Rene Adler wechselte im Sommer von Leverkusen zum Hamburger SV © getty

Vor wenigen Monaten dachte Rene Adler ans Karriereende, nun steht er gegen die Niederlande vor seinem Comeback im DFB-Team.

Vom DFB-Team berichtet Martin Volkmar

Amsterdam - Auf den ersten Blick wirkt es, als sei Rene Adler nie weg gewesen.

Hier ein Scherz mit Lukas Podolski, dort ein Flachs mit den Journalisten - der Rückkehrer hat sich schnell wieder im DFB-Team zurechtgefunden. 636514 (DIASHOW: Der DFB-Kader gegen die Niederlande)

"Ich habe schon im Scherz gesagt, dass für mich ein Zwei-Jahres-Zyklus gilt. Ich werde versuchen, mich zu integrieren, für mich ist es ja auch schon ein bisschen her. Immerhin kenne ich aber noch einige Gesichter", sagte der zuletzt überragende Torwart des Hamburger SV, der von der Nominierung "ganz schön überrascht" war.

Seit Adler im November 2010 beim 0:0 gegen Schweden zuletzt das Trikot mit dem Adler trug, ist viel passiert.

Und fast nichts sprach bis zum Saisonbeginn für das nun mögliche Comeback des 27-Jährigen gegen die Niederlande (Mi., ab 20 Uhr im LIVE-TICKER). ( 481780 DIASHOW: Highlights Deutschland vs. Holland )

"Dem Karriereende relativ nah"

"Vor einem halben Jahr war ich einem Karriereende relativ nah", gab der zehnmalige Nationalspieler nun sogar Rücktrittsgedanken zu.

"Ich war nicht so größenwahnsinnig, aus der Reha, aus dem Krankenhaus von der Nationalmannschaft zu träumen. Wenn ich mir vorstelle, dass ich dem Gedanken nahe war, überlegt habe, was machst du, studierst du? Da war der Traum von der Nationalmannschaft weit weg."

Dabei stand ihm der Weg zur neuen Nummer 1 im Lande eigentlich offen, als er vor fast genau drei Jahren mit einer überragenden Leistung beim 1:0 in Russland maßgeblichen Anteil an der vorzeitigen WM-Qualifikation hatte.

Erst Rippenbruch, dann Knie-OP

Ein halbes Jahr später erklärte ihn Bundestrainer Joachim Löw dann zum Stammkeeper, doch ein Rippenbruch wenig später sorgte für das WM-Aus und den gleichzeitigen Aufstieg von Manuel Neuer.

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Während sich der heutige Bayern-Keeper danach in der Weltspitze etablierte, ging es für Adler in die entgegengesetzte Richtung.

Im Sommer 2011 musste er sich einer Patellasehnenoperation unterziehen und fiel acht Monate aus. Nachfolger Bernd Leno ließ den kranken Adler vergessen, so dass die Verlängerung seines auslaufenden Vertrages am Ende der vergangenen Saison kein Thema mehr war.

Beim HSV zurück zu alter Stärke

Glücklicherweise kam der gebürtige Leipziger beim HSV unter, setzte sich im Duell mit Jaroslav Drobny durch und kämpfte sich dann mit bislang überragenden Leistungen zurück in Löws Fokus.

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"Rene verkörpert eigentlich genau das Torwartspiel, was wir hier bei der Nationalmannschaft sehen wollen", lobte ihn Bundestorwarttrainer Andreas Köpke schon vor einem Monat.

Nun profitiert Adler offenbar von der Formschwäche der Youngster Ron-Robert Zieler und Marc Andre ter Stegen und könnte sich schon bald wieder als klare Nummer 2 im DFB-Team etablieren.

Keine Kampfansage an Neuer

Ambitionen auf die Rückkehr in die Stammelf hegt er dagegen zumindest öffentlich nicht, zumal er ein gutes Verhältnis zu Platzhalter Neuer hat.

"Wenn ich jetzt sage, der Kampf um die Nummer eins sei neu eröffnet, dann werdet ihr mich alle auslachen", meinte Adler:

"Was wir derzeit am wenigsten brauchen, ist es, nun auch noch eine Baustelle im Tor auszumachen."

Kahn gegen Torwart-Rochaden

So sieht es auch Torwart-Titan Oliver Kahn. "Solche Konkurrenzsituationen können auch auf der Torwartposition über einen gewissen Zeitraum leistungsfördernd sein, trotzdem bin ich kein Freund von ständigen Torwart-Rochaden", erklärte der Ex-Nationaltorwart in der "Bild":

"Wenn die Leistung wie bei Manuel Neuer durchweg stimmt, sollte die Nummer 1 nicht durch die Nominierung von Adler in Frage gestellt werden. Erfolgreiche Mannschaften zeichnen sich auch dadurch aus, dass sie auf dieser Position Konstanz und Kontinuität gewährleisten."

Deshalb stellt Adler auch keine Ansprüche, sondern hofft auf einen Teileinsatz gegen die Niederländer: "Dann werde ich jede Minute, jede Sekunde genießen."

Wette mit van der Vaart

Zugleich aber wird er schon aus Eigennutz alles tun, um den deutschen Kasten sauber zu halten. Denn mit HSV-Teamkollege Rafael van der Vaart hat er eine Wette laufen.

Der Verlierer muss im jeweiligen Trikot der gegnerischen Nationalelf trainieren.

Doch Adler ist sich seiner Sache sicher: "Ich bin überzeugt, dass ich es nicht anziehen werde."

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