 im Pokalfinale gegen Neapel am Wochenende ebenso wenig im Kader des AC Florenz wie am Dienstag in der Meisterschaft bei der 3:4-Pleite gegen Sassuolo.

Gomez glaubt jedoch weiter an seine Reise nach Brasilien. "Am Ende ist es wichtig, was im Juni, Juli passiert und nicht im März, April - das ist meine Devise", sagte er jüngst bei "Sky Sport News HD": "Ich werde mich freuen, einfach das Maximum aus mir herauszuholen bei dieser WM."

Löw und sein Assistent Hansi Flick werden die Lage bei Gomez genau beäugen und sich mit DFB- Teamarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt besprechen.

Wenn es rein nach dem Leistungsprinzip ginge, müssten andere, fitte Spieler den Vorzug gegenüber Gomez erhalten. Gladbachs Max Kruse und Hoffenheims Kevin Volland stehen voll im Saft (EINWURF: Löw sollte auf Gomez verzichten).

Es kann aber sein, dass der Bundestrainer auf Zeit spielt, denn der DFB muss erst am 13. Mai (Mitternacht) eine vorläufige 30-Mann-Liste an die FIFA melden.

"Ich glaube, dass Löw erst einmal einen sehr großen Kader benennen wird, um dann auch noch flexibel handeln zu können", sagt Strunz: "Ansonsten denke ich, dass sich die Mannschaft mehr oder weniger schon von selbst aufstellt."

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