Lewis Holtby qualifizierte sich mit der deutschen U 21 für die EM 2013 in Israel © imago

Nach Sven Bender und Sebastian Jung holt der Bundestrainer auch Schalkes Mittelfeldspieler in den Kader für das Holland-Spiel.

München - Joachim Löw hat noch einmal auf die Absagenflut vor dem Länderspiel gegen die Niederlande (Mi., ab 20 Uhr im LIVE-TICKER) reagiert:

Nach Seven Bender und Sebastian Jung nominierte der Bundestrainer am Montag auch Schalkes Lewis Holtby nach.

Der 22 Jahre alte Mittelfeldspieler, Kapitän der deutschen U21, hat bereits zwei Länderspiele absolviert, zuletzt am 7. Juni 2011 gegen Aserbaidschan (3:1).

Am Sonntag hatte Löw bereits den Dortmunder Bender und Neuling Jung von Eintracht Frankfurt berufen. 636514 (DIASHOW: Der deutsche Kader)

Jung gehörte bislang zur U-21-Nationalmannschaft und steht erstmals im Kader des A-Teams, Bender bestritt bislang zwei Spiele unter Löw. "Sebastian hat sich das verdient", sagte Frankfurts Trainer Armin Veh: "Er spielt eine überragende Saison und hat einen guten Charakter."

Schweinsteiger und Kroos fehlen

Wenige Stunden zuvor hatten Löw die Absagen der beiden Münchner Stars Bastian Schweinsteiger und Toni Kroos erreicht. Zuvor stand bereits der Ausfall von Jerome Boateng (Muskelfaserriss) und Marcel Schmelzer (Mittelfußprellung) fest.

Vize-Kapitän Schweinsteiger verzichtete wegen eines Infekts auf die Reise, Kroos plagt ein Magen-Darm-Virus. Auf die angeschlagenen Holger Badstuber und Sami Khedira hatte Löw ohnehin schon verzichten müssen. Thomas Müller vom FC Bayern wird dagegen trotz einer Erkältung anreisen.

Nach den Absagen standen dem Bundestrainer in der Defensive nur noch Kapitän Philipp Lahm (Bayern München), Mats Hummels (Borussia Dortmund), Benedikt Höwedes (Schalke 04), Per Mertesacker (FC Arsenal) und Heiko Westermann (Hamburger SV) zur Verfügung.

Motivation hält sich in Grenzen

Bei den verbliebenen Spielern scheint sich die Motivation arg in Grenzen zu halten. "Das ist ein Klassetermin, auf den wir uns alle freuen. Da werden wir mit voller Leidenschaft unser Land vertreten und das tun, wofür wir alle geboren wurden: Für Deutschland Fußball spielen", sagte Müller mit beißender Ironie vor der Partie gegen seinen früheren Trainer Louis van Gaal.

Löw steht ab Montagnachmittag, wenn sich die Nationalmannschaft mit Rückkehrer Rene Adler und Neuling Roman Neustädter im Mariott-Hotel in Amsterdam trifft, eine undankbare Aufgabe bevor - und das nicht nur wegen der erheblichen Personalsorgen.

Einerseits ist nach dem peinlichen Remis gegen Schweden Wiedergutmachung angesagt. Zudem kommen Spielen gegen den Erzrivalen immer eine besondere Bedeutung zu. Andererseits stößt der Termin zwischen Liga, Pokal und Europacup auf wenig Gegenliebe bei Spielern und Klubs.

Löw reagiert auf Kritik

"Die Problematik besteht ja am Ende eines Jahres immer, dass die Spieler hochbelastet sind", meinte Löw zur Kritik an dem brisanten Duell, die in der vergangenen Woche zunächst Ex-Teamchef Rudi Völler geäußert hatte.

Auch Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge machte am Wochenende noch einmal deutlich, dass er die Länderspiele im August und November "schon immer kritisch" gesehen habe.

Löw wird den Sorgen voraussichtlich Rechnung tragen und einige Stars nur dosiert einsetzen. Er müsse das Training am Montag und Dienstag abwarten, aber es sei durchaus möglich, "dass ich einiges testen werde", sagte er.

Kurzfristige Entscheidung über Debüt

Löw kündigte Gespräche mit seinen Spielern an. Dann könne es durchaus sein, dass "der ein oder andere nur eine Halbzeit" spiele. So werde er auch erst kurzfristig entscheiden, ob der Hamburger Torwart Rene Adler nach zweijähriger DFB-Abstinenz sein Comeback feiert oder der Schalker Roman Neustädter zu seinem Debüt kommt.

Beide waren vor vier Wochen beim peinlichen 4:4 gegen Schweden, als die DFB-Auswahl leichtfertig einen 4:0-Vorsprung verspielt hatte, noch nicht dabei. Allzu lange will sich Löw aber mit dem wohl einmaligen "Erlebnis" von Berlin nicht mehr aufhalten.

"Pädagogisch wäre es ein falscher Ansatz, wenn man jetzt ein oder zwei Stunden über das Schweden-Spiel reden würde. Wir lassen sicher das ein oder andere in die Vorbereitung einfließen. Ich möchte aber nicht mehr zu lange zurückschauen", sagte der Bundestrainer, stellte aber klar, "dass die Aufarbeitung dieser 30 Minuten ein ständiger Prozess ist. Das wird uns auch im nächsten Jahr begleiten."

"Mit einer guten Leistung"

Vor allem wolle sich die DFB-Auswahl "mit einer guten Leistung von den Fans verabschieden", sagte Löw, und ergänzte: "Wir werden ein hochintensives Spiel abliefern. Spiele gegen die Niederlande sind immer etwas Besonderes, auch wenn es nur ein Freundschaftsspiel ist. Da geht es auch um viel Prestige."

Ein besonderes Erlebnis ist das Länderspiel für den 24 Jahre alten Neustädter, der nach seiner Nominierung "erst ein bisschen unter Schock stand, denn damit habe ich gar nicht gerechnet. Ich habe angefangen zu schwitzen und erst nach anderthalb oder zwei Stunden registriert, was passiert ist."

Adler (27) sprach vor seiner Rückkehr davon, dass er sich "fast wie im Märchen" fühlen würde.

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