Hans-Dieter Flick wird nach der WM Sportdirektor des DFB © getty

Löws Co-Trainer und künftiger Sportchef erklärt bei SPORT1 den WM-Fahrplan - und warum Hitze und Campkoller keine Ausreden sind.

Von Thorsten Mesch

Frankfurt - Die Planungen für die WM-Endrunde in Brasilien werden immer konkreter, nach und nach lüftet der DFB die letzten Geheimnisse.

Wie der Verband am Freitagmorgen bestätigte, trifft das Team von Bundestrainer Joachim Löw am 1. Juni in Mönchengladbach auf das von Volker Finke betreute Kamerun.

Damit ist nach den Tests gegen Chile (5. März) und Polen (13. Mai) das dritte von vier Vorbereitungsspielen fix.

Gesucht wird nun noch ein Gegner für die Generalprobe am 6. Juni in Mainz. Nach SPORT1-Informationen kommen dafür Rumänien oder Tschechien infrage.

Im SPORT1-Interview spricht Löws Assistent und künftiger Sportdirektor Hans-Dieter Flick über die viel diskutierte Quartier-Wahl (BERICHT: Campo Bahia wird germanisches Dorf), den Stand der Planungen und die WM-Chancen von Sami Khedira.

SPORT1: Herr Flick, die Entscheidung über das deutsche WM-Quartier ist gefallen. Sie war für viele überraschend, aber wie wichtig war sie gerade mit Blick auf die zu erwartenden Bedingungen in Brasilien und den Reisestress?

Hansi Flick: Alle vier deutschen Mannschaften sind noch in der Champions League vertreten, viele Spieler werden also im WM-Jahr in ihren Vereinen auch international stark belastet sein. Generell ist das natürlich sehr erfreulich. Gleichzeitig aber unterstreicht diese hohe Beanspruchung auch die Bedeutung und Wichtigkeit nach einem ausgeglichenen Verhältnis zwischen Belastung und Regeneration bei der WM. Die Hitze und die hohe Luftfeuchtigkeit in Brasilien müssen wir ohne Wenn und Aber annehmen, hier werden wir uns auch akklimatisieren. Minimieren können wir aber den Reise-Stress. Ich denke, das ist uns durch unsere Planung und die günstige geographische Lage unseres Quartiers auch gelungen. Wir haben uns hierzu viele Gedanken gemacht. Der Fokus muss auf unsere Trainingseinheiten und den Spielen liegen. Das Quartier kann auch ein Pluspunkt sein, um den Teamgeist zu stärken. Wir gehen voller Vorfreude nach Bahia.

SPORT1: Während eines Turniers ist es enorm wichtig, die Mannschaft bei Laune zu halten. Das Campo Bahia liegt ziemlich abgelegen, man muss eine Fähre benutzen, um es zu erreichen. Was macht Sie so sicher, dass kein Lagerkoller aufkommt?

Flick: Wenn man auf der Fähre ist, aussteigt, dann ist man gefühlt schon im Campo Bahia. Wenn man im Rhythmus ist, dreht sich vorher alles um das Spiel und danach denkt man an das nächste. Die Spieler sind so getaktet, dass normalerweise kein Koller aufkommen kann. Man muss positiv an die Sache herangehen.

SPORT1: Was planen Sie konkret, und was begeistert Sie am Campo Bahia?

Flick: Wir machen verschiedene Aktionen, und außerdem unterscheidet es sich von dem, was die Spieler sonst kennen. Die Hotels, die sie Woche für Woche haben, sind zwar schön und luxuriös, aber immer gleich. Das Campo Bahia ist etwas ganz Anderes. Es ist wie ein kleines Dorf. Wir waren alle begeistert von der Idee, die dahinter steckt und können uns gut vorstellen, dass die Mannschaft sich dort relativ schnell regeneriert, erholt und für das nächste Spiel gut präpariert ist.

SPORT1: Oliver Bierhoff hat bei der Präsentation des Quartiers erklärt, die deutsche Mannschaft wolle während der WM das "zweite Brasilien" werden. Als Sie bei der Auslosung in Costa do Sauipe waren, wie haben Sie die Stimmung in Brasilien gegenüber der deutschen Mannschaft empfunden?

Flick: Die Stimmung war überall sehr, sehr positiv. Alle, die uns begegnet sind, waren sehr freundlich. Ein Taxifahrer hat uns erzählt, dass die Menschen in Brasilien alle den deutschen Fußball mögen, weil er einfach spektakulär ist. Wenn es gegen Brasilien geht, gibt es aber keine Freunde. Ich glaube, dass wir es schaffen können, dort positiv anzukommen und die Freude, für die unser Team und unseren Fußball steht, zu zeigen. Dann werden wir auch gut aufgenommen.

SPORT1: Bis zur Abreise nach Brasilien wird das DFB-Team noch vier Testspiele austragen. Chile (5. März 2014) und Polen (13. Mai) stehen als Gegner fest. Hinzu kommt nun das Spiel gegen Kamerun in Mönchengladbach (1. Juni). Ihr Wunschgegner?

Flick: Mit Blick auf das WM-Vorrundenspiel gegen Ghana ist Kamerun natürlich ein hervorragender Gegner. Die ersten Gespräche hierzu haben wir bereits am Rande der Auslosung in Brasilien mit Volker Finke geführt, umso schöner, dass es nun geklappt hat. Für das Spiel am 6. Juni wollen wir eine Mannschaft haben, die uns fordert, aber gegen die wir unser Spiel umsetzen können. Es gibt zwei oder drei Alternativen, aber man muss abwarten, welche Nation zu diesem Zeitpunkt eine Mannschaft stellen kann.

SPORT1: Wie schätzen Sie die Gruppengegner Portugal, Ghana und USA ein und hat das erste Spiel gegen Portugal eine besondere Bedeutung?

Flick: Auftaktspiele sind immer wichtig. Portugal ist ein harter Brocken, aber wir haben zuletzt immer gut gegen sie ausgesehen. Sie haben eine absolute Klassemannschaft und Cristiano Ronaldo ist einer der besten Spieler der Welt, er kann Spiele allein entscheiden. Ghana ist eine der besten afrikanischen Mannschaften. Die USA sind physisch stark, und das Spiel wird sehr emotional.

SPORT1: Joachim Löw trifft auf seinen früheren Cheftrainer Jürgen Klinsmann. Wie nehmen Sie die Stimmung im deutschen Führungsteam wahr?

Flick: Ich war zwar 2006 noch nicht dabei, aber man merkt es in unserem Team, ob es Andi Köpke, Oliver Bierhoff oder Jogi Löw ist. Alle waren schon etwas in Gedanken versunken, bei Jürgen wird es genauso sein.

SPORT1: Die USA hat es heftig erwischt, was die Reisestrapazen betrifft. Welche Rolle kann das spielen?

Flick: Die USA haben es schwerer, sie haben längere Wege und müssen in Manaus gegen Portugal spielen. Das ist schon eine Herausforderung. Aber letztendlich geht es darum, die Bedingungen anzunehmen. Ich glaube, wir haben gute Rahmenbedingungen schaffen können, vor allem auch mit dem Quartier.

SPORT1: Dann müssen nur noch die Verletzten rechtzeitig fit werden. Wie sehen Sie die Situation bei Sami Khedira nach dessen Kreuzbandriss im Spiel in Italien im November? (WM-Chancen steigen)

Flick: Er ist optimistisch. Sami ist ein Kämpfer und eine starke Persönlichkeit mit viel Energie. Wir warten einfach mal ab, für Prognosen ist es viel zu früh.

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