Jürgen Klopp (l.) und Roman Weidenfeller gewannen 2011 und 2012 die Deutsche Meisterschaft © imago

Bundestrainer Löw pendelt zwischen Dortmund und Leverkusen und führt Gespräche. Klopp ist zufrieden, Weidenfeller hat gute Karten.

Von Thorsten Mesch

München - Autobahn 1, A 43 oder 44 - zwischen Düsseldorf, Leverkusen und Dortmund kennt sich Joachim Löw jetzt ziemlich gut aus.

Am Dienstag und Mittwoch pendelte der Bundestrainer zwischen den drei Städten hin und her, sah zwei deutsche Siege in der Champions League - und führte wichtige Gespräche zur Lage in der Nationalmannschaft.

Hat sich der Ärger um Mats Hummels gelegt? Bekommt Roman Weidenfeller endlich seine Chance? Und hat Stefan Kießling noch eine Zukunft im DFB-Team?

Fragen, die nicht nur bei BVB und Bayer vor der Kadernominierung für die abschließenden WM-Qualifikationsspiele gegen Irland und Schweden am Freitag interessieren.

Klopp erzählt von sehr gutem Gespräch

"Wir hatten ein sehr gutes Gespräch. Jogi Löw, Andreas Köpke und ich haben alle relevanten Themen besprochen. Es war ein gutes Gespräch in entspannter Atmosphäre", sagte Jürgen Klopp der "Bild".

Dortmunds Trainer war offensichtlich sehr zufrieden. Der Zoff um Hummels, der zuletzt zweimal im DFB-Team nur Ersatz war, ist wohl ausgestanden.

Und nach Informationen der Boulevardzeitung soll der vom Bundestrainer lange ignorierte BVB-Torhüter Weidenfeller definitiv eine Einladung zur Nationalmannschaft bekommen. Nur der Zeitpunkt sei noch offen.

Am Mittwochmittag war Löw zusammen mit Bundestorwarttrainer Köpke aus seinem Hotel in Düsseldorf zum BVB-Trainingsgelände in Dortmund-Brackel gefahren. Dort umarmten sich Löw und Klopp vor ihrem Gespräch.

Kein Kommentar von Kießling

Nicht ganz so herzlich ging es dann am Abend etwa 80 Kilometer weiter südwestlich in der BayArena zu.

Von der Tribüne aus sah Löw beim 2:1 gegen Real Sociedad auch Kießling, doch nach dem Spiel sagte er nichts zu oder über Leverkusens Torjäger.

Kießling selbst meinte, er werde sich dazu nicht äußern ? "noch nicht".

Völler glaubt an seinen Torjäger

Am Dienstag hatte Löw in Düsseldorf mit Bayer-Sportchef Rudi Völler zusammengesessen und ihm erläutert, ob und warum er Kießling nach den Ausfällen von Miroslav Klose und Mario Gomez nominieren werde. Oder eben warum nicht.

"Ich glaube, dass Stefan Kießling sich eine Position erarbeitet hat, auch ein Alter und Erfahrungen hat, dass es gar nicht mehr wichtig ist, dass er gegen die Aserbaidschans dieser Welt nominiert wird. Dafür hat er viele junge Spieler, die sich ihre Sporen verdienen können", sagte Völler im "ZDF"

Bessere Chancen für Kruse und Volland

Doch dass Kießling, der zuletzt bei der WM 2010 zum DFB-Aufgebot zählte, überhaupt irgendwann sein Comeback feiert, erscheint unwahrscheinlich.

Eher ist zu erwarten, dass Mönchengladbachs Max Kruse, der auch zuletzt bei den Qualifikationsspielen gegen Österreich und auf den Färöern im DFB-Kader stand, eine erneute Einladung erhält.

Als möglich gilt die erste Berufung des Hoffenheimers Kevin Volland, den Kapitän der deutschen U 21 hatte Löw nach starkem Saisonstart schon ins Gespräch gebracht.

Sollte Kießling für die Spiele gegen Irland und in Schweden am 11. und 15. Oktober erneut nicht berücksichtigt werden, dürfte sich das leidige Dauer-Thema endgültig erledigt haben.

Die Nominierung des Leverkuseners wäre eine noch größere Überraschung als eine Einladung für Weidenfeller.

Bierhoff-Treffen mit Weidenfeller und Zorc

Den BVB-Schlussmann konnte Löw, als er am Dienstag beim 3:0 gegen Marseille auf der Tribüne saß, zwar wegen seiner Rotsperre nicht beobachten, doch die konstant starken Leistungen der vergangenen Jahre haben ihn auf seine alten Tage doch noch ins Blickfeld der DFB-Verantwortlichen gebracht.

Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff soll sich sogar schon mehrfach mit dem 33-Jährigen getroffen haben.

"Manuel Neuer ist die unangefochtene Nummer eins, aber ob und falls ja welcher Torwart noch einmal eingeladen wird, werden die Trainer genau in den nächsten Wochen erörtern", wird Bierhoff in der "Sport Bild" zitiert.

Zurzeit ist Neuer gesetzt, die Nummer zwei ist Rene Adler (Hamburger SV). Ron-Robert Zieler (Hannover) und Marc-Andre ter Stegen (Borussia Mönchengladbach) hoffen ebenfalls auf die Teilnahme an der WM 2014, doch seine Erfolge und seine Erfahrung sprechen für Weidenfeller.

"Keine Vorbehalte gegen Dortmunder"

Seine Vereinszugehörigkeit soll für den Dortmunder Routinier dabei auf jeden Fall kein Nachteil sein.

Um eventuelle atmosphärischen Störungen mit den Borussen aus der Welt zu schaffen, hatten sich Bierhoff und BVB-Sportdirektor Michael Zorc in der vergangenen Woche zu einem Gespräch getroffen.

"Von unserer Seite gibt es keinerlei Vorbehalte gegenüber den Spielern aus Dortmund oder auch anderen Vereinen. Bei uns werden alle Spieler gleich behandelt", sagte Bierhoff zu SPORT1.

Ob das auch für den Leverkusener Kießling gilt, wird sich zeigen.

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