Louis van Gaal trainiert bald Manchester United
Louis van Gaal gewann mit dem FC Bayern 2010 das Double © getty

Der Ex-Bayern-Coach zeigt sich vor dem Duell gegen Deutschland in bester Stimmung und verzichtet auf weiteren Spott gegen Löw.

Aus den Niederlanden berichtet Martin Volkmar

Nordwijk - Draußen tost die Nordsee, der Regen prasselt an die großen Scheiben des Nobel-Hotels "Huis ter Duin" in Nordwijk.

Drinnen empfängt Louis van Gaal die deutschen Journalisten wie ein holländischer Camper, gibt dann im Pressegespräch aber den weltgewandten Grandseigneur.

Im blauen Trainingsanzug, mit Badeschlappen und einem Loch in den Socken, sichtlich schmaler als zu seiner Zeit beim FC Bayern und vor allem ungewohnt gut gelaunt steht der niederländische Bondscoach vor dem Prestigeduell gegen Deutschland (ab 20 Uhr im LIVE-TICKER) Rede und Antwort.

Löws Sticheleien lassen van Gaal kalt

Dabei lässt sich van Gaal auch nicht bei kritischen Nachfragen aus der Reserve locken und reagiert gelassen auf die Sticheleien von Joachim Löw.

"Für einen Nationaltrainer ist es ja doch wichtig, dass man sich auch mal für ein Turnier qualifiziert. Das hat er zuletzt nicht geschafft - glaube ich", hatte der Bundestrainer zuvor über den niederländischen Nationalcoach gesagt.

"Löw hat Recht. Das sind die Fakten und Fakten sind die Wahrheit", sagte van Gaal, der in seiner ersten Amtszeit als Bondscoach die WM 2002 verpasst hatte.

"Natürlich ärgert mich das, daher bin ich noch ein zweites Mal Nationaltrainer geworden."

"Einen besseren Trainer zu finden ist schwierig"

Am Wochenende hatte sich das noch etwas anders angehört. Auf die Frage, ob es einen besseren Coach gebe als ihn, antwortete van Gaal in der "Sportschau": "Einen besseren Trainer als mich zu finden ist schwierig."

Löw ist es nach Meinung des 61-Jährigen definitiv nicht. "Er hat noch nicht viel gewonnen. Ein Trainer muss viel gewinnen, um legendarisch zu sein."

[image id="092cf407-63eb-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Diesmal aber hält er sich zurück. Auch seine jüngsten Aussagen, wonach die DFB-Auswahl sein 4-2-3-1-System aus Münchner Zeiten kopiere, relativierte er am Dienstag - zumindest ein wenig:

"Jogi Löw ist verantwortlich für diese Spielweise, aber natürlich war es so, dass er erst 4-4-2 gespielt und jetzt die Spielweise von Bayern spielt. Aber nicht nur die Nationalmannschaft spielt so, mehrere deutsche Klubs spielen jetzt so, zum Beispiel Dortmund."

Respekt vor der DFB-Auswahl

Ohnehin hat er vor dem Erzrivalen und seinem großen Reservoir an Topspielern trotz der zahlreichen Absagen großen Respekt.

[kaltura id="0_jevj6dwf" class="full_size" title="M ller lobt van Gaal"]

"Das Arsenal, aus dem Jogi Löw Spieler holen kann, ist viel größer als das der Niederlande, denn Löw kann aus Spielern wählen, die alle mit ihren Klubs in der Champions League spielen. Und das ist bei meinen Spielern nicht der Fall", meinte van Gaal.

Auf wen genau der Routinier, der unter anderem auf Robin van Persie und Wesley Sneijder verzichten muss, gegen den EM-Halbfinalisten setzen wird, wollte er indes nicht verraten.

Deutsche Startelf schon bekannt

Stattdessen prognostizierte der Nachfolger von Bert van Marwijk die komplette Anfangsformation der DFB-Auswahl - und könnte Recht behalten: "Neuer, Höwedes, Mertesacker, Hummels, Lahm, Gündogan, Bender, Götze, Reus, Podolski, Müller."

Ohnehin kennt er die deutsche Mannschaft "wie seine Westentasche", meinte der 61-Jährige, vor allem seine früheren Schützlinge beim FCB.

Deshalb sei es "ein spezielles Spiel" für ihn.

Lob von allen Seiten

Ein Lob, das offenbar auf Gegenseitigkeit beruht.

"Als Trainer lasse ich nichts auf ihn kommen", sagte Thomas Müller im SPORT1-Interview. "Er ist ein exzellenter Fachmann, der mir und der ganzen Mannschaft sehr viel beigebracht hat."

Auch bei den niederländischen Nationalspielern genießt van Gaal hohes Ansehen. "Die Leute in Holland lieben so einen Trainer. Er ist ein super Mann", sagte Bremens Eljero Elia, einer von sechs Bundesliga-Legionären im Oranje-Kader.

Nach zuletzt zwei deutlichen Niederlagen in Folge brennt der WM-Finalist auf Revanche.

Van Gaal dagegen ist das Prestigeduell angeblich egal: "Da war ich noch nicht Nationaltrainer. Wichtig ist nicht, dass wir jetzt gegen Deutschland gewinnen, sondern bei der Weltmeisterschaft."

Weiterlesen