SPORT1-Reporter Martin Volkmar (l.) traf Oliver Bierhoff in Amsterdam zum Interview © getty

Vor dem Partie gegen die Niederlande spricht DFB-Manager Oliver Bierhoff über die Absagenflut und die Bedeutung des Spiels.

Vom DFB-Team berichtet Martin Volkmar

Amsterdam - Fast eine komplette Mannschaft fehlt Bundestrainer Joachim Löw beim Testspiel des DFB-Team in Amsterdam gegen die Niederlande (ab 20 Uhr im LIVE-TICKER) .

Die Flut an Absagen (Bericht) sorgte vor dem letzten Spiel des Jahres für einige Aufregung und Kritik.

Oliver Bierhoff zeigt sich beim Gespräch in der Lobby des Teamhotels Marriott in Amsterdam trotzdem entspannt. Der Manager der Nationalmannschaft freut sich trotzdem auf die Partie gegen die Elftal. ( 481780 DIASHOW: Highlights Deutschland vs. Holland )

Auch das Buch von Ex-DFB-Präsident Theo Zwanziger und die darin geäußerte Kritik kann den 44 Jahre alten Europameister von 1996 nicht aus der Ruhe bringen. Dazu äußern möchte sich der frühere Stürmer aber nicht mehr.

Im SPORT1-Interview spricht Bierhoff über die Rivalität zwischen Deutschland und den Niederlanden, seine persönlichen Erinnerungen an die Duelle mit dem Nachbarland und die Stimmung rund um die Nationalmannschaft.

SPORT1: Herr Bierhoff, ist das Spiel gegen die Niederlande nach den zahlreichen Absagen entwertet?

Oliver Bierhoff: Nein, aber es hat sicherlich einen etwas anderen Stellenwert, weil ein Großteil der Stammmannschaft fehlt. Für viele unserer jungen Spieler und die Neulinge wie Roman Neustädter und Sebastian Jung ist es eine Chance, sich gegen ein absolutes Topteam auf großer Bühne zu präsentieren. Für die Entwicklung unserer Mannschaft ist das Spiel nach wie vor sinnvoll. 636514 (DIASHOW: Der DFB-Kader gegen die Niederlande)

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SPORT1: Früher gab es heiße Duelle zwischen Deutschland und Holland. Ist dieses Duell noch ein Klassiker?

Bierhoff: Es bleibt ein Prestigeduell, denn gegen Holland wollen wir immer gewinnen. Natürlich hat es eine andere Bedeutung als bei einem Turnier, aber gerade weil die Niederländer in den letzten Spielen nicht gut gegen uns ausgesehen haben, hat die Partie schon eine gewisse Brisanz. Zumal die Personalie Louis van Gaal hinzukommt, der selber noch ein bisschen die Emotionen geschürt hat.

SPORT1: Also überwiegt trotz allem die Vorfreude?

Bierhoff: Ja, auf jeden Fall. In der Amsterdam Arena herrscht eigentlich immer eine gute Stimmung. Ich freue mich vor allem zu sehen, wie die jungen Spieler mit weniger Länderspielen die Vorgaben von Jogi Löw umsetzen werden. Das Schöne ist ja, dass wir trotz der Ausfälle immer noch mit einer sehr guten Mannschaft ins Spiel gehen werden.

[kaltura id="0_eryiug7t" class="full_size" title="Breitseite für van Gaal"]

SPORT1: Ihre persönliche Bilanz gegen die Niederlande ist sehr positiv. An welche Erlebnisse erinnern Sie sich in diesem Zusammenhang?

Bierhoff:Stimmt. 1996 vor der EM habe ich den Elfmeter zum Siegtreffer herausgeholt, später sind wir Europameister geworden. Und als Teammanager durfte ich in den letzten zwölf Monaten zwei überzeugende Siege sehen, bei denen wir beide Male die bessere Mannschaft waren. Aber auch die Niederländer haben ein gutes Team und mit van Gaal den Umbruch eingeleitet. Daher rechne ich damit, dass es schwerer wird als bei der EM.

SPORT1: Ist es eine Bestätigung, wenn Arjen Robben sagt, dass die Deutschen derzeit ein ganzes Stück weiter sind als die Niederländer? Vor ein paar Jahren hörte sich das ja noch ganz anders an?

Bierhoff: Die Aussage hat mir natürlich gefallen. Ich glaube generell, dass die Außenansicht auf den deutschen Fußball insgesamt wesentlich positiver ist als teilweise hierzulande. Die Nationalmannschaft hat sich in den letzten Jahren unglaublich entwickelt. Nicht nur, weil wir bei den vergangenen vier Turnieren unter den besten vier Mannschaften waren, sondern weil wir dabei attraktiven und guten Fußball spielen.

SPORT1: Sehen Sie trotzdem die Gefahr, dass bei einer Niederlage der letzte Eindruck bleibt und die Mannschaft mit einem Negativ-Image aus dem Jahr geht?

Bierhoff: Das möchte man natürlich vermeiden. Trotz der vielen tollen Spiele in diesem Jahr hatten wir eben auch zwei Negativerlebnisse mit dem EM-Aus gegen Italien und dem 4:4 gegen Schweden. Das bleibt bei den Leuten im Kopf, aber dennoch habe ich auch sehr viel positive Resonanz für unsere Leistungen bekommen. Die Begeisterung für die Nationalmannschaft ist ungebrochen. Daran wird sich durch ein Spiel nicht viel ändern, aber natürlich will man einen positiven Jahresabschluss.

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