Staffan Olsson (l.) trainiert seit 2008 die schwedische Handball-Nationalmannschaft © getty

Schwedens Handball-Nationaltrainer übersetzt Joachim Löws Pressekonferenz. Im SPORT1-Interview erklärt der frühere Kieler, warum.

Vom DFB-Team berichten Thorsten Mesch, Jochen Stutzky und Markus Höhner

Stockholm - Das Erstaunen war groß, als im Saal des Stockholmer Sheraton auf einmal ein großer, langhaariger Mann mit Dreitagebart und weißen T-Shirt neben Joachim Löw Platz nahm.

Staffan Olsson, in Schweden Bundestrainer der Handballer und den deutschen Fans als langjähriger Star beim THW Kiel bestens bekannt, übersetzte für die schwedischen Journalisten die Pressekonferenz des deutschen Bundestrainers.

"Ich habe 13 Jahre in Deutschland gewohnt und fand das eine lustige Sache", sagte Olsson, der mit Kiel viermal Meister wurde, den Pokal und den EHF-Cup gewann.

Mit Schweden wurde er zweimal Weltmeister und vier Mal Europameister, als Trainer gewann er mit Schweden 2012 Silber bei den Olympischen Spielen in London.

Im Interview spricht der 49-Jährige über Löw, den deutschen Fußball und den deutschen Handball.

SPORT1: Herr Olsson, wie kommt es, dass Sie für die deutsche Nationalmannschaft übersetzen?

Staffan Olsson: Der Kontakt kam über den schwedischen Fußballverband zustande. Ich finde das interessant. Ich habe 13 Jahre in Deutschland gewohnt und fand das eine lustige Sache. Deshalb habe ich zugesagt.

SPORT1: War das für die Handballer okay?

Olsson: Ich habe den Handballverband natürlich gefragt, und die haben fast gejubelt, weil sie die Idee des schwedischen Fußballverbands sehr gut fanden. Ich habe nicht die größte Rolle gespielt, und das war auch gut so. Aber es hat mir sehr viel Spaß gemacht.

SPORT1: Stimmt es, dass Ihre Tochter Hanna diesen Job auch schon gemacht hat?

Olsson: Meine Tochter ist in Deutschland geboren und aufgewachsen und spricht genauso gut Deutsch wie Schwedisch. Sie hat vor dem Spiel gegen Österreich übersetzt und ich habe gehört, sie hat es sehr gut gemacht. Gegen Deutschland wollte ich es aber gern selbst machen, weil ich auch Joachim Löw gern treffen wollte.

SPORT1: Was war für Sie beim Übersetzen schwierig?

Olsson: Einmal war der Name Max Kruse mal kurz weg, aber ich kenne mich im Fußball ziemlich gut aus und kenne die Ausdrücke. Herr Löw hat ziemlich lange gesprochen. Ich habe versucht, alles zu behalten, aber ich habe seine Antworten etwas kürzer übersetzt.

SPORT1: Haben Sie auch mit ihm gesprochen?

Olsson: Ich habe kurz mit ihm gesprochen, aber ich würde mich gerne einmal länger mit ihm unterhalten. Ich habe ein paar Fragen an ihn zu seinem Stil als Trainer. Mich interessiert sehr, welche Verwandlung der deutsche Fußball hinter sich hat, sie haben eine lange Reise hinter sich.

SPORT1: Welcher ist ihr Lieblingsspieler im deutschen Team?

Olsson: Es gibt viele gute Spieler, aber ich mag Thomas Müller sehr gerne. Er kämpft immer und macht viele unmögliche Sachen.

SPORT1: Die deutschen Handballer haben Olympia und die EM verpasst. Wie beurteilen Sie die Situation?

Olsson: Es ist schwer zu beurteilen, wenn man nicht nah dran ist. Schweden hat die Weltmeisterschaft verpasst, und drei Monate später holen wir die Silbermedaille bei den Olympischen Spielen. Es ist ziemlich eng im internationalen Handball und fast jede Nation tut sich mal etwas schwerer. Ich bin überzeugt, dass der deutsche Handball wieder kommt. Die haben ein riesiges Potenzial.

SPORT1: Ist Martin Heuberger der richtige Trainer?

Olsson: Das kann ich wie gesagt aus der Ferne überhaupt nicht beurteilen. Ich habe genug mit meiner eigenen Arbeit zu tun. Da mische ich mich nicht ein. Er hat schon vorher mit den jungen Spielern gearbeitet und es ist wahrscheinlich der richtige Weg.

SPORT1: Sie haben lange in Kiel gespielt. Der THW war lange sehr dominant, aber die Champions League hat Hamburg gewonnen. Und in der Bundesliga liegen die Top-Teams sehr eng zusammen. Ist das gut für den Handball?

Olsson: Kiel hat viele Spieler ausgetauscht und viele junge Leute dabei. Deshalb war fast damit zu rechnen, dass sie nicht mehr so überlegen sind. Auch wenn es mich als ehemaligen Kieler natürlich freut, wenn der THW alles gewinnt. Für die Bundesliga ist es gut, dass ein paar andere Mannschaften oben mitspielen. Es gibt bestimmt vier, fünf Teams, die die Meisterschaft gewinnen können. Sie wird bestimmt spannend und interessant.

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