Bundestrainer Löw ist seit 2006 im Amt, zuvor war er ab 2004 Co-Trainer an der Seite von Jürgen Klinsmann © getty

Bundestrainer Löw hat Brasilien schon im Blick. Für das erste Spiel im WM-Jahr verzichtet er aber auf drei Münchner Stars.

Frankfurt/Main - Mit allen Legionären, aber ohne drei verhinderte Bayern-Stars und sämtliche Neulinge der US-Reise startet Bundestrainer Joachim Löw in die WM-Saison.

Bei der Vorstellung seines Aufgebots für das Länderspiel gegen Paraguay am Mittwoch in Kaiserslautern ordnete Löw die WM-Qualifikation als praktisch geschafft ein, über seine persönliche Zukunft und die des vor der Beförderung zum Sportdirektor stehenden Hansi Flick wollte er aber nicht konkret sprechen.

Mit dem Spiel gegen die Südamerikaner "beginnt das Vorglühen auf die WM. Wir sind im Landeanflug auf Rio und können den Zuckerhut schon sehen", sagte der Bundestrainer und äußerte sich schon optimistisch mit Blick auf die Endrunde in Brasilien: "Unsere Chancen schätze ich als sehr, sehr gut ein. Wir haben eine gute Mannschaft, die eingespielt ist, die jung ist, belastbar und schon erfahren."

Deshalb sehe er "dem Turnier wahnsinnig positiv und mit wahnsinniger Vorfreude entgegen. Aber man sollte nie vergessen, dass die Spitze ganz nahe zusammen ist."

Keine Experimente

Deswegen wagt Löw gegen Paraguay auch keine Experimente.

Er berief in Mesut Özil, Sami Khedira (beide Real Madrid), Lukas Podolski, Per Mertesacker (beide FC Arsenal), Andre Schürrle (FC Chelsea), Miroslav Klose (Lazio Rom) und Mario Gomez (AC Florenz) alle sieben zu seinem Stamm gehörenden "Ausländer", obwohl sie mit ihren Klubs noch in der Saison-Vorbereitung stehen ( 758037 DIASHOW: Der Kader fürs Länderspiel )

Zudem bilden die bei der US-Reise (Löw: "Sie war keine Schnaps-Idee") wegen des Champions-League-Finales fehlenden Spieler von Bayern München (4) und Borussia Dortmund (5) wieder das Gerüst des Kaders ( 758037 DIASHOW: Der DFB-Kader ).

Kroos wird Papa

Dass dieser sich vom WM-Kader durchaus noch unterscheiden wird, ergibt sich alleine schon durch das Fehlen der drei Bayern-Stars Bastian Schweinsteiger, Mario Götze und Toni Kroos.

"Mario wird nach seiner Verletzung noch eine Weile brauchen. Bastian ist erst vor zwei Wochen ins Training eingestiegen. Und Toni erwartet nächste Woche Dienstag oder Mittwoch die Geburt seines Kindes", erklärte Löw: "Ich hoffe, dass alle drei Spieler im September zur Verfügung stehen." Dann geht die Quali auf die Zielgeraden.

Kruse mit Chancen

Dies wird die Chancen der vier US-Debütanten nicht steigern. Schon diesmal fehlen Phillip Wollscheid, Sidney Sam (beide Bayer Leverkusen), Max Kruse (Borussia Mönchengladbach) und Nicolai Müller (FSV Mainz 05) wieder im Aufgebot.

Doch Löw hat sie noch im Blick. "Selbstverständlich ist die Tür noch offen. Einige Spieler haben mich auf der Amerika-Reise absolut überzeugt, sie sind recht nahe an den Kader herangerückt", erklärte der 53-Jährige und lobte vor allem Kruse: "Er steht bei mir hoch im Kurs. Seine Chancen sind absolut größer geworden durch die USA-Reise. Ich habe mich für Miroslav Klose und Mario Gomez entschieden. Es sind unsere beiden ersten Stürmer, aber er steht direkt dahinter."

"Das wäre für mich kein Störfeuer"

Über Personalien abseits des Rasens und damit auch seine eigene Zukunft macht sich Löw noch keine großen Gedanken.

Wie geplant will er nach erfolgreicher Qualifikation das Gespräch mit dem DFB suchen, sieht einen neuen Vertrag bis zur WM-Endrunde 2014 aber nicht als zwingend an.

"Ein Störfeuer wäre das für mich keines. 2010 bin ich auch ohne Vertrag ins Turnier und habe es damals auch nicht so empfunden. Ich kann mit der Situation umgehen", sagte Löw.

"Auch bei der Mannschaft hatte ich nie das Gefühl, dass die Konzentration und der Fokus fehlen. Jeder hat die Situation gekannt, aber sie hat niemanden gestört. Und so würde es auch diesmal sein, weil jeder Spieler bei so einem Turnier das Maximum erreichen will."

Wirbel um Flick und Bierhoff

Spannend könnte die Situation dadurch werden, dass Löws Assistent Hansi Flick vor der Beförderung zum Sportdirektor steht und Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff laut über seinen Abschied vom DFB nachdachte.

"Grundsätzlich weiß ich, dass Hansi und Oliver die Arbeit viel Spaß macht", sagte der Bundestrainer: "Lasst uns erst einmal die Qualifikation schaffen, dann werden wir uns in unserer Runde zusammensetzen und dann mit dem DFB. Da bedarf es sicher einiger Gespräche."

Flick, das betonte Löw nochmal, sei "ein geeigneter Sportdirektor", aber auch "ein wahnsinnig wichtiger Mitarbeiter für mich".

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