Die WM-Qualifikation ist perfekt. SPORT1 beantwortet die wichtigsten Fragen zu den Planungen des deutschen Trainerteams.

[kaltura id="0_hna0ondw" class="full_size" title=""]

Vom DFB-Team berichten Martin Volkmar, Thorsten Mesch, Jochen Stutzky und Markus Höhner

Köln - Joachim Löw war sichtlich zufrieden.

"Die Reise, die wir vor 13 Monaten begonnen haben, haben wir jetzt zu Ende gebracht", bilanzierte der Bundestrainer nach dem klaren 3:0 (1:0) gegen Irland (Bericht).

Doch mit der vorzeitigen WM-Qualifikation hat die DFB-Auswahl nur ein erstes Etappenziel erreicht - das Ziel der großen Reise lautet Rio de Janeiro.

Dort findet am 13. Juli 2014 das WM-Finale statt. "Ich war noch nie in Brasilien. Von daher bin ich sehr gespannt", sagte Kapitän Philipp Lahm.

Noch sind es acht Monate bis zum Anpfiff der Endrunde, doch die konkreten Planungen beginnen jetzt. SPORT1 beantwortet die wichtigsten Fragen zum Thema.

Wie geht es jetzt weiter?

Nach dem Spiel wurde mit einem Fässchen Kölsch in der Kabine gefeiert, dann gab Löw seiner Mannschaft bis Sonntagabend frei.(790620DIASHOW: Die Bilder des Spiels)

Montagmorgen geht es dann nach Schweden, wo Dienstag das letzte WM-Qualifikationsspiel ansteht. Am 15. November kommt es in Mailand zur EM-Revanche gegen Italien, am 19. November soll der zweite Klassiker in England folgen - sofern die "Three Lions" nicht in die zeitgleichen Playoffs gehen müssen.

"Es ist immer unser Wunsch, gegen Teams aus der Weltspitze zu spielen. Für unsere Entwicklung ist es gut, wenn wir auf hohem Niveau gefordert werden", sagte Löw, der in Italien zum 100. Mal als Bundestrainer auf der Bank sitzen wird.

Letztes und wichtigstes Ereignis in diesem Jahr ist dann die Auslosung der WM-Endrunde am 6. Dezember in Costa do Sauipe im brasilianischen Bundesstaat Bahia.

Welche Bedeutung hat das Schweden-Spiel noch?

Sportlich geht es in Solna um nichts mehr, da auch die Gastgeber durch das späte 2:1 gegen Österreich den zweiten Platz und damit die Teilnahme an den Playoffs sicher haben. (DATENCENTER: WM-Quali)

Sami Khedira ist gesperrt, vermutlich wird der Bundestrainer weitere Stammkräfte schonen und dafür Irland-Bankdrückern wie Max Kruse, Mats Hummels oder Julian Draxler eine Chance in der Startelf geben.

[image id="e59e474d-63c7-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Als gesichert gilt nach SPORT1-Informationen bereits der Einsatz des lange verletzten Mario Götze, der nach Rücksprache mit dem FC Bayern so Spielpraxis für die Bundesliga bekommen soll.

Die deutsche Mannschaft will in WM-Qualifikationsspielen weiterhin auswärts ungeschlagen bleiben. Zumal gegen Schweden nach dem 4:4-Drama aus dem Vorjahr noch "eine Rechnung offen ist", wie Löw und mehrere Spieler betonten.

Wann verlängert Löw seinen Vertrag?

Nicht mehr vor dem Schweden-Spiel, aber ziemlich sicher kurz danach.

"Bis zum Schweden-Spiel tut sich nichts, dann werden wir mit dem Präsidenten und dem Generalsekretär reden", kündigte Löw finale Gespräche noch diesen Monat an:

"Wir haben ja bereits einige Eckdaten abgeklärt, von daher sehe ich keine Probleme."

Letzte Details über eine Verlängerung bis 2016 sollen spätestens bis zum DFB-Bundestag am 24. und 25. Oktober in Nürnberg geklärt werden. Nach Informationen der Nachrichtenagentur "dpa" soll sogar schon bis zum kommenden Freitag alles perfekt sein.

Auch Manager Oliver Bierhoff und Torwarttrainer Andreas Köpke erhalten neue Zweijahresverträge, während Assistent Hansi Flick wahrscheinlich nach der WM DFB-Sportdirektor wird.

Teil des neuen Löw-Kontrakts ist aber wohl auch eine Abfindungsregelung für den Fall eines schwachen Auftretens und eines frühen Ausscheidens bei der WM.

Wie sieht die konkrete WM-Planung aus?

Der Bundestrainer hat sich nach seinem Besuch beim Confed Cup im Sommer bereits darauf festgelegt, erst nach der WM-Auslosung das Quartier zu bestimmen.

Derzeit hat der Verband zwei Hotelkomplexe reserviert. Je nach klimatischen Bedingungen der Vorrunden-Spielorte wird man entweder im heißen Norden bei Salvador oder im klimatisch gemäßigten Zentrum im Großraum der Megametropole Sao Paulo residieren.

"Im Moment liegt alles noch ein bisschen auf Eis. Wir haben uns einige Quartier-Optionen angeschaut. Entscheiden werden wir uns erst, wenn die Auslosung stattgefunden hat", erklärte Löw:

"Alles andere, was mit der WM zusammenhängt, ist im Moment für die Spieler noch kein Thema, für uns schon. Ich muss sagen, wir brauchen Spieler, die sich mit den Gegebenheiten arrangieren können. Wer das nicht kann, der hat verloren."

Wie planen Löw Co. die Vorbereitung?

Sportlich beginnt die heiße Phase erst nach dem DFB-Pokalfinale am 17. Mai 2014. Das einzige Länderspiel vorher am 5. März in Stuttgart gegen Chile dürfte ein Muster ohne Wert werden.

Angedacht ist derzeit eine relativ lange Vorbereitung von fast drei Wochen, um das Team für die extremen Witterungsbedingungen in Brasilien fit zu bekommen.

Nach dem Trainingslager in der Alpenregion inklusive zweier Testspiele wird der Kader daher sehr frühzeitig ins WM-Land aufbrechen, um sich dort entsprechend akklimatisieren zu können. Auch der letzte WM-Test soll bereits in Übersee stattfinden.

Wer hat seinen WM-Platz sicher?

Auf Nachfrage von SPORT1 wich Löw aus, obwohl er kürzlich von "15, 16 Spielern" mit besten Aussichten gesprochen hatte. "Das habe ich aus dem Bauch heraus gesagt", meinte er:

"Das jetzt ernsthaft zu diskutieren ist völlig abwegig. Natürlich habe ich Planspiele im Kopf. Aber gegen Irland haben acht oder neun Spieler, die normalerweise bei uns mit dabei sind, gefehlt. Eines ist auf jeden Fall klar. Im nächsten Jahr, wenn der Kader nominiert wird und alle fit sind, wird es einige Härtefälle geben."

Dennoch kann sowohl die siebenköpfige Bayern-Fraktion (ohne den langzeitverletzten Holger Badstuber) als auch das Trio des FC Arsenal den Brasilien-Trip fest einplanen.

Beste Aussichten haben auch Sami Khedira, Miroslav Klose, Mario Gomez, Marco Reus, Julian Draxler, Andre Schürrle sowie der wieder erstarkte Marcell Jansen. Im Tor dürfte Rene Adler den Platz hinter Manuel Neuer einnehmen.

Auch der zuletzt schwächelnde Mats Hummels dürfte - trotz der jüngsten Kritik - weiter das Vertrauen des Bundestrainer genießen. Damit wären bereits 19 der 23 Plätze vergeben.

Aus Dortmund müssten zudem Ilkay Gündogan und Marcel Schmelzer im Normalfall dabei sein.

Sven Bender gehört hingegen wie die Außenseiter Roman Weidenfeller oder Kevin Großkreutz zu den Wackelkandidaten. Gleiches gilt für die aktuell im Kader gesetzten Max Kruse, Lars Bender, Benedikt Höwedes oder Sidney Sam.

Insgesamt müssen sich vor allem die Herausforderer im rund 35 Mann großen Kandidatenkreis in den nächsten Monaten gewaltig strecken, um noch den Sprung nach Brasilien zu schaffen.

Weiterlesen