Wolfgang Niersbach (l., mit Reinhard Rauball) ist sein 2012 Präsident des DFB © getty

Der DFB-Boss lobt den Münchner und zeigt klare Kante gegen Rechts. Nur der Frage über eine Zukunft als UEFA-Chef weicht er aus.

München - Wolfgang Niersbach hat zu vielen Reizthemen Klartext gesprochen.

Nur der Frage, ob er 2015 UEFA-Präsident werden will, wich der DFB-Präsident ungeachtet einer warmen Wahlkampfrede des Liga-Chefs Reinhard Rauball erneut aus.

"Meine Sache ist der deutsche Fußball, ich bin mit Herz und Seele DFB-Präsident. Aus dieser Funktion heraus macht mir die Arbeit auf internationaler Ebene Spaß", sagte Niersbach der "Bild am Sonntag".

Er verwies auf viele offene Fragen:

"Zieht Blatter zurück? Oder tritt Platini auch zur Wahl zum FIFA-Präsidenten an, wenn er einen Zweikampf mit Blatter führen muss? Riskiert er das? Letztlich wissen wir erst im Mai 2015, wie es bei FIFA und UEFA weitergeht."

Rauball will Niersbach als UEFA-Boss

Rauball brachte Niersbach im Doppel-Interview erneut als kommenden Kopf der UEFA in Stellung.

"Wolfgang kann es!", sagte Rauball und kündigte seine Unterstützung für den Fall an, dass UEFA-Präsident Michel Platini 2015 an die Spitze des Weltverbandes FIFA rückt:

"Sollte Platini FIFA-Präsident werden, werde ich Wolfgang dringend zur Kandidatur für das Amt des UEFA-Präsidenten raten."

Niersbach habe "definitiv" die Qualitäten für einen UEFA-Präsidenten, sagte Rauball.

"Deshalb habe auch ich ihn, wie andere dies auch gemacht haben, für das Amt und die Nachfolge von Michel Platini ins Gespräch gebracht. Es gibt nicht viele Personen im europäischen Fußball, die das könnten."

Rückendeckung für Hoeneß

Ähnlich denkt Niersbach selbst offensichtlich über Bayern-Präsident Uli Hoeneß.

Überdeutlich stärkte der 62-Jährige seinem alten Freund, der wegen Steuerhinterziehung angeklagt ist, den Rücken.

"Ich sage offen: Ich würde ihm als Freund wünschen, dass er seine großartige Arbeit für den FC Bayern fortsetzen kann", sagte er.

Rauball, zugleich Präsident des Bayern-Rivalen Borussia Dortmund, äußerte sich erwartungsgemäß zurückhaltender, er sieht jedoch keinen Grund für populistische Rücktrittsforderungen.

"Das müssen Sie den Aufsichtsrat von Bayern München fragen. In den Ligastatuten gibt es jedenfalls keine Bestimmungen, unter welchen Gesichtspunkten jemand ein solch exponiertes Amt führen darf", sagte er.

Zoff mit Viagogo

Niersbach offenbarte zudem, dass der DFB juristische Schritte gegen den umstrittenen Tickethändler Viagogo erwägt.

Das Unternehmen habe "schon Karten für das Länderspiel in Stuttgart gegen Chile im Jahr 2014 angeboten. Für diese Karten haben wir noch nicht mal Preise festgelegt. Diese Vorgehensweise halte ich für unseriös", sagte er:

"Unsere Juristen befassen sich mit dem Thema. Es kann nicht sein, dass jemand Karten für unsere Veranstaltungen anbietet, obwohl er keinen entsprechenden Vertrag mit dem DFB hat."

Gemeinsam im Kampf gegen Rechts

Generell eint Niersbach und Rauball ein tiefer Abscheu gegenüber Rechtsextremismus.

Rauball kritisierte sogar die Bundesregierung im Zusammenhang mit dem gescheiterten Verbotsantrag gegen die NPD.

"Für mich ist es nach wie vor ein Armutszeugnis, dass in das Thema keine Bewegung kommt. Die Bundesregierung hat nach einem Jahrzehnt des Nachdenkens die Bedenken immer noch nicht ausgeräumt, die das Bundesverfassungsgericht moniert hat. Oder sie will es einfach nicht", sagte er.

Und er fügte an: "Es ist ein gebotener Schritt gegenüber der Gesellschaft, dass man mögliche Risiken eines Prozesses einkalkuliert, um ein klares Zeichen gegen Rechts zu setzen."

Niersbach sieht einen Bundesligisten in einer Vorreiterrolle.

"Werder Bremen hat es der Politik vorgemacht und nach monatelangem Kampf ein Urteil erwirkt, durch das ein NPD-Mitglied aus dem Verein ausgeschlossen werden konnte. Und zwar, weil seine rechte Gesinnung im Gegensatz zu Werders Vereinssatzung stand. Das war ein wichtiges Signal", sagte der DFB-Präsident.

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