Sami Khedira erzielte gegen Frankreich den deutschen 2:1-Siegtreffer © imago

Beim Prestige-Erfolg in Frankreich glänzt das DFB-Team vorn - selbst wenn Gomez blass bleibt. Nur Müller bremst.

Vom DFB-Team berichtet Thorsten Mesch

Paris - Es war fast wie bei einer WM oder EM:

Das Stadion war mit 75.000 Zuschauern gefüllt, zwei Mannschaften lieferten sich ein hochklassiges Duell, und auf der Tribüne freute sich Bundeskanzlerin Angela Merkel über deutsche Tore.

2:1 gegen Frankreich (Bericht), der erste Sieg seit mehr als 25 Jahren gegen den Nachbarn, der immerhin zuletzt in Italien gewonnen hatte und in Spanien ein 1:1 erreicht hatte.

Thomas Müller erstickte jedoch jede Euphorie im Keim. "Es war nur ein Testspiel, man darf es nicht zu hoch hängen. Wir sind nicht Weltmeister geworden", sagte der Münchner in gewohnt lässiger Art.

Löw: War schon hochklassig

Müller, der nach tollem Pass von Ilkay Gündogan das 1:1 erzielte, hatte recht, aber zumindest zufrieden konnten die deutschen Spieler mit ihrem Auftritt sein. ( 672344 DIASHOW: Die Bilder des Spiels )

"Es war für ein Testspiel Anfang Februar schon auch hochklassig. Es war ein temporeiches Spiel mit hoher Qualität", sagte Joachim Löw.

"Wir haben viele Dinge gut umgesetzt, die wir zuletzt nicht so gut gemacht hatten", analysierte der Bundestrainer ( 672346 DIASHOW: DFB-Team in der Einzelkritik ).

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Löw erlaubte sich ab der 57. Minute ein spannendes Experiment, brachte für Sturmspitze Mario Gomez Mittelfeld-Impulsgeber Toni Kroos. Das DFB-Team spielte so faktisch ohne Stürmer.

Gomez bleibt außen vor

Ganz vorn hatte sich zuvor Gomez nicht in Szene setzen können.

Dem Bayern-Stürmer, momentan in München nur Ersatz, war die fehlende Spielpraxis anzumerken.

Ohne Mittelstürmer und mit Kroos hinter Özil, der sich als hängende Spitze versuchte, fehlte es in der Schlussphase allerdings etwas an Durchschlagskraft in der Offensive - Sami Khedira erzielte als defensiver Mittelfeldspieler den Siegtreffer.

[kaltura id="0_nkdtf8gk" class="full_size" title="M ller Das war ein Ausrufezeichen"]

Klose fehlt auch in WM-Quali

Die Frage, warum Löw nach Kloses verletzungsbedingtem Ausfall keinen Stürmer nachnominierte, darf im Raum stehen bleiben.

Der Mann von Lazio Rom fällt mit seinem Bänderriss länger aus.

Wenn in den WM-Qualifikationsspielen im März gegen Kasachstan zumindest die angeschlagenen Marco Reus und Mario Götze zurückkehren, wird Löw wohl weiter auf Gomez oder auf die Variante ohne echte Neun setzen.

Auch Gündogan lobt

"Wir haben gezeigt, dass es auch so sehr ordentlich geht", fand Gündogan. "Mit Mario war es auch gut, aber wir sind dadurch sehr flexibel. Aber immer nur dann, wenn es jeder einzelne Spieler wirklich auch annimmt."

Es sei "immer eine Sache der Bedingungen und mit welchem Personal man plant."

"Aber da bin ich nicht der richtige Ansprechpartner", verwies der Dortmunder auf den Bundestrainer.

Der war vollauf zufrieden: "Unsere zentrale Achse mit den Innenverteidigern Hummels und Mertesacker, mit Khedira und Gündogan im Mittelfeld hat schon ein deutliches Übergewicht geschaffen", erklärte Löw.

"Nie Kontrolle verloren wie gegen Schweden"

Die Mannschaft habe "nie die Kontrolle verloren wie gegen Schweden".

Im Oktober hatte das DFB-Team in der WM-Quali beim 4:4 eine 4:0-Führung noch aus der Hand gegeben. In Frankreich stimmte die Balance und die Konzentration. "Unter Druck war das viel besser", meinte Löw.

Einziges Manko: Chancenverwertung

In Paris drückte die DFB-Auswahl von Beginn an dem Gegner ihr Spiel auf. Einziges Manko: die Chancenverwertung.

Der ansonsten starke Mesut Özil war zweimal im Abschluss nicht konsequent, Per Mertesacker traf mit einem Kopfball nur die Latte. ( 672346 DIASHOW: DFB-Team in der Einzelkritik )

Und so führten die Franzosen zur Pause überraschend und unverdientermaßen mit 1:0. Mathieu Valbuena (44.) hatte nach einem Freistoß von Karim Benzema eingeköpft, obwohl Moussa Sissoko zuvor im Abseits gestanden hatte.

Khedira: "Haben richtige Antwort gegeben"

Doch die deutsche Elf, in der wichtige Leistungsträger wie Bastian Schweinsteiger oder Miroslav Klose fehlten, ließ sich von dem Rückstand nicht schrecken. Im Gegenteil.

"Zur Pause war es ein ungerechtes Ergebnis, weil wir schon in der ersten Halbzeit sehr guten Fußball gespielt haben", meinte Khedira. Nach einem Traumpass von Özil hatte er das 2:1 besorgt - wenn auch aus einer Abseitsposition heraus.

Dem Akteur von Real Madrid dürfte das egal gewesen sein - wie auch dem Bundestrainer, denn der hatte viele gute Dinge gesehen.

"Gute Organisation, daraus resultierten viele Ballgewinne und ein schnelles Spiel nach vorn", lobte Löw. Einen Stürmer vermisste er in der Schlussphase offensichtlich nicht.

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