Marco Reus (r.) hat bislang fünf Länderspieltore auf dem Konto © getty

Der Bundestrainer verteidigt seine offensive Philosophie. Reus soll gegen Holland Klose ersetzen, Adler winkt ein Kurzeinsatz.

Von Andreas Kloo und Martin Volkmar

München/Amsterdam - Joachim Löw schien demonstrativ seine Kleiderordnung geändert zu haben.

Bei der Pressekonferenz in Amsterdam vor dem Testspiel gegen die Niederlande (Mi., ab 20 Uhr im LIVE-TICKER) erschien er nicht wie sonst in feinem Zwirn, sondern im DFB-Trainingsanzug.

Modefan Löw erinnerte damit optisch eher an Schalke-Coach Huub Stevens, der bekanntlich aus der Riege der "Fußballarbeiter" stammt.

Stevens prägte in den 90ern den Satz "Die Null muss stehen".

Eine Devise, an die sich das DFB-Team zuletzt beim 4:4 gegen Schweden so ganz und gar nicht hielt. Was zu geballter öffentlicher Kritik an Löws angeblich fehlendem Defensivkonzept führte.

Lieber 3:3 als 0:0

Aber wer nun geglaubt hatte, Löw wurde sein Credo vom Offensivfußball nun über den Haufen werfen, der sah sich getäuscht.

"Ein 3:3 oder 4:4 ist immer spektakulärer für die Zuschauer als ein 0:0", hielt Löw fest.

Deshalb wolle er an seiner grundsätzlichen Philosophie festhalten: "Generell gilt, dass wir unserer offensiven Spielweise treu bleiben werden. Wir haben die Spieler, die das können", stellte Löw klar.

Richtige Balance entscheidend

Ohnehin nervt den Bundestrainer das ständige Gerede von den deutschen Tugenden: "Die deutschen Tugenden haben sich verändert. Das sind mittlerweile eben auch technisch gute Spieler und Angriffsfußball", sagte Löw dazu.

Mit der ersatzgeschwächten Elf, die gegen die Niederlande antritt, will Löw aber deshalb am Mittwoch Abend nicht blind ins Verderben rennen: "Wir müssen die richtige Balance finden und zuerst einmal defensiv gut stehen."(Bericht: Absagenflut überschattet Klassiker)

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Er verspricht aber auch: "Natürlich müssen wir Holland auch unter Druck setzen und uns Torchancen erarbeiten."

Kießling nicht in Vergessenheit

Wer für das Verwerten dieser Torchancen in vorderster Front zuständig sein wird, ist noch unklar. 636514 (DIASHOW: Der DFB-Kader gegen die Niederlande)

Miroslav Klose als einziger etablierter Stürmer fällt grippekrank aus. Auf den erfolgreichsten deutschen Angreifer 2012, Stefan Kießling, verzichtet Löw beharrlich.

"Ich registriere seine gute Leistungen absolut. Er ist nicht in Vergessenheit geraten. Ich will aber vorne einen andere Varianten testen", sagte Löw über den Leverkusener.

Somit bleibt Löw nichts anderes übrig, als einen der offensiven Mittelfeldspieler zum Angreifer umzufunktionieren.

Reus oder Podolski?

Eine Taktik, die an die "falsche 9" der Spanier bei der EM erinnert, mit Cesc Fabregas als Tarnkappen-Stürmer.

In Frage kommen für diese Position Marco Reus und Lukas Podolski.

"Er kann diese Rolle spielen, kommt aber meiner Meinung nach hinter einer zentralen Spitze oder auf der linken Seite besser zur Geltung. Ganz vorne ist nicht seine Idealposition", sagt Löw allerdings über den Arsenal-Spieler.

So läuft wohl alles auf den Dortmunder Reus hinaus.

Adler erst in Hälfte Zwei

Der Rest der Mannschaft stellt sich beinahe von selbst auf. Thomas Müller wird nach abgeklungener Erkältung im rechten Mittelfeld spielen, Mario Götze dann wohl für den fehlenden Mesut Özil auf der Zehn wirbeln.

Philipp Lahm wird wegen des Ausfalls von Marcel Schmelzer auf links rücken, dafür kommt auf rechts wohl Benedikt Höwedes zum Zug.

Nationalmannschaftsrückkehrer Rene Adler wird zunächst auf der Bank Platz nehmen müssen. Löw stellte dem Hamburger Torhüter aber einen Einsatz in der zweiten Halbzeit in Aussicht.

Bender und Gündogan im defensiven Mittelfeld

Das defensive Mittelfeld-Duo dürften dann Lars Bender und Ilkay Gündogan bilden, auch wenn der Dortmunder von seiner Startelf-Berufung noch nichts weiß: "Der Trainer hat noch nicht mit uns gesprochen."

Die beiden werden für die Stabilität im deutschen Mittelfeld sorgen müssen. Diese ging bei dem 30-minütigen Albtraum gegen Schweden (4:4) völlig verloren.

Löw sprach am Mittwoch gar von "Auflösungserscheinungen".

Mit Bender scheint Löw auf den richtigen Mann zu setzen. Zumindest der Leverkusener hat die Stevens-Grundregel verinnerlicht: "Am besten hinten die Null stehen lassen", nimmt er sich für die Partie gegen die Oranje-Elf vor.

Die voraussichtlichen Mannschaftsaufstellungen:

Niederlande: Krul/Newcastle United (24 Jahre/4 Länderspiele) - van Rhijn/Ajax Amsterdam (21/4), Heitinga/FC Everton (28/84), Vlaar/Aston Villa (27/13), Martins Indi/Feyenoord Rotterdam (20/5) - de Jong/AC Mailand (27/66), Emanuelson/AC Mailand (26/16) - van der Vaart/Hamburger SV (29/102) - Afellay/Schalke 04 (26/43), Huntelaar/Schalke 04 (29/59), Robben/Bayern München (28/62)Deutschland: Neuer/Bayern München (26/35) - Höwedes/Schalke 04 (24/9), Mertesacker/FC Arsenal (28/84), Hummels/Borussia Dortmund (23/22), Lahm/Bayern München (29/94) - Lars Bender/Bayer Leverkusen (23/10), Gündogan/Borussia Dortmund (22/3) - Müller/Bayern München (23/37), Götze/Borussia Dortmund (20/19), Podolski/FC Arsenal (27/105) - Reus/Borussia Dortmund (23/13).

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