Stefan Kießling bestritt bisher sechs A-Länderspiele für das DFB-Team © getty

Der Leverkusener fehlt im Aufgebot gegen Frankreich, wohl auch in der WM-Quali. Adler kehrt zurück - aber unter Vorbehalt.

Von Christian Paschwitz

München - An das südafrikanische Port Elizabeth hat Stefan Kießling viele schöne Erinnerungen:

Es war der 10. Juli 2010, WM und das Spiel um Platz drei gegen Uruguay (3:2), als der Leverkusener Stürmer in der 73. Minute für Cacau eingewechselt wurde - es war bis dato auch Kießlings jüngster Einsatz für das DFB-Team.

Mehr als zweieinhalb Jahren und 33 Länderspiele sind seither vergangenen, ohne dass der aktuell beste Bundesliga-Torschütze (13 Treffer) wieder den Adler auf der Brust tragen durfte.

Und auch für das Länderspiel am Mittwoch in Frankreich (ab 20.30 Uhr im LIVE-TICKER), dessen Kader nun bekannt gegegen wurde, bleibt Kießling erneut außen vor. ( 636514 DIASHOW: DFB-Team-Aufgebot gegen Frankreich )

Löw betreitet Comeback in der WM-Quali

Wie lange der Bundestrainer auf den 29-Jährigen noch verzichten mag, ist ein mehr oder weniger offenes Geheimnis.

Joachim Löw bestritt einen Medienbericht, wonach er Kießling für die WM-Qualifikationsspiele im März gegen Kasachstan eine Nominierungsgarantie gegeben habe:

"Ich habe kein Comeback von Kießling angekündigt. Ich habe keinerlei Aussage gemacht, sondern es offen gehalten", so der Bundestrainer. "Ich habe lediglich gesagt, dass es jetzt, für das Spiel gegen Frankreich, der falsche Zeitpunkt ist."

Heynckes stärkt den Rücken

Für viele Experten allerdings ist dem keineswegs so - und vielmehr Kießlings Chance aufs Comeback endlich gekommen: "Ich wünsche ihm, dass er wieder eingeladen wird", meinte etwa Jupp Heynckes.

Und der Bayern-Trainer, in Leverkusen einst auch Kießlings Coach, ergänzte: "Ich bin der Meinung, dass Stefan Kießling zu den Topstüprmern der Liga gehört und denke, dass der Bundestrainer da noch genaue Pläne hat und sich den Stefan zu den Qualifikationsspielen dazunimmt."

Kießling sei leistungsstark, ein Teamplayer "und im Verhalten professionell und ein wunderbarer Mensch".

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"Auch kein ganz junger Spieler mehr"

Grundsätzlich will Löw die Situation des Leverkuseners "immer neu bewerten".

Klar sei eines: "Ich werde Kießling nicht für ein Spiel zurückholen, sondern dann, wenn ich ihm eine berechtigte Hoffnung und Perspektive bieten kann. Stefan war schon bei uns dabei und ist auch kein ganz junger Spieler mehr."

Deshalb würde es ihm nicht gerecht werden, "ihn nur für einen Kurzeinsatz zurückzuholen".

Klose und Gomez Nasenlänge voraus

Löw fügte an: Kießling habe "zuletzt ohne Zweifel bemerkenswert gespielt".

Dennoch sei er im Kampf um einen Platz im Kader für die WM 2014 noch in der Rolle des Herausforderers.

"Wenn wir alle Positionen doppelt besetzen, dann sehe ich Miroslav Klose und Mario Gomez derzeit noch eine Nasenlänge voraus", so Löw: "Beide verkörpern in hohem Maße unsere Spielphilosophie."

Einsatzgarantie für Adler

Während Kießling in der Warteschleife hängt, wirkt Rene Adler, der sein bisher letztes Länderspiel am 17. November 2010 beim 0:0 in Schweden bestritten hatte, immerhin schon einen Schritt weiter.

Nach seiner Nominierung für das Spiel in den Niederlanden im November erhält der Keeper des Hamburger SV im ersten Länderspiel des Jahres gegen Frankreich nun eine Einsatzgarantie von Beginn an wie auch Rückkehrer Gomez, der nach auskurierter Verletzung erstmals seit der EM wieder eine Halbzeit spielen soll.

Als uneingeschränkte Nummer zwei wird Adler von Löw deshalb trotzdem noch nicht gesehen.

Noch keine Entscheidung zur Nummer zwei

"Die Reihenfolge hinter Manuel Neuer wollen wir noch nicht festlegen. Wir wollen die Entwicklung in dieser und der kommenden Saison weiter beobachten", so der Bundestrainer mit Verweis auf Ron-Robert Zieler (Hannover 96) und Marc-Andre ter Stegen (Borussia Mönchengladbach).

"Bei den entscheidenden WM-Qualifikationsspielen im März vertrauen wir wieder Manuel Neuer. Er ist unsere klare Nummer eins", meinte Löw.

Abschreiben muss er aus seinem Stammaufgebot nur den verletzten Innenverteidiger Holger Badstuber.

Respekt vor Benzema und Ribery

Auf Experimente verzichtet Löw demnach auch - sein Kader ist mit 23 Profis für ein Einzelspiel aber recht groß.

"Ich denke, dass wir einen sehr guten Kader haben, den wir aber auch benötigen, um den technisch enorm starken Franzosen auf Augenhöhe begegnen zu können", erklärte der Bundestrainer.

Und weiter: "Frankreich ist auf dem Weg zu alter Stärke und gehört für mich wieder zu den besten Mannschaften der Welt, auch aufgrund überragender Spieler wie Karim Benzema und Franck Ribery. Das Spiel wird ein echter Härtetest."

Das DFB-Team-Aufgebot:

Tor: Rene Adler (Hamburger SV), Manuel Neuer (FC Bayern)

Abwehr: Jerome Boateng, Philipp Lahm (beide Bayern), Mats Hummels, Marcel Schmelzer (beide Borussia Dortmund), Benedikt Höwedes (FC Schalke 04), Per Mertesacker (FC Arsenal), Heiko Westermann (Hamburg)

Mittelfeld: Lars Bender, Andre Schürrle (beide Bayer Leverkusen), Julian Draxler (Schalke), Mario Götze, Ilkay Gündogan, Marco Reus (alle Dortmund), Sami Khedira, Mesut Özil (beide Real Madrid), Toni Kroos, Thomas Müller, Bastian Schweinsteiger (alle Bayern), Lukas Podolski (Arsenal)

Sturm: Mario Gomez (Bayern), Miroslav Klose (Lazio Rom)

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