Roman Neustädter wechselte im Sommer aus Gladbach nach Schalke © imago

Roman Neustädter könnte in den Niederlanden sein DFB-Debüt geben. Löws Anruf sorgte für Schweißausbrüche.

Von Thorsten Langenbahn

Gelsenkirchen - Im Sommer zog es Roman Neustädter und Marco Reus weg aus Mönchengladbach, vom Niederrhein ins Ruhrgebiet.

Während der eine nun Königsblau und der andere Schwarzgelb trägt, dürfen die guten Kumpels zurzeit wieder gemeinsam trainieren - im schwarzweißen Dress der deutschen Nationalmannschaft. 636514 (DIASHOW: Der deutsche Kader)

Reus war mit 17 Millionen Euro für Borussia Dortmund kein Schnäppchen, Neustädter als ablösefreier Spieler für den FC Schalke dagegen ein echter Glücksgriff - ein Zufallstreffer ist er aber nicht.

Schnörkellos, zuverlässig, zweikampfstark

Schon in Gladbach galt Neustädter als Säule des Überraschungserfolgs in der Mannschaft von Trainer Lucien Favre.

Dass die "Fohlen"-Elf mit 24 Gegentreffern in der vergangenen Saison die zweitbeste Abwehr der Liga hatte, war auch ein Verdienst von Neustädter.

Seit Saisonbeginn sorgt der 24-Jährige beständig im defensiven Mittelfeld des FC Schalke für Ordnung - schnörkellos, zuverlässig, zweikampfstark mit gutem Stellungsspiel.

Und hat dabei nicht eine Minute in der Bundesliga verpasst.

Als Abräumer vor der zweitbesten Abwehr der Liga

"Dass es so gut funktionieren wird, damit konnte ich natürlich nicht rechnen", sagte Neustädter erst kürzlich bei SPORT1 über seinen gelungenen Neustart in Gelsenkirchen.

Erster Einsatz in Amsterdam?

Platz zwei in der Liga mit der zweitbesten Abwehr (zwölf Gegentore) hinter den Bayern (4), auch das wäre ohne Neustädter wohl so nicht möglich gewesen.

Dass der Bundestrainer seine Fähigkeiten auch in der Nationalmannschaft beurteilen möchte, war fast nur noch eine Frage der Zeit.

Zum Abschluss des Länderspieljahres gegen die Niederlande in Amsterdam (Mi., ab 20 Uhr im LIVE-TICKER) könnte der gebürtige Ukrainer aus Dnjepropetrowsk bereits zu seinem ersten Einsatz im DFB-Team kommen.

Nach Anruf Heldt: "Was hast du jetzt angestellt?"

Die Nominierung erreichte Neustädter zunächst über Schalkes Sportdirektor Horst Heldt.

"Ich hatte allerdings den ersten Anruf unseres Managers verpasst und als ich seinen Anruf auf dem Display gesehen hatte, dachte ich nur: Oh, was hast du jetzt angestellt", sagte Neustädter und lacht.

Seine unglückliche Kopfballverlängerung vor dem 0:1 gegen Arsenal noch im Hinterkopf, erwartete er jedenfalls nicht die grandiose Nachricht des Bundestrainers.

Schweißausbrüche nach der Nominierung

Als er dann von seiner Nominierung erfuhr, musste Neustädter tief durchatmen.

"Ich habe erst einmal Schweißausbrüche bekommen. Dann habe ich erstmal mit meinen Eltern und meiner Freundin telefoniert. Ich habe nach ein, zwei Stunden realisiert, was passiert ist und mich dann riesig gefreut", sagte Neustädter.

Abends erreichte Jogi Löw ihn schließlich persönlich. "Er hat mir gesagt, dass ich mir die Einladung durch meine Leistungen verdient habe", erklärte der Mittelfeldspieler stolz.

Dreifacher Torschütze nach Standards

Nach drei Jahren in Gladbach mit einem Treffer hat er bei den Gelsenkirchenern inzwischen auch das Toreschießen für sich entdeckt.

"Ich stand dreimal nach Standardsituationen richtig", wiegelte Neustädter bescheiden ab.

Er ist keiner, der große Töne spuckt. Neustädter, Sohn des früheren Karlsruher und Mainzer Profis Peter Neustädter, bläst lieber auf dem Platz zur Attacke.

So wie nach seinem Treffer gegen Bremen, als er die Eckfahne vor der Schalker Nordkurve als Didgeridoo-Ersatz benutzte ? ein Gruß an seine Freundin Mona, die zurzeit in Australien ist.

71 Prozent gewonnene Zweikämpfe

Gegen Werder hatte er nicht nur die meisten Ballkontakte (80) aller Akteure auf dem Platz, sondern erzielte auch mit 71 Prozent gewonnenen Zweikämpfen einen überragenden Wert für einen Sechser.

In seinem Spiel kommt der Mittelfeldstratege fast ohne Fouls aus.

"Roman besetzt die Lücken, sorgt dafür, dass die Abstände stimmen und weiß genau, wann er sich einschalten muss", lobte Schalke-Kapitän und Nationalelfkollege Benedikt Höwedes über seinen Vordermann im "kicker".

Als Absicherung nach hinten scheint der strategische wichtige Mittelfeldspieler nach den Diskussionen um die Defensive im DFB-Team momentan genau der richtige Mann zu sein.

Starke Konkurrenz auf der Sechser-Position

Allerdings besitzt auch die Konkurrenz auf der Sechser-Position in Person von Bastian Schweinsteiger, Sami Khedira, Ilkay Gündogan, Lars und Sven Bender oder Toni Kross "högschde Qualität", wie der Bundestrainer sagen würde.

Verstecken muss sich Neustädter dennoch nicht. Sein Ex-Trainer Lucien Favre bedauerte nach seinem Weggang, Gladbach habe seinen Xavi verloren.

Dieser Vergleich mit dem spanischen Weltklasse-Mittelfeldspieler sagt eigentlich alles über die Spielintelligenz des 24-Jährigen.

Für Neustädter gibt es ohnehin keinen Grund, sich angesichts der Konkurrenten einen Kopf zu machen.

"Ich werde positiv gestimmt zur Nationalelf reisen und mein Bestes geben", sagte er - ganz ohne Schweißausbrüche und in der Hoffnung auf seinen ersten Länderspieleinsatz.

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