Joachim Löw arbeitet seit 2006 als Bundestrainer beim DFB © getty

Der DFB-Trainer unterschreibt bis 2016, sein jetziger Assistent bekommt einen Langzeit-Vertrag. Ein Ex-Nationalcoach schwärmt.

Frankfurt - Die langjährige Zusammenarbeit zwischen dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) und Joachim Löw geht weiter und soll bis mindestens 2016 bestehen bleiben.

Nach der erfolgreichen WM-Qualifikation machten beide Parteien schnell Nägel mit Köpfen und verlängerten 237 Tage vor dem Start der WM in Brasilien wie erwartet frühzeitig den Vertrag bis zur Europameisterschaft in zweieinhalb Jahren in Frankreich (Bericht).

Zeitgleich unterschrieben auch Teammanager Oliver Bierhoff (45) und Torwarttrainer Andreas Köpke (51) neue Arbeitspapiere für weitere zwei Jahre. Löws bisheriger Assistenztrainer Hansi Flick (48) beerbt nach der WM an der Copacabana erwartungsgemäß beim Verband Robin Dutt als Sportdirektor.

Flick erhält einen Fünfjahresvertrag bis August 2019, Löw muss sich einen neuen Co-Trainer suchen.

"Zeichen der Wertschätzung"

"Ich werte diese Verlängerung als ein Zeichen der gegenseitigen großen Wertschätzung und als positives Signal für diejenigen, die diesen Weg mitgegangen sind. Wir spüren eine große Motivation und Leidenschaft", sagte Löw. "Die Entwicklung dieser Mannschaft ist noch nicht zu Ende, wir sehen das Potenzial."

Er setzte um 10.22 Uhr seine Unterschrift unter den Vertrag, nachdem er einmal mehr souverän mit seiner Mannschaft die Qualifikation für das Turnier am Zuckerhut durchlaufen hatte. (DATENCENTER: WM-Quali)

Franz Beckenbauer geriet aufgrund der Verlängerung ins Schwärmen. "Der DFB und Löw passen zusammen. Auf der einen Seite hast du einen Weltklasse-Verband und auf der anderen Seite einen Weltklasse-Trainer. Ich kann beiden Parteien nur zu der Entscheidung gratulieren", sagte der ehemalige DFB-Teamchef zu "Sky".

Die aktuelle Mannschaft lobte der 68-Jährige überschwänglich. "Die Nationalmannschaft spielt souverän, die Auswahl der Spieler war nie besser - vom technischen Vermögen ganz zu schweigen", betonte Beckenbauer, der 1990 mit Deutschland die Weltmeisterschaft gewann.

Jahresgehalt wohl angehoben

Auch wenn Löw, dessen Jahresgehalt ab kommenden Sommer angeblich von 2,5 auf 3 Millionen Euro angehoben wird, bislang bei seinen drei Turnieren noch keinen Titel holte, genießt er das 100-prozentige Vertrauen der gesamten DFB-Führungsetage mit Präsident Wolfgang Niersbach (62).

"Warum bis nach der Endrunde in Frankreich? Weil wir absolut überzeugt sind von der Arbeit der sportlichen Leitung. Dieses Innenleben der Mannschaft ist professionell wie vertraulich - dieses Verhältnis spiegelt sich wider in den spektakulären Auftritten", sagte Niersbach, der auch die Arbeit von Bierhoff, Köpke und eben auch Flick in den höchsten Tönen lobte.

Die Vertragsverhandlungen hätten auch "per Handschlag" besiegelt werden können, sagte Löw.

Zu einer angeblichen Ausstiegsklausel für den DFB und für Löw, der seit 2006 Cheftrainer der Nationalelf ist, wurde offiziell nichts bekannt.

Solche Inhalte, so Niersbach, seien "traditionell" beim DFB noch nie verkündet worden. Angeblich würde aber dem gebürtigen Schwarzwälder Löw bei einem frühzeitigen Scheitern in Brasilien der dann unvermeidbare Abschied mit einer stattlichen Summe versüßt.

Kein Garantieschein

Der Bundestrainer betonte, dass der neue Vertrag keinen Garantieschein beinhaltet. "Sollten wir ohne Punkte nach Hause fahren, ist das natürlich keine Basis für eine weitere Zusammenarbeit", erklärte Löw.

Dieses Szenario wolle er aber nicht durchspielen. "Ich habe keine Zweifel, dass wir ein gutes Turnier spielen werden", betonte Löw.

Auch bei einem Titelgewinn könnte Löw dann auf dem Höhepunkt seiner Karriere abdanken und würde anschließend nicht in Armut leben müssen.

"Wollen Weltmeister werden"

Großes Ziel ist der vierte WM-Titel.

"Wir wollen alle Weltmeister werden, das ist doch klar", sagte Niersbach, schränkte aber sofort ein: "Ihr wisst doch alle, an welchen Kleinigkeiten das letztendlich hängt. Was wir versprechen können, ist, dass wir alles möglich machen, dass die Mannschaft da top vorbereitet rübergeht. Wir gehören zu den Favoriten, aber am Ende ist es der Schuss an den Innenpfosten oder eine dumme Rote Karte."

Auch Löw betonte, das Team strebe in den nächsten Monaten den "maximalen Erfolg" an. "Wir stellen uns dieser Aufgabe und stellen uns diesem Druck", sagte der DFB-Coach.

Mittagshitze kein Problem

Die äußeren Bedingungen in Brasilien sieht er dabei nicht als großes Problem an. "In der Ukrainie sind wir auch damit klargekommen. In Mexiko 1970 musste wegen des Fernsehens in der Mittagshitze gespielt werden. Wir suchen keine Entschuldigungen", sagte auch Niersbach.

Der künftige Sportdirektor Flick machte aus seinem Wunsch zum Abschied keinen Hehl: "Wir haben alle ein riesengroßes Ziel, nämlich Weltmeister zu werden. Dafür müssen wir alles tun."

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