Die SPORT1-Reporter Jochen Stutzky (l.) und Thorsten Mesch (r.) mit Luis © SPORT1

SPORT1 ist bei der WM-Auslosung dabei, doch einen Tag davor sind sich die Brasilianer nicht einig: Ist die WM Fluch oder Segen?

Aus Brasilien berichten Thorsten Mesch und Jochen Stutzky

Costa do Sauipe - Marcelo freut sich auf die WM.

"Sie bringt Jobs für viele Menschen bei uns in der Umgebung von Salvador de Bahia. Es kommen viele Menschen aus der ganzen Welt her. Während der WM und hoffentlich auch danach", sagt der Rezeptionist in der "Pousada Aloha Brasil" in Praia do Forte, wo SPORT1 sein Lager aufgeschlagen hat.

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Im Ortskern malt ein Mann eine brasilianische Flagge an eine Hauswand, das WM-Maskottchen ?Fuleco? steht in vielen Geschäften. ( 816007 DIASHOW: Die Lostöpfe im Überblick ).

Vor der Auslosung der Vorrunden-Gruppen am Freitag (13 Uhr Ortszeit, 17 Uhr deutscher Zeit) steigt das WM-Fieber in ganz Brasilien.

Auslosung bestimmt die Schlagzeilen

Im Auslosungsort Costa do Sauipe trafen am Donnerstag die letzten Delegationen der Teilnehmerländer ein, Joachim Löw saß im Hotelgarten und besprach sich mit seinem Team.

Im brasilianischen Fernsehen laufen Vorberichte, die Zeitungen sind voll mit allen Informationen rund um die Auslosung und die möglichen Gegner der Selecao.

"Ich fände es gut, wenn Brasilien auf Italien treffen würde, dann sehen wir ein sehr gutes Spiel", sagt Angelo, ein Einwanderer aus Sizilien, der eine Frau aus Bahia geheiratet hat und seit 13 Jahren in Brasilien lebt.

"Durch die WM wird es teurer"

"Durch die WM wird das Leben hier immer teurer, aber sie ist eine sehr gute Werbung für das Land", sagt der Italiener, der zu unserer Überraschung perfektes Deutsch spricht.

"Ich habe 20 Jahre in Deutschland gewohnt und in Berlin und Ostfriesland in einer Pizzeria gearbeitet", erklärt er.

Das Leben in Brasilien werde durch die WM "immer teurer, aber sie ist eine sehr gute Werbung für das Land. Für den Tourismus und die Entwicklung Brasiliens ist sie eine sehr gute Sache", sagt er.

Einen Tipp für das Endspiel hat er auch: "Brasilien gegen Deutschland." (BERICHT: DFB droht Hammergruppe)

Hoffen auf den sechsten Titel

Luis, ein Rasta, der in der Fußgängerzone Armbänder und andere Souvenirs verkauft, erinnert sich gern zurück an die ganz großen Zeiten des brasilianischen Fußballs.

"Die WM 1970 war fantastisch. Damals haben Pele und Jairzinho gespielt", schwärmt Luis. "Jetzt haben wir Neymar und viele andere gute Spieler. Ich hoffe, dass wir wieder Weltmeister werden."

Der Souvenirverkäufer und Hobbysänger weiß, dass in seinem Heimatland viel Geld für die WM ausgegeben wird, das dann an anderer Stelle fehlt.

Aber er meint: "Die Leute sollen nicht klagen, sondern arbeiten. Durch die WM kann sich Brasilien mit seiner Kultur der ganzen Welt zeigen. Das ist mit Geld nicht zu bezahlen."

"WM bringt vielen Brasilianern Arbeit"

Auch Ronaldo, den wir am kleinen Hafen treffen, sieht die WM nicht so negativ wie die Kritiker, die auf Verschwendung hinweisen und dafür schon während des Confed-Cups im Sommer auf die Straße gingen um zu protestieren.

"Die WM bringt vielen Brasilianern Arbeit. Ich glaube auch, dass durch sie viel Geld für die Erziehung unserer Kinder kommen wird", sagt er.

Geld für Krankenhäuser wichtiger

Marcelo sieht die Sache etwas anders.

"Die WM kostet viel Geld. Und das fehlt dann für andere wichtige Dinge wie Krankenhäuser, Schulen und die Erziehung unserer Kinder", sagt der Hotel-Rezeptionist und Fan von Vasco da Gama aus Rio.

"Es wird eine große Party"

Ronaldo betont einen nicht zu unterschätzenden Aspekt: "Die Leute haben bei der WM etwas zu feiern, es wird eine große Party."

Er freut sich "auf die vielen guten Fußballer, die aus der ganzen Welt nach Brasilien kommen. Ich hoffe, dass wir Weltmeister werden, aber Deutschland hat auch ein sehr gutes Team."

Für die Vorrunde wünscht er sich leichte Gegner für die Selecao: "Honduras wäre nicht schlecht."

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