Über die Liebe zum schönen Spiel droht das DFB-Team die Erfolgsgrundlagen zu verlieren. Nicht nur der Zuckerpass ist Kunst.

Verteidigen ? das war mal eine deutsche Paradedisziplin. Mit eckigen Typen und kantigen Grätschern. Jürgen Kohler war so einer. Oder die Förster-Brüder. Oder noch früher Katsche Schwarzenbeck.

Männer, die den Gegner gelegentlich auch umtraten und an denen sich die Mitspieler stets aufrichten konnten.

Das Spiel war damals weniger komplex, der Innenverteidiger hieß noch Vorstopper und wer von der Viererkette sprach, meinte eher eine Lampenanordnung für den Weihnachtsbaum als eine Abwehrformation.

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Doch sei es drum. Unter dem Strich galt es früher wie heute, den heranstürmenden Kontrahenten an einem nicht unwesentlichen Element des Fußballs zu hindern: Dem Tore schießen.

Deutschlands aktuelle Abwehr-Generation hat damit so ihre Probleme. Nicht immer. Aber unglücklicherweise immer mal wieder.

Nach einem 3:3 im Test gegen Paraguay bleibt da noch ein nonchalantes Schulterzucken. Doch bei der WM im kommenden Jahr kann jedes Spiel schon die letzte Chance bedeuten. Ein Wackler zu viel, ein konsequentes Eingreifen zu wenig. Aus der Traum.

Man sagt, die Offensive gewinnt Spiele. Man sagt aber auch, die Defensive gewinnt Titel. Der letzte große Triumph einer DFB-Auswahl liegt 17 Jahre zurück. Das ist nicht allein an Abwehrschwächen festzumachen. Aber auch daran.

Bundestrainer Joachim Löw gibt gern den Verfechter des gepflegten Offensivspiels. Das ist prima, solange es gut geht. Aber auch eine Gratwanderung.

Wer ein Haus baut, sollte zunächst ein Fundament gießen. Will man permanent hoch hinaus und beginnt mit dem Dach, sind die Erfolgsaussichten für ein stabiles Heim eher überschaubar.

Löw ist mit seiner Einstellung nicht allein. Es scheint ein Trend zu sein, über die "falsche Neun" zu philosophieren und das Spektakel zu zelebrieren. Man berauscht sich an dem Schönen, das Notwendige wird zu oft als selbstverständlich vorausgesetzt.

Auch die Grätsche ist eine Kunstform. Das Stellungsspiel sowieso. Und erst die Abseitsfalle. Alles feine Sachen. Und viel mehr als plumpe Pflichtaufgaben.

Vielleicht sollte man sich das hier und da mal wieder vor Augen führen. Dann klappt es auch mit dem WM-Titel. Andernfalls garantiert nicht.

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