Wie verkaufen sie sich nach dem Champions-League-Aus mit dem DFB-Team bei der WM? Die Bayern-Akteure (v.l.) Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger, Toni Kroos und Jerome Boateng © getty

Das Bayern-Aus gegen Real wirft Fragen für die WM auf. SPORT1-Experte Olaf Thon glaubt aber an einen "schelmischen Wink".

Von Holger Luhmann

München - Nein, für Zweifel, Angst, oder gar Panik bestehe kein Anlass.

Olaf Thon sagt das. Und der SPORT1-Experte ruft allen Skeptikern und Pessimisten förmlich zu: Macht euch keine Sorgen!

"Es wird nichts Negatives hängen bleiben", sagt Thon.

Er meint das Aus des FC Bayern im Halbfinale der Champions League gegen Real Madrid (Bericht: Trister Abgang der einstigen Könige).

Dieses schon demütigende 0:4. Und die möglichen Auswirkungen für die deutsche Nationalmannschaft bei der WM in gut sechs Wochen in Brasilien. ( 816411 DIASHOW: Die Spielstätten der WM 2014 )

Parallelen zu 1990

"Bayern hat sich schon etwas dabei gedacht", sagt Thon mit einem gehörigen Schuss Ironie.

Was er meint, ist Folgendes: Auch 1990 schieden die Bayern im Halbfinale des damaligen Europapokals der Landesmeister aus.

Damals scheiterten die Münchner mit Thon, Klaus Augenthaler, Jürgen Kohler und Stefan Reuter am AC Mailand. Wenige Wochen später war Deutschland Weltmeister, zum bislang letzten Mal.

"Vielleicht", sagt Thon, "ist die Niederlage der Bayern nun ja ein gutes Omen, ein schelmischer Wink des Schicksals."

"Ein paar Tage Abstand werden reichen"

"Im Rückblick hat das Aus gegen Mailand für mich damals keine Rolle gespielt", erklärt Thon, der am Donnerstag 48 Jahre alt wurde: "Es geht darum, den Deckel drauf zu machen."

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Gerade den Bayern-Spielern, insbesondere Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger und Manuel Neuer, traue er dies zu. ( 883538 DIASHOW: Die Bayern in der Einzelkritik )

"Sie haben die Qualität und das Zeug dazu, den Hebel für die WM wieder umzulegen, wieder hoch zu schalten", sagt Thon: "Ein paar Tage Abstand werden ihnen reichen. Sie wissen genau, was zu tun ist für den Vergleichskampf auf höchstem Niveau. Es geht um das höchste Ziel."

Damit liegt Thon auf einer Linie mit Franz Beckenbauer. "Ich kann mir vorstellen, dass die Spieler in ein kleines Loch fallen und erst einmal Leere verspüren. Aber nein, an einen tiefer gehenden Knacks glaube ich nicht", sagte der "Kaiser" der "Bild".

Netzer sieht es genauso

Günter Netzer wiederum erklärte in der Feiertagsausgabe der "Bild am Sonntag" vom 1. Mai: "Ich halte es für undenkbar, dass dieses Spiel Einfluss auf die WM haben wird. So etwas wäre konstruiert."

"Wenn es ein Spieler in sechs Wochen bis zum Turnier nicht schafft, so eine Enttäuschung zu verarbeiten, sollte ihn Löw gleich zu Hause lassen", so der Welt- und Europameister.

Und für den Bundestrainer selbst sei es gar "ein Vorteil, wenn die Spieler eine Woche früher zur Verfügung stehen."

Aufmunterung von Özil und Löw

Die Begegnung in München war am Dienstag gerade ein paar Minuten vorbei, da schickte Mesut Özil via Twitter bereits eine Aufmunterung via Twitter.

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Bundestrainer Joachim Löw, der sein WM-Aufgebot am 8. Mai benennen wird, schlug in die gleiche Kerbe und begann sogleich mit mentaler Aufbauarbeit.

Die Bayern würden nun "den Blick nach vorn richten", sagte der 54-Jährige und fügte hinzu: "Gemeinsam haben wir ja noch große Ziele. Es bleibt dabei, dass die Bayern bislang insgesamt eine ganz starke Saison gespielt haben." (DATENCENTER: Der Spielplan der WM 2014)

Der Bayern-Block wankt

Gefallen haben dürfte Löw, der in München Augenzeuge der historischen Münchner Klatsche war, die Vorstellung der Bayern dennoch nicht.

Zu sehr befinden sich Spieler in einer beängstigenden Abwärtsspirale.

Der erhoffte starke Bayern-Block im DFB-Team wankt und wird möglicherweise sogar bröseln.

Nicht die einzigen Sorgenkinder

Löw ist gefordert, insbesondere Schweinsteiger, Toni Kroos, Thomas Müller, Mario Götze und Jerome Boateng aus ihrem Tief zu führen. ( 883975 DIASHOW: Guardiola 2.0: Der Kader-Check )

Gerade das Mittelfeld-Duo Schweinsteiger/Kroos enttäuschte gegen Real mit Schlafwagen-Fußball statt Tempo und Spielwitz.

Beim Konter zum 0:3 versagte Kroos zudem als Abfangjäger und ließ Gareth Bale einfach laufen.

Wenig fürs Selbstbewusstsein

Zu vernachlässigen ist auch nicht: Weltfußballer Cristiano Ronaldo wird ebenso wie Real-Linksverteidiger Fabio Coentrao mit Portugal der WM-Auftaktgegner des DFB-Teams sein.

Da ist die Bayern-Schmach gegen Madrid nicht gerade förderlich für das Selbstbewusstsein.

Und die Bayern sind ja nicht Löws einzige Sorgenkinder: Zwar haben die angeschlagenen Miroslav Klose, Mario Gomez und Sami Khedira in ihren Vereinen schon wieder das Training aufgenommen, die nötige Spielpraxis haben sie aber weiterhin nicht.

Angenehmer Nebeneffekt

Das Aus des FCB hat für Löw aber auch einen angenehmen Nebeneffekt.

Die Bayern kann er damit zum Start des Trainingslagers in St. Leonhard in Südirol am 21. Mai begrüßen.

Übrigens: Auch vor den EM-Titeln der Spanier 2008 und 2012 sowie ihrem WM-Coup 2010 schaffte es der FC Barcelona mit dem damaligen Großteil der Nationalspieler nicht ins Finale der Champions League.

Auch dies könnte, um es mit Thon zu halten, ein "schelmischer Wink" sein.

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