Joachim Löw ist seit 2006 Bundestrainer © SPORT1

Bundestrainer Joachim Löw setzt gegen Irland auf einen Münchner Block. Von einer Kopie der FCB-Taktik hält er derzeit aber nichts.

Vom DFB-Team berichten Thorsten Mesch und Jochen Stutzky

Düsseldorf - Joachim Löw ist ein Bewunderer von Pep Guardiola.

Der Bundestrainer schwärmt von der Spielphilosophie des Spaniers - druckvoll, schnell, wenig Atempausen für die eigene Mannschaft und den Gegner. So stellt er sich das vor. Eben ganz ähnlich wie der Coach des FC Bayern.

Und doch geht Löw die abschließenden WM-Qualifikationsspiele am Freitag gegen Irland (ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER) und vier Tage später in Schweden ganz anders an, als es Guardiola höchst wahrscheinlich machen würde.

Phillip Lahm im Mittelfeld? Kommt für den Bundestrainer nur im Notfall infrage. Thomas Müller als Stürmer? Nicht bei Löw.

Bei aller Wertschätzung für den Kollegen aus dre Bundesliga und der zahlenmäßigen Übermacht von Münchner Profis im DFB-Kader ist eines klar: Einen FC Bayern Deutschland wird es so schnell nicht geben.

Lahm bleibt Rechtsverteidiger

"Ich plane mit ihm im Moment rechts", sagte Löw zur Personalie Lahm: "Er ist wahrscheinlich der beste Außenverteidiger der Welt, und ich will keine neue Baustelle aufmachen."

Er könne "nachvollziehen", warum Guardiola den DFB-Kapitän beim FCB als Sechser einsetze, versicherte Löw. Aber: "Wir haben auch andere Spieler, die diese Aufgabe hervorragend lösen können."

Ähnlich bewertete Löw die Lage im Angriff. Obwohl ihm die beiden Stammstürmer Miroslav Klose und Mario Gomez verletzungsbedingt nicht zur Verfügung stehen, soll Müller nicht wie zuletzt im Verein ganz vorn agieren.

"Er kann im Sturmzentrum spielen", sagte Löw: "Das ist für mich aber auch nur eine Lösung, wenn ich sonst keine andere Möglichkeit habe. Er ist auf der Postion rechts sehr wertvoll und gefählich für uns."

Die Aussage ist zudem ein Indiz dafür, dass der Gladbacher Max Kruse am Freitag von Beginn an auflaufen wird.

Löw bleibt seiner Taktik treu

Taktisch bleibt Löw also seiner Linie treu. Bei allem Hype um Guardiola und die Super-Super-Bayern, die ihre Gegner zuletzt reihenweise mit unerschütterlicher Dominanz erdrückten.

Trotzdem kann auch der Nationaltrainer zum Profiteur der neuen Münchner Spielweise werden - zumal der FCB in seiner taktischen Weiterentwicklung erst am Anfang steht. "Die Bayern verlagern das Spiel jetzt mehr in die Hälfte des Gegners", sagte Löw. Dies sei auch die Philosophie beim DFB.

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Und: Einen FC Bayern Deutschland gibt es in den anstehenden Spielen, in denen das DFB-Team die Qualifikation für die Weltmeisterschaft perfekt machen soll, zumindest personell.

Manch einem im Westen der Republik stieß dies zuletzt bereits sauer auf.

Sieben Bayern im Kader

Dass Löw sieben Spieler des Rekordmeisters nominierte, ist allein noch nicht ungewöhnlich.(DATENCENTER: WM-Quali)

Schließlich gehören bei fast jedem Länderspiel mindestens fünf oder sechs Münchner zur Anfangsformation.

Dass aber in Mats Hummels nur ein Dortmunder in Löws Kader steht, ist hingegen mindestens erstaunlich.

Natürlich, der aus dem DFB-Team nicht mehr wegzudenkende Marco Reus, Marcel Schmelzer und Sven Bender haben ihre Teilnahme ebenso verletzungsbedingt abgesagt wie Ilkay Gündogan.

Doch der zuletzt stark aufspielende Kevin Großkreutz oder der seit Jahren mit Weltklasseleistungen auftrumpfende Torhüter Roman Weidenfeller bekommen bei Löw (noch) keine Chance.

Hummels war zuletzt im DFB-Team nur Ersatz und meldete sich auch noch öffentlich zu Wort. Kritische Äußerungen seien beim DFB nicht gern gesehen, befand der Innenverteidiger und sah sich nach eigener Einschätzung auch aufgrund seiner Meinungsfreude aufs Abstellgleis befördert.

Krisengespräch mit Hummels

"Ich habe mit Mats darüber gesprochen", berichtete Löw: "Dass man beim DFB keine Kritik üben darf, ist mir neu. Es ist sogar wünschwenswert, wenn ein Spieler etwas sagt."

Anschließend lobte der Bundestrainer den Abwehrmann über den grünen Klee. Einen wirklichen Gefallen dürfte sich Hummels mit seinen Aussagen aber wohl nicht getan haben.

Einen generellen Konflikt mit dem BVB wies Löw allerdings zurück. Ungefragt betonte er: "Es gibt keine Bevorzugungen oder Benachteiligungen einzelner Spieler von einem Verein. Wer so etwas denkt, ist weit weg von der Realität."

Dortmund habe "einen hervorragenden Trainer und hervorragende Spieler", sagte Löw: Warum solle er auf diese Qualität verzichten?

Kein BVB-Star in der Startelf

Dennoch: Am Freitag gegen Irland wird vielleicht kein Borusse in der Anfangsformation stehen, aber womöglich sieben Bayern - wenn Jerome Boateng erneut den Vorzug gegenüber Hummels bekommt.

Sieben Münchner in der Startelf, das gab es auch beim verrückten 4:4 gegen Schweden vor knapp einem Jahr. Doch die Bayern des Jahres 2013 sind besser, stabiler und variabler.

Im Endspurt zur WM soll die Nationalmannschaft davon profitieren.

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