Rene Adler debütierte im Oktober 2008 gegen Russland (2:1) im DFB-Team © imago

Ungeachtet seines starken Comebacks beim Frankreich-Sieg hat Adler kein Problem, Neuer wieder das Tor zu überlassen.

Vom DFB-Team berichtet Thorsten Mesch

Paris - Es war fast so, als wäre er nie weggewesen:

Rene Adlers Comeback in der deutschen Nationalmannschaft nach mehr als zwei Jahren verletzungsbedingter Pause kann als gelungen bezeichnet werden.

Entsprechend zufrieden sah der Torwart des Hamburger SV auch aus, als er im Trainingsanzug durch die Mixed Zone des Stade de France ging.

Der 28-Jährige zeigte in seinem elften Länderspiel beim 2:1 gegen Frankreich (Bericht) eine starke Leistung, wehrte zwei gute Chancen durch Karim Benzema und Franck Ribery ab und war seinen Vorderleuten ein sicherer Rückhalt.

Im Interview spricht Adler über seine Rückkehr, die Bedeutung des Sieges, seine Rolle in der Mannschaft und die Entwicklung des DFB-Teams. ( 672344 DIASHOW: Die Bilder des Spiels )

Frage: Herr Adler, wie sehr konnten Sie das Spiel genießen?

Rene Adler: Man weiß natürlich vom Kopf her, dass es ein Geschenk ist und dass man es genießen sollte. Aber man kann nicht so ins Spiel gehen, denn man hat eine gewisse, Nervosität und Anspannung. Das geht erst mit den Spielen weg, und ich habe noch nicht so viele Länderspiele auf Weltniveau gemacht. Im Nachhinein bin ich froh, dass es so gelaufen ist, dass wir gewonnen haben und ein gutes Spiel gezeigt haben.

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Frage: Haben Sie sich über das Gegentor geärgert?

Adler: Man nimmt sich immer vor, zu null zu spielen, aber schafft es eben nicht immer. Gerade bei Standardsituationen ist es gegen Weltklasseteams schwer. Als der Ball abprallte, dachte ich, es sei Abseits - und dann habe ich mich erschrocken, dass Valbuena da so blank stand. Ich saß noch am Boden und kam zuerst nicht richtig hoch.

Frage: Und dann?

Adler: Der Trainer hat in der Halbzeit gesagt, dass wir das Spiel noch umdrehen, und wir waren auch alle davon überzeugt. Das zeigt den Charakter der Mannschaft: Dass wir uns nicht aus der Bahn werfen lassen und unser Spiel durchziehen.

Frage: Es hat relativ lange gedauert, bis Sie sich auszeichnen konnten, erst in der 27. Minute haben Sie einen Schuss des freistehenden Benzema abgewehrt.

Adler: Vom Kopf her muss man auf diesem hohen Niveau jede Sekunde voll im Spiel sein. Das ist schwierig, denn es kann immer passieren, dass jemand einen kritischen Ball spielt. Ohne das vergleichen zu wollen, strengt das vom Kopf her mehr an als ein Bundesligaspiel, weil es intensiver ist. Man ist als Torwart froh, wenn man dann ins Spiel eingreifen kann. Ich bin froh, dass ich den einen oder anderen Ball abwehren konnte.

[kaltura id="0_nkdtf8gk" class="full_size" title="M ller Das war ein Ausrufezeichen"]

Frage: Fällt es Ihnen schwer, in den nächsten Spielen das Tor wieder Manuel Neuer überlassen zu müssen? ( 672346 DIASHOW: DFB-Team in der Einzelkritik )

Adler: Das ist für mich gar kein Problem. Ich bin froh, dass ich überhaupt zum Kreis der Nationalmannschaft gehöre. Es ist eine tolle Truppe, und es macht viel Spaß, dabei zu sein. Ich weiß, wo meine Rolle ist. Und wenn ich spielen darf, versuche ich einen guten Job zu machen und den Jungs zu helfen. Wir haben alle zusammen gewonnen, auch die, die heute nicht gespielt haben. Im nächsten Spiel spielen ja andere, und dann gehören wir auch zusammen.

Frage: Wenn Sie an Ihr letztes Länderspiel vor Paris zurückdenken - wie fällt der Vergleich mit dem jetzigen Frankreich-Duell aus?

Adler: Beim letzten Länderspiel in Schweden (0:0 am 17.11.2010, Anm. d. Red.) habe ich zumindest zu null gespielt (lacht). Aber man kann die Spiele nicht vergleichen: Damals war es kalt, der Platz war schlecht und das Spiel eher taktisch geprägt. Das war nun schon eine andere Liga: Ich glaube, dass die Zuschauer ein richtig gutes, intensives und schnelles Spiel gesehen haben. Es war ein Prestigeduell, man hat schon gemerkt, dass es um ein bisschen mehr geht.

Frage: Wie hat sich die Mannschaft seit 2010 verändert?

Adler: Es sind neue Spieler dazugekommen, jüngere Spieler. Ich glaube, dass die Qualität der Mannschaft noch einmal gestiegen ist, sich Leistungsträger noch einmal weiterentwickelt und noch mehr Erfahrung haben.

Frage: Welche Bedeutung hat das Frankreich-Spiel für die Weiterentwicklung der Mannschaft mit Blick auf die entscheidenden Spiele in der WM-Qualifikation?

Adler: Der Trainer hat uns immer wieder gesagt, dass er von uns in jedem Spiel absolute Konzentration verlangt, auch in Testspielen. Das Spiel war ein Klassiker, den keiner verlieren wollte. Der Trainer hat uns noch einmal eingeimpft, dass jeder auf dem Prüfstand steht, ein Konkurrenzkampf ausgerufen ist und wir jeden Spieler brauchen. Die Spieler, die spielen dürfen, haben die Chance, sich auf diesem Niveau zu beweisen. Das ist auch für die Gesamtentwicklung der Mannschaft gut. Wenn man sieht, was zum Beispiel Ilkay Gündogan gespielt hat - das war schon klasse und aller Ehren wert.

Frage: Man hatte den Eindruck, dass die Balance zwischen Offensive und Defensive gut funktioniert hat, die beim 4:4 gegen Schweden fehlte.

Adler: Ich war gegen Schweden nicht aktiv dabei. Wir haben da in den ersten 60 Minuten so gespielt, wie es kaum besser geht. Dann haben wir das Spiel aus der Hand gegeben. Wir haben die Lehren daraus gezogen. Man hat gesehen, dass wir daran arbeiten und uns verbessern.

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