Hansi Flick (l.) ist seit 2006 Assistent des Bundestrainer der Nationalmannschaft © getty

Der Co-Trainer der Nationalelf will offenbar Dutt-Nachfolger werden, aber erst nach der WM. Doch so lange kann der DFB nicht warten.

München - Seit fast genau sieben Jahren ist Hansi Flick der "Schattenmann" von Joachim Löw - bald könnte er näher ans Zentrum der Macht beim Deutschen Fußball-Bund rücken und seinem Chef auf Augenhöhe begegnen.

Nach Informationen der "Bild-Zeitung" und des Fachmagazins "kicker" ist Löws derzeitiger Assistent aussichtsreicher Kandidat auf den vakanten Posten des Sportdirektors.

Der 48-Jährige soll intern bereits sein Interesse bekundet haben, die Nachfolge von Robin Dutt anzutreten, allerdings will er dies wohl erst nach der WM im Sommer 2014.

Ob der DFB so lange warten kann, scheint fraglich.

Präsident Wolfgang Niersbach favorisiert offen eine schnellere Besetzung der Schlüsselposition, für Flick hieße das:

Entweder er verzichtet auf die Stelle, oder er müsste kurz vor der WM Löw im Stich lassen.

Das wiederum wäre sicher nicht im Interesse des DFB, der Flick höchstens für einige Monate eine Doppelfunktion geben könnte.

Entscheidung im Oktober

"Wir wollen voraussichtlich bis zum Bundestag im Oktober den neuen Sportdirektor präsentieren. Bis dahin werden wir eine Lösung finden. Wir haben da keinen Zeitdruck, aber es war sicher notwendig, dass wir ein internes Konzept-Papier erarbeitet haben", sagte Niersbach der "Bild am Sonntag".

Namen wollte er nicht kommentieren, auch Flick äußerte sich zunächst nicht.

Es hat jedoch angeblich schon ausführliche Gespräche zwischen Flick, Löw, Niersbach und dem DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock gegeben.

Liga-Chef Reinhard Rauball ist ebenfalls in die Suche eingebunden.

Er habe sich mit Wolfgang Niersbach "in einem Vier-Augen-Gespräch ausgetauscht", es gebe "eine klare Linie", sagte der Präsident von Borussia Dortmund.

Fehlbesetzung Dutt

Sportdirektor beim DFB zu sein, erschien zuletzt wenig erstrebenswert.

Matthias Sammer, eine starke Figur, wechselte zu Bayern München.

Robin Dutt erlag nur zehn Monate nach seiner Berufung wieder dem Ruf der Bundesliga und wurde Trainer von Werder Bremen - unglücklich waren darüber beim Verband jedoch wenige.

Seitdem ist der Posten vakant.

Neues Anforderungsprofil

Das DFB-Präsidium weiß, dass der nächste Schuss sitzen muss, ansonsten droht eine Dauer-Baustelle.

Deshalb hat es vor gut sechs Wochen ein neues Anforderungsprofil für den Sportdirektor erstellt.

Ein wichtiger Punkt ist, dass Trainingsinhalte und Spielphilosophie der U-Teams sich noch mehr an der A-Nationalelf orientieren sollen.

Seit 2006 Assistent

Nähe zur Nationalmannschaft, Nähe zu Löw - Flick hat sie.

Der frühere Bayern-Profi ist seit Sommer 2006, als Löw zum Nachfolger von Jürgen Klinsmann aufstieg, Assistent bei der DFB-Auswahl.

Würde er Sportdirektor, bliebe Löw in dieser Konstellation der starke Mann und hätte keinen Gegenwind zu befürchten.

Dies könnte beispielsweise mit Oliver Kahn anders laufen.

Bindeglied beim DFB

Hansi Flick hat sich in den vergangenen Jahren längst als Bindeglied zwischen der A-Nationalmannschaft und dem Junioren-Bereich etabliert, was sich unter anderem darin zeigte, dass er bei allen Tagungen der U-Trainer als Vertreter des Nationalteams dabei ist.

Er verfolgte auch das EM-Debakel der U21 in Israel und erstellte anschließend die Analyse - klassische Aufgaben eines Sportdirektors.

Eine Doppelrolle von Oktober 2013 bis Sommer 2014 wäre ein Denkmodell.

Für Flick wäre der Wechsel die Gelegenheit, sich beruflich weiterzuentwickeln.

Im Gespräch mit dem "kicker" hatte er zuletzt mehrfach betont, er könne sich bei aller Freude am Teamwork mit Löw vorstellen, selbst in eine verantwortliche Position zu rücken.

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