Joachim Löw arbeitet seit 2006 als Nationaltrainer beim DFB © getty

Der DFB-Trainer soll am Freitag bis 2016 verlängern. Doch der neue Kontrakt schließt einen vorzeitigen Löw-Abschied nicht aus.

Köln - Die Hängepartie steht kurz vor ihrem Ende: In den kommenden Tagen schon soll Bundestrainer Joachim Löw seinen Vertrag verlängern.

"Mir macht es Spaß, wenn die WM gut läuft, ich bin gerne bereit, es nochmal zwei Jahre zu machen", erklärte der DFB-Coach im "ZDF-Sportstudio".

Eine Garantie sieht Löw für den Fall einer unerwarteten WM-Pleite in dem neuen Vertrag jedoch nicht: "Da sind wir nicht blauäugig."

Vertrag ist keine Garantie

Der 53-Jährige weiß, dass er unabhängig von einem neuen Kontrakt am Abschneiden seines Teams bei der Weltmeisterschaft gemessen wird.

"Wenn man so ausscheidet wie Holland bei der letzten EM und nach der Vorrunde ohne Sieg nach Hause fährt, dann sind wir uns wohl alle im Klaren darüber, dass es dann eine Veränderung geben muss - von meiner Seite aus und von der Verbandsseite", sagte Löw dem "Express".

Bei den Niederländern räumte der jetztige HSV-Coach Bert van Marwijk nach der verpatzten EM 2012 den Trainerstuhl. "Aber an solche Dinge denke ich derzeit nicht", betonte Löw.

Er äußerte sich zudem nicht zu der Frage, ob der neue Vertrag eine Ausstiegsklausel enthalten soll.

Der Termin steht

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) plant, den Deal am Freitag in der Verbandszentrale in Frankfurt zu verkünden.

"Wir haben schon Gespräche geführt und die Eckdaten festgezurrt", hatte Löw unmittelbar nach dem 3:0 gegen Irland (Nachbericht) und der damit erreichten Qualifikation für die WM in Brasilien (DATENCENTER: WM-Quali) erklärt.

Der Badener hatte 2006 als Assistent von Jürgen Klinsmann begonnen und zwei Jahre später die Chefposition übernommen.

Im November in Italien sitzt Löw zum 100. Mal auf der Bank - ein Titel fehlt ihm aber bisher.

Niersbach will Klarheit

Zwar hatte er wiederholt geschildert, auch ohne Vertragsverlängerung die fünfte Titelmission angehen zu können.

Verbandschef Wolfgang Niersbach will nach negativen Erfahrungen bei der WM 2010 in Südafrika jedoch unbedingt mit geklärten Verhältnissen nach Brasilien reisen.

Der DFB-Präsident hatte die Vertrags-Hängepartie von Löw und der kompletten sportlichen Leitung beim letzten WM-Turnier als Belastung empfunden. Bis zum letzten Qualifikationsspiel am Dienstag in Schweden ist das Thema zunächst zweitrangig ? offiziell zumindest.

"Wenn die Qualifikation dann vorbei ist, dann werden wir auch sagen, wie es weitergeht", erklärte Niersbach am Wochenende: "Da steht der Wille des Präsidiums dahinter, des ganzen DFB, dass wir möglichst diesen Weg weitergehen. Wir wollen das ohne jede Hektik machen."

Vor 100. Länderspiel

Wahrscheinlich wird er am Freitag in der DFB-Zentrale gleich eine Komplettlösung präsentieren: Andreas Köpke soll Torwarttrainer bleiben, Oliver Bierhoff als Teammanager weiter für das Markenprodukt Nationalmannschaft zuständig sein.

"Es gibt ja auch noch andere Entscheidungen, Hansi Flick wird möglicherweise Sportdirektor", sagte Löw: "Wir werden uns nach Schweden ein, zwei Tage zurückziehen und überlegen, was sind die nächsten Schritte."

Alle aktuellen Verträge laufen mit der WM-Endrunde 2014 aus. Einen vorzeitigen Wechsel von Flick auf den vakanten Direktorenposten beim Verband hatte Löw bereits ausgeschlossen, die WM in Brasilien wird der Assistent mit bestreiten.

Gegen Italien wird Löw sein 100. Länderspiel als Bundestrainer bestreiten, nur Sepp Herberger (167), Helmut Schön (139) und Berti Vogts (102) haben mehr - und sie alle holten einen Titel.

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