Manuel Neuer kassiert gegen Paraguay drei Gegentreffer. Kein ungewohntes Gefühl für den FCB-Keeper ? zumindest im Nationaltrikot.

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Aus Kaiserslautern berichtet Tom Vaagt

Kaiserslautern - Auf dem Weg in die Kabine suchte sich der Frust seine Bahn.

Weg mit diesen vermaledeiten Torwarthandschuhen. Weg von diesem veflixten Rasen. Einfach nur noch weg. Manuel Neuer kochte nach den ersten 45 Minuten gegen Paraguay vor Wut und baute mächtig Dampf ab.

Drei Gegentore in einer Hälfte. Das hatte Deutschlands Nummer eins schon lange nicht mehr erlebt.

Oder doch? Nun ja. Nur zehn Monate ist es her. Damals beim bizarren 4:4 gegen Schweden. Am Mittwoch folgte jetzt das 3:3 (Nachbericht) gegen die Südamerikaner. Beides keine Übermannschaften und doch stark genug, um die DFB-Defensive ins Wanken zu bringen.

Neuer, bei den Bayern anderes gewohnt, war in beiden Fällen Leidtragender. Fast immer machtlos. Und gefühlt doch irgendwie mitschuldig.

"Dürfen Defensive nicht vernachlässigen"

"Wir haben uns mit der Nationalmannschaft gut entwickelt und den anderen gezeigt, dass wir offensiv guten Fußball spielen können. Aber wir dürfen die Defensive nicht vernachlässigen", bilanzierte Neuer in den Katakomben von Kaiserslauterns Fritz-Walter-Stadion.

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Das klang besonnen, aber auch wie ein Appell. Ganz sicher an die Kollegen. Vielleicht aber auch ein wenig an Joachim Löw. Der Bundestrainer liebt das Spiel nach vorn.

"Ich persönlich liebe es über alles, offensiv zu spielen. Ich liebe das Risiko", hatte Löw schon vor dem Spiel gegen Paraguay erklärt. Während der 90 Minuten wurde dann allerdings deutlich: Liebe und Erfolg müssen nicht immer zusammenpassen ( 760901 DIASHOW: Die Bilder des Spiels ).

Letzter Zu-Null-Sieg vor 16 Monaten

"Vielleicht müssen wir erst einmal wieder lernen, zu Null zu spielen", meinte Neuer. Nimmt man die Spiele gegen die Außenseiter Kasachstan (3:0) und Färöer Inseln (3:0) aus, gelang dies zuletzt am 14. November 2012 beim 0:0 in den Niederlanden.

Der letzte Sieg ohne Gegentor datiert gar vom 9. Juni 2012. Zum EM-Auftakt gab es ein 1:0 gegen Portugal. Das Personal hat sich seitdem nicht wesentlich verändert. Es geht also. Nur seit geraumer Zeit irgendwie doch nicht.

"Wir wissen, dass wir gut verteidigen können. Im Training gelingt das ja auch", sagte Neuer.

Hoffen auf unmittelbare WM-Vorbereitung

Aus München kennt er solche Problematik nicht. Jupp Heynckes formte aus dem zu Anfang seiner Amtszeit auch eher fragilen Abwehrgebilde ein Bollwerk. Es wurde an vielen kleinen Schrauben gedreht und vieles verfeinert.

Löw hat diese Zeit nicht. Jedenfalls nicht momentan. Die Lehrgänge sind kurz. Das könnte entmutigen, vielleicht aber auch gerade Hoffnung machen.

Die unmittelbare WM-Vorbereitung bietet andere Möglichkeiten.

Schon am 6. September gegen Österreich

Darauf setzt auch Neuer.

"Wir haben noch Zeit, um uns zu verbessern und daran zu arbeiten, dass es in Brasilien dann besser passt", meinte der 27-Jährige.

Allzu geruhsam sollte man den dringend erforderlichen Entwicklungsprozess allerdings nicht angehen. Schon am 6. September steht in München das nächste WM-Qualifikationsspiel an. Der Gegner: Österreich.

Sicherlich keine Übermannschaft. Das muss aber nichts bedeuten.

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