Miroslav Klose erzielte bislang 67 Tore für die deutsche Nationalmannschaft © imago

Für den DFB-Stürmer wird die Rückkehr an die alte Wirkungsstätte "hochemotional". Er hat gleich zwei Bestmarken im Visier.

Vom DFB-Team berichtet Tom Vaagt

Kaiserslautern - Der Buchstabe "n" schien Miroslav Klose irgendwie abhanden gekommen zu sein.

Er wolle immer "spiele" und Leistung "zeige", versicherte der damals 22-Jährige bei seinem allerersten TV-Auftritt. Das Pfälzisch war im September 2000 noch ausgeprägt. Sein Torinstinkt ist es bis heute.

Als Kulisse für Kloses Debüt im Fernsehstudio diente seine Heimat: Während er sprach, leuchtete im Hintergrund der Rasen des Betzenbergs.

Er wirkte zurückhaltend. Aber auch selbstbewusst und entschlossen. Daran hat sich nichts geändert, wenn er heute knapp 13 Jahre später an die alte Wirkungsstätte zurückkehrt. Mit der Nationalmannschaft geht es gegen Paraguay (ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER und auf SPORT1.fm).

"Komme sehr gerne zurück"

Über Werder Bremen und Bayern München ging es für den Angreifer inzwischen zu Lazio Rom. Er ist mittlerweile 35 Jahre alt. Und immer noch ein Star. Es dürfte eine heldenhafte Rückkehr nach Kaiserslautern werden, ein hochemotionaler Moment.

"Absolut. Meine Eltern und die meisten Freunde kommen da her", sagte der Routinier bei "DFB-TV": "Ich habe fünf Jahre dort gespielt, kenne die Gegend, das Stadion und die Fans. Ich komme sehr gerne zurück und will ein gutes Spiel machen."

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Auch im für Fußballer eher fortgeschrittenen Alter ist der Stürmer weiter vom Ehrgeiz getrieben. Im kommenden Sommer will er in Brasilien seine vierte WM spielen. Zuvor gilt es für den Routinier einmal mehr zu beweisen: Auch alte Hasen schlagen Haken.

Klose will zur vierten WM

"Die vierte WM zu spielen, ist ein großes Ziel. Aber dafür muss man erst einmal eine gute Saison spielen", meinte Klose. Es ist eine für ihn typische Aussage. Vorsichtig, abwartend, keinesfalls fordernd.

Doch: Sollte er sich nicht verletzen oder sein Torriecher in den kommenden Monaten vollends verstopfen, ist er in Südamerika sicher dabei. Das Spiel gegen Paraguay wird für ihn vor dem Saisonstart in Italien vor allem ein willkommener Härtetest.

Für manch anderen im DFB-Kader hingegen ist es der erste Teil im WM-Casting von Joachim Löw. Jedes gute Länderspiel im Vorfeld des Turniers erhöht schließlich die Chancen auf einen Platz im Flieger nach Brasilien.

Müllers Rekord im Visier

Klose muss sich indes nicht mehr beweisen. Und will es trotzdem. Zumal ihm eine ganz besondere Bestmarke winkt. Sollte er gegen Paraguay treffen, würde er mit Gerd Müller in der ewigen Torschützenliste des DFB gleichziehen.

Beide hätten dann 68 Treffer auf dem Konto. Müller benötigte für diese Anzahl allerdings lediglich 62 Einsätze. Klose trägt am Mittwochabend zum 128. Mal das Trikot mit dem Adler auf der Brust.

Am 24. März 2001 bestritt er sein erstes Länderspiel. Als Joker erzielte er sofort den Siegtreffer zum 2:1. Gegen Albanien. Den anderen Treffer markierte ein gewisser Sebastian Deisler. Es war eine andere Zeit. Ohne deutsche Hochbegabte im Überangebot.

Gomez im Nacken

Klose genießt die Entwicklung der vergangenen Jahre. Und kann ein wenig stolz darauf sein, dass er seinen Platz im Aufgebot bis heute behauptet hat. In der Ära der "falschen Neun" und gegen Konkurrenten wie Bundesliga-Torschützenkönig Stefan Kießling.

Mindestens 45 Minuten lang darf Klose heute Abend auf Tor- und Rekordjagd gehen. So hat es Löw angekündigt. Den Rest der Spielzeit wird Mario Gomez übernehmen.

Der 28-Jährige war einst als sicherer Nachfolger Kloses gehandelt worden. So richtig kam er an seinem Sturmrivalen bislang aber nie vorbei.

Ab sofort kommt es an jedem Wochenende zum Quervergleich der beiden Torjäger. Auch Gomez spielt nun in Italien, beim AC Florenz.

"Wechsel kein Rückschritt"

Manch ein Beobachter rümpfte bereits die Nase: Muss man sich vor der WM sorgen, dass Deutschlands Top-Stürmer nun in der Serie A und damit in einer kriselnden Liga auf Torejagd gehen?

"Nein", sagt Rudi Völler im Gespräch mit SPORT1. Der Sportdirektor von Bayer Leverkusen spielte selbst fünf Jahre beim AS Rom. An der Seite des ebenfalls in Italien stürmenden Jürgen Klinsmann (Inter Mailand) wurde er 1990 Weltmeister.

"Die Wechsel von Miroslav Klose und Mario Gomez nach Italien sind auf keinen Fall ein Rückschritt. Lazio und Florenz sind zwei Top-Klubs, die international spielen", meint Völler: "Wenn zwei so starke Spieler gehen, weil sie beim FC Bayern zu wenig spielen, sagt das viel über die Qualität der Bundesliga und des FC Bayern aus."

Klose kann WM-Bestmarke knacken

Gomez und Klose dürfte diese Einschätzung nur allzu recht sein.

Zumal es für den älteren der beiden Angreifer in Brasilien um einen weiteren Rekord geht. Mit 14 Toren liegt Klose derzeit auf Rang zwei der ewigen WM-Torschützenliste. Ein weiterer Treffer, und er würde mit dem Brasilianer Ronaldo gleichziehen.

Der Startschuss für die Jagd nach den Bestmarken fällt in Kaiserslautern. Klose kam hier schon einmal bestens aus den Blöcken.

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