Per Mertesacker (r.) startet mit dem FC Arsenal am Wochenende in die Saison © getty

Die Nationalmannschaft muss sich gegen Paraguay mit einem Remis begnügen. Joachim Löw sieht gute Ansätze ? aber auch Schwächen.

Aus Kaiserslautern berichtet Tom Vaagt

Kaiserslautern - Die deutsche Nationalmannschaft ist zum Start der WM-Saison nur knapp an einer Blamage vorbeigeschrammt.

302 Tage vor dem Eröffnungspiel am 12. Juni 2014 im brasilianischen Sao Paulo kam das in der Defensive erschreckend unsortierte Team von Bundestrainer Joachim Löw nicht über ein 3:3 (2:3) gegen Paraguay hinaus und muss sich in den anstehenden Qualifikationsspielen gehörig steigern.

Am 6. September in München treffen die Deutschen dabei auf Österreich, vier Tage später reisen Kapitän Philipp Lahm Co. zum Fußball-Zwerg auf die Färöer Inseln. ( 760901 DIASHOW: Die Bilder des Spiels )

Gündogan, Müller und Bender treffen

Gegen Paraguay hätte die Partie kaum schlechter beginnen können. Jose Ariel Nunez (9.) und Wilson Pittoni (13.) brachten die Gäste früh in Führung.

Ilkay Gündogan (18.) und Thomas Müller (31.) sorgten zwar für den Ausgleich, doch Miguel Samudio erzielte noch vor der Pause den dritten Treffer für die Südamerikaner (45.+1). Lars Bender rettet eine Viertelstunde vor dem Ende zumindest das Unentschieden.

47.522 Zuschauer im ausverkauften Fritz-Walter-Stadion von Kaiserslautern sahen im ersten Abschnitt einen kuriosen Spielverlauf.

Die Gastgeber dominierten die Partie zwar über weite Strecken, gerieten durch zum Teil haarsträubende Nachlässigkeiten in der Abwehr aber immer wieder aus dem Konzept.

Nachdem sich die DFB-Elf mit Chancen von Marco Reus (4.) und Miroslav Klose (9.) dem 1:0 anzunähern schien, bestraften die vom Ex-Bayern Roque Santa Cruz angeführten Südamerikaner die deutschen Defensivschwächen eiskalt.

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Klose verpasst Müller-Rekord

Vor dem ersten Gegentreffer klaffte auf der linken Defensivseite ein Loch, das Nunez ausnutzte. Vier Minuten später stolperte Sami Khedira den Ball direkt vor die Füße von Pittoni, der sich die Chance ebenfalls nicht entgehen ließ.

Löw verfolgte das Geschehen kopfschüttelnd. In seinem 95. Länderspiel als Bundestrainer setzte der Coach in der Startformation auf vier Dortmunder und drei Münchner Profis. Komplettiert wurde die Elf von den Real-Stars Khedira und Mesut Özil sowie von Per Mertesacker und Klose.

Letzterer hätte an seiner alten Wirkungsstätte in der Pfalz in der ewigen DFB-Torschützenliste mit Gerd Müller (68 Treffer) gleichziehen können.

Der Wahl-Römer ließ in der elften Minute jedoch eine weitere Möglichkeit aus und musste im zweiten Durchgang Platz für Mario Gomez machen (55.).

Offensiv mit guten Ansätzen

Aber Klose war nicht der einzige Deutsche mit Problemen beim Abschluss. Özil (16.) und Reus (22. und 27.) zielten aus guten Positionen ebenfalls zu ungenau.

So blieb es vor der Pause beim erfolgreichen Fernschuss von Gündogan, der nach 27 Minuten mit Rückenproblemen vom Feld musste, und bei Müllers Treffer aus kurzer Distanz.

Insgesamt präsentierte sich Löws Mannschaft in der Offensive phasenweise durchaus gefällig und ließ den Ball gut durch die eigenen Reihen laufen. Diese positiven - aber noch lange nicht weltmeisterlichen - Aspekte wurden durch die Anfälligkeit der Abwehr aber überschattet.

Podolski kommt erst nach einer Stunde

Nach der Pause versuchte Löw, die Innenverteidigung zu stabilisieren und brachte Jerome Boateng für Mertesacker. Der vor der Partie noch für "unverzichtbar" erklärte Lukas Podolski schmorte hingegen bis zur 62. Minute auf der Bank.

Am Verlauf der Begegnung änderte sich vorerst wenig. Das DFB-Team bestimmte den Takt und ließ manche Chance ungenutzt, Paraguay lauerte auf weitere Rhythmusstörungen in der deutschen Hintermannschaft ? wurde aber enttäuscht.

Stattdessen hatten Özil (47.), Gomez (58.) und Müller (73.) den Ausgleich auf Kopf und Fuß. Entweder stellte sich den Deutschen aber das Außennetz, der in seinem 100. Länderspiel gut aufgelegte Paraguay-Keeper Justo Villar oder mangelnde Zielgenauigkeit in den Weg.

Die Moral stimmt

Fehlende Moral konnte man Löws Truppe allerdings nicht vorwerfen.

Unermüdlich rannte die Mannschaft auch ohne die verletzten oder geschonten Bastian Schweinsteiger, Mario Götze, Toni Kroos und Julian Draxler an. Der Lohn: Das fast schon erzwungene 3:3 durch Bender.

In der Defensive nun nahezu nicht mehr gefordert, verstärkten die Deutschen den Druck weiter. Zu mehr als dem Ausgleichstreffer reichte es trotz einer großen Kopfballchance von Andre Schürrle in der Nachspielzeit aber nicht mehr.

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