Ilkay Gündogan (l.) bereitete den Ausgleich durch Müller mustergültig vor © imago

Der Dortmunder ist neben Özil, Müller und Adler einer der Gewinner des Frankreich-Spiels. Einige Etablierte müssen zulegen.

Vom DFB-Team berichtet Thorsten Mesch

Paris - Ilkay Gündogan mag es nicht so gern, wenn zu viel Aufhebens um seine Person gemacht wird.

Der Deutsch-Türke ist ein bescheidener Mensch, der lieber durch Taten und ehrliche Arbeit auf dem Fußballplatz überzeugt als durch große Worte.

Am Mittwochabend im Stade de France hat Gündogan wieder einmal Taten sprechen lassen.

Beim 2:1-Erfolg gegen Frankreich (Bericht) vertrat er den verletzten Bastian Schweinsteiger an der Seite von Sami Khedira und war dabei mehr als nur ein einfacher Ersatz.

Der Dortmunder gehörte neben Mesut Özil sowie den Torschützen Thomas Müller und Khedira zu den besten Spielern des DFB-Teams. "Özil, Khedira und Gündogan waren unheimlich stark", sagte Joachim Löw.

Löw lobt deutsche Defensive

"Unsere zentrale Achse mit den Innenverteidigern Hummels und Mertesacker, mit Khedira und Gündogan im Mittelfeld hat schon ein deutliches Übergewicht geschaffen", analysierte der Bundestrainer.

An Gündogan, der schon beim 0:0 in den Niederlanden Mitte November eine gute Figur gemacht hatte, verteilte Löw sogar noch ein Sonderlob ( 672344 DIASHOW: Die Bilder des Spiels ).

"Ilkay war wie gegen Holland wahnsinnig präsent, extrem ballsicher, aggressiv gegen den Ball", meinte Löw. "Zusammen mit Özil hatten wir ein klares fußballerisches Übergewicht."

Gündogan erklärte in seiner besonnenen Art später in der Mixed Zone: "Ich glaube, dass ich in Dortmund durch die vergangene Saison mit Meisterschaft und Pokalsieg auch als Persönlichkeit gereift bin."

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Gündogan bescheiden

Als ein Journalist von einem perfekten Spiel sprach, wehrte Gündogan ab: "Nicht perfekt, aber sehr ordentlich", fand er seine Leistung.

Lob bekam der Ex-Nürnberger auch von seinen Kollegen. "Wenn man sieht, was zum Beispiel Ilkay heute gespielt hat, das war schon klasse und aller Ehren wert", meinte Rene Adler zu SPORT1.

Der Torhüter, der nach langer verletzungsbedingter Abwesenheit sein erstes Länderspiel seit November 2010 absolvieren durfte, gehörte ebenfalls zu den Gewinnern des Frankreich-Ausflugs.

Ambitionen, Manuel Neuer als Nummer zu verdrängen, hat der Hamburger allerdings keine ( 672346 DIASHOW: DFB-Team in der Einzelkritik ).

Adler froh, dabei zu sein

"Ich denke, das wäre respektlos, jetzt irgendetwas zu sagen. Ich bin froh, dass ich überhaupt zum Kreis der Nationalmannschaft gehöre. Es ist eine tolle Truppe und es macht viel Spaß dabei zu sein", meinte Adler betont sachlich.

"Ich weiß, wo meine Rolle ist und wenn ich spielen darf, versuche ich einen guten Job zu machen und den Jungs zu helfen." Im Übrigen hätten "alle zusammen gewonnen, auch die, die heute nicht gespielt haben."

Seit seinem letzten Länderspiel Ende 2010 habe sich sei "die Qualität der Mannschaft noch einmal gestiegen", glaubt Adler.

Die Leistungsträger hätten sich "noch einmal weiterentwickelt". Als Trainer habe man da natürlich die Qual der Wahl, so der ehemalige Leverkusener, der sich als Nummer 2 hinter Neuer nachhaltig empfohlen hat.

[kaltura id="0_nkdtf8gk" class="full_size" title="Müller: Das war ein Ausrufezeichen"]

Lahm: Kader umfasst 30 Mann

"Es gibt einen Kader, der vielleicht 30 Mann umfasst, die seit Jahren ihre Leistung abrufen. Das hat sich gegen Frankreich wieder gezeigt", fand Kapitän Philipp Lahm: "Einige haben gefehlt, und die anderen haben das kompensiert."

Doch auch wenn Gündogan einen starken Auftritt hinlegte, wird er diese Leistung dauerhaft bestätigen müssen, um seinen Platz im DFB-Team zu finden.

Schließlich spielt Schweinsteiger beim FC Bayern nicht gerade eine schlechte Saison. Doch klar ist auch: Die Zukunft gehört den jüngeren Spielern wie Gündogan.

Richtig kämpfen um ihre Einsatze müssen hingegen die etablierten Spieler Lukas Podolski oder Mario Gomez. Sie als Verlierer des Frankreich-Spiels zu bezeichnen, wäre sicher zu hart ausgedrückt, doch wirklich empfehlen konnten sich beide nicht.

Löw mit Poldi zufrieden

"Es war wahnsinnig wichtig, dass beide Außenspieler weite Wege gehen, weil Frankreich über außen ständig in der Offensive ist. Lukas hat das gemacht, daher war ich zufrieden", meinte Löw über Podolski, der ebenso ausgewechselt wurde wie Gomez.

Dem Stürmer, beim FC Bayern momentan nur Ersatz, war die fehlende Spielpraxis anzumerken. Aber auch seine Laufwege waren nicht immer kompatibel mit den Ideen der Mittelfeldspieler.

An Miroslav Klose geht die Zeit nicht spurlos vorüber, seine Verletzungspausen häufen sich, doch Löw nominierte keinen Stürmer nach.

Stefan Kießling ist zwar der momentan treffsicherste deutsche Stürmer in der Bundesliga, doch ob seine Leistung auch allerhöchsten internationalen Ansprüchen genügt, scheint Löw zu bezweifeln.

Variante ohne echten Stürmer?

Zudem scheint er immer mehr Gefallen an der Variante ohne echten Mittelstürmer gefunden zu haben. Marco Reus kann diese Rolle perfekt ausfüllen.

In der Abwehr scheinen die Rollen klar verteilt. Mats Hummels und Per Mertesacker sind in der Innenverteidigung gesetzt. Holger Badstuber sollte wieder zum Stamm gehören, vorausgesetzt er kommt nach seinem Kreuzbandriss wieder richtig in Tritt. Zu wünschen wäre es dem Münchner allemal.

Auf der linken Abwehrseite hat Marcel Schmelzer klar die Nase vorn. Benedikt Höwedes musste in Frankreich auf dieser für ihn ungewohnten Position aushelfen. Zumindest in der Defensive machte der Schalker seine Sache ordentlich. Als Allrounder in der Abwehr hat Höwedes gute Chancen, auch bei der WM dabei zu sein. Die Qualifikation natürlich vorausgesetzt.

Das sollte eigentlich auch für Jerome Boateng gelten. Dass der Bayern-Profi gegen die Franzosen nicht spielte, war eine Überraschung.

Löw hat eine große Auswahl an Spielern, Erbhöfe gibt es längst nicht mehr. Am Ende steht der Erfolg der Mannschaft über allem. Ilkay Gündogan ist ein gutes Beispiel dafür.

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