Es gibt einen guten Grund für die vorzeitige Verlängerung mit Löw. Dennoch ist nicht sicher, dass er bis 2016 weitermachen wird.

DFB-Präsident Wolfang Niersbach war am Freitag sichtlich zufrieden. Denn der gelernte Sportjournalist hat mit der Vertragsverlängerung mit Joachim Löw bis 2016 sein Ziel erreicht: Ruhe.

Anhaltende mediale Diskussionen und Unruhe aufgrund der ungeklärten Zukunft des Bundestrainers wie vor der WM 2010 wird es diesmal bis zur Endrunde in Brasilien nicht geben.

Dabei ist Löws Zukunft ungeachtet des eben erst unterschriebenen Kontrakts völlig offen.

Denn alles steht und fällt mit dem Abschneiden im nächsten Sommer. Löw selber hat ja schon erklärt, dass er seine Arbeit bei einem sang- und klanglosen Ausscheiden nicht weiter führen könne und wolle.

[image id="28d75009-63c7-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Und dass der Badener im Fall des Titelgewinns nicht auf dem Höhepunkt abtreten wird, kann sich auch keiner ernsthaft vorstellen. Das wissen alle Beteiligten, deshalb gibt es eine beidseitige "geheime" Ausstiegsklausel nach der WM.

Bleibt die Frage, welches Szenario eintreten müsste, damit Löw tatsächlich seine Arbeit bis zur nächsten Europameisterschaft in Frankreich fortsetzen will ? und kann.

Nach dann zehn Jahren beim DFB spricht eigentlich alles für einen Tapetenwechsel, auf lukrative Angebote von Topklubs wird er kaum lange warten müssen.

Andererseits gefällt Löw erwiesenermaßen der Job als Bundestrainer, und seine hoch talentierte und junge Mannschaft hat noch einige Jahre Potenzial für große Titel.

Genau in dieser zumindest offensiv nie dagewesenen Qualität der Nationalelf liegt aber auch Löws größtes Problem. Denn in der breiten Öffentlichkeit zählt nach inzwischen 17 Jahren Durststrecke und zwei dritten und einem zweiten Platz in Löws Amtszeit eigentlich nur noch der Titel.

Bei der EM im Vorjahr gewann die DFB-Auswahl alle Spiele bis zum Halbfinale. Doch in der Wahrnehmung ist bis heute nur das bittere Aus gegen Italien geblieben ? und die empörten bis wütenden Reaktionen bei Medien und Fans danach.

Für Löw selber ist es der Fluch der guten Tat, denn angesichts des spielerischen Höhenflugs seines Teams wird alles unterhalb eines Titelgewinns fast ausschließlich auf den Fakt der Niederlage reduziert.

Die großen Vorbehalte gegen den Bundestrainer liegen aber auch darin begründet, dass er für die Pleiten gegen Spanien 2008 und 2010 und Italien 2012 aufgrund taktischer Fehleinschätzungen öffentlich haupt- bis alleinverantwortlich gemacht wird.

Und aktuell halten viele die vorzeitige Verlängerung trotz der souveränen Qualifikation mit Verweis auf die anhaltenden Schwächen in der Defensive für nicht gerechtfertigt.

Löw wird die große Zahl der Kritiker nur mit einer (sehr) erfolgreichen WM überzeugen können - von daher ist der neue Vertrag zum jetzigen Zeitpunkt ein Muster ohne Wert.

Weiterlesen