Joachim Löw (l.) stieg 2006 vom deutschen Co- zum Bundestrainer auf © getty

Gegen Irland will Bundestrainer Löw das WM-Ticket lösen - und seine Kritiker kontern. Die deutsche Bilanz kann sich sehen lassen.

Von Christoph Lother

München - Auf den letzten Metern dieses bis dahin so ruhigen Weges der deutschen Nationalelf zur WM in Brasilien wird es plötzlich doch noch ungemütlich.

Und das nicht nur des nasskalten Wetters wegen. Neben dem Wind wird auch der Ton rauer.

Jüngst gesehen und gehört bei Bundestrainer Joachim Löw, der sich vor dem wohl entscheidenen vorletzten Qualifikationsspiel gegen Irland am Freitagabend in Köln (ab 20.15 Uhr auf SPORT1.fm und im LIVE-TICKER) sämtlichen Frust von der Seele redete.

Löw wehrt sich gegen Kritiker

"Ein Nationaltrainer darf nicht Fähnchen im Winde sein. Ich muss Entscheidungen treffen. Dass es viele selbst ernannte Bundestrainer gibt, das ist auch normal. Das kenne ich seit vielen Jahren", sagte Löw mit Blick auf die zunehmende Kritik an seiner Arbeit in den vergangenen Wochen und Monaten (BERICHT: Löw lässt Dampf ab).

Mal war er in der Öffentlichkeit wegen seiner Personalpolitik, dann wieder wegen seines Führungsstils attackiert worden.

So wurde dem 53-Jährigen mitunter eine gezielte Vernachlässigung von Spielern des deutschen Vizemeisters Borussia Dortmund vorgeworfen.

Auch Löws regelmäßige Nicht-Nominierungen des Leverkusener Torjägers Stefan Kießling sorgten vielerorts immer wieder für Unverständnis.

Sogar Nowitzki diskutiert mit

Selbst NBA-Basketball-Star Dirk Nowitzki schaltete sich am Freitag per Twitter in die Diskussion ein.

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DFB-Elf souveräner Spitzenreiter

Dabei gaben die reinen Ergebnisse Löw zuletzt immer Recht.

Mit sieben Siegen und einem Unentschieden aus den bisherigen acht Partien thront die deutsche Mannschaft an der Spitze der Qualifikations-Gruppe C. Mit einem Remis gegen Irland kann sie das Ticket nach Brasilien bereits vorzeitig eintüten (DATENCENTER: WM-Quali).

Zudem sind die Deutschen mit ihren bislang 28 Treffern das torgefährlichste Team in ganz Europa.

Gegen Irland Färöer vergessen machen

Sollte Löws Offensive auch gegen Irland auf Touren kommen, dürfte der insgesamt 18. WM-Teilnahme einer deutschen Mannschaft nichts mehr im Wege stehen.

Und: Erinnerungen an die wenigen uninspirierten Auftritte der DFB-Elf wie zuletzt auf den Färöer dürften endgültig im Winde verwehen.

SPORT1 hat die Fakten zum Spiel gegen Irland.

Statistik:

Zum insgesamt fünften Mal treffen die beiden Teams in einem Pflichtspiel aufeinander.

Von den bisherigen vier Duellen konnte die DFB-Elf zwei für sich entscheiden, zweimal gab es ein Remis. Das Hinspiel vor fast genau einem Jahr in Dublin gewannen Löws Mannen locker und leicht mit 6:1.

Personalien:

Auf deutscher Seite müssen mit Marco Reus, Marcel Schmelzer, Ilkay Gündogan und Sven Bender gleich vier Dortmunder verletzungsbedingt passen.

Auch die erfahrenen Offensivmänner Miroslav Klose (Lazio Rom), Mario Gomez (AC Florenz) und Lukas Podolski (FC Arsenal) sind aufgrund von Verletzungen nicht dabei.

Irlands Interimscoach Noel King hingegen stehen mit Ausnahme der gesperrten Richard Dunne (Queens Park Rangers) und John O'Shea (AFC Sunderland) sämtliche Spieler zur Verfügung.

Spieler im Fokus:

Mesut Özil: Der Offensivstar vom FC Arsenal bestreitet gegen die "Boys in Green" sein 50. Länderspiel für die deutsche A-Nationalelf. Doch nicht nur sein Jubiläum, sondern auch - oder vor allem - die jüngste Kritik aus dem Lager seines Ex-Vereins Real Madrid dürfte Özil ganz besonders motivieren.

Robbie Keane: Der 33-Jährige ist der einzige echte Star im Kader der Iren und in seiner Heimat so etwas wie ein Nationalheld. "Wenn du dieses grüne Trikot anziehst, muss du stolz sein und es mit Stolz füllen", sagte der Stürmer von Los Angeles Galaxy vor seinem 130. Länderspiel.

Das sagen die Trainer:

Joachim Löw (Deutschland): "Die Iren sind nicht unbedingt Weltmeister im Ballhalten oder Tempoverschleppen. Aber sie können wahnsinnig gut verteidigen, sie sind unheimlich gut organisiert. Sie gehen immer hohes Tempo und fighten bis zum Umfallen, egal ob es 0:1 oder 0:3 steht. Wir wollen das Spiel natürlich gewinnen und vor heimischer Kulisse die Qualifikation perfekt machen."

Noel King (Irland): "Wir sind gut vorbereitet. Wir müssen 93, 94 Minuten voll konzentriert sein, dann haben wir eine Chance."

Voraussichtliche Aufstellungen:

Deutschland: Neuer - Lahm, Mertesacker, Boateng, Jansen - Schweinsteiger, Khedira - Müller, Özil, Draxler (Schürrle) - Kruse

Irland: Forde - Coleman, St. Ledger, Clark, Wilson - Gibson, McCarthy - McGeady, Doyle, McClean - Keane

Schiedsrichter: Serge Gumienny (Belgien)

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