SPORT1-Redakteur Martin Volkmar (l.) traf Robin Dutt in München zum Interview © getty

DFB-Sportdirektor Robin Dutt spricht im Interview über die großen Fußstapfen von Vorgänger Matthias Sammer und seine Philosophie.

Von Martin Volkmar

München - Rund sechs Wochen ist der neue DFB-Sportdirektor Robin Dutt im Amt.

Und die "Schnupperphase" ist spätestens mit den Länderspielen in der vergangenen und dieser Woche beendet.

Wobei der Ex-Bundesligacoach von Freiburg und Leverkusen vor allem bei den Junioren-Nationalteams vor Ort war, für die er verantwortlich ist.

Im Interview mit SPORT1 spricht Dutt über die großen Fußstapfen von Vorgänger Matthias Sammer, die angebliche Nähe zu Bundestrainer Joachim Löw, seine Philosophie und die moderne Definition eines Führungsspielers.

SPORT1: Bei Ihnen schwebt immer ein bisschen der Vorwurf im Raum, Sie seien von Joachim Löw bei Ihrer Installation zumindest geduldet worden. Wie gehen Sie damit um?

Robin Dutt: Ich habe in den vergangenen 18 Jahren viele Stationen durchlaufen und ich denke nicht, dass ich auf dem Weg zu meiner jetzigen Position als Sportdirektor auf die Duldung einzelner Personen angewiesen war. Ich glaube eher, dass auch die Teamfähigkeit und die Kompetenz bei der Entscheidung eine Rolle gespielt haben. Fakt ist, dass ich Joachim Löw vorher nicht besser kannte als die meisten anderen Kollegen.

SPORT1: Obwohl Sie beide im selben Stadtviertel von Freiburg gewohnt haben?

Dutt: Natürlich kennen wir uns, aber so wie ich Matthias Sammer oder viele andere Kollegen auch kenne. Nicht besser und nicht schlechter, abgesehen davon, dass wir zweimal zusammen in Freiburg Fußball gespielt haben.

SPORT1: Dennoch sind Sie in große Fußstapfen getreten, denn der zunächst vom DFB gesuchte "Sammer-Klon" wollen Sie sicher nicht sein.

Dutt: Wir beide werden an unserer inhaltlichen Arbeit gemessen. Matthias Sammer und ich sind im deutschen Fußball auf solch einer Position angekommen, weil wir unsere Qualitäten schon auf unsere jeweilige Art und Weise unter Beweis gestellt haben.

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SPORT1: Joachim Löw wurde nach der EM das Fehlen von Führungsspielern vorgeworfen, für die sich Matthias Sammer immer explizit eingesetzt hat. Sie sind eher ein Befürworter der flachen Hierarchien. Hat der Bundestrainer damit einen Widerpart weniger?

Dutt: "Flache Hierarchie" hat es in meiner Wortwahl nie gegeben. Wir haben momentan die Führungspersönlichkeiten auf dem Platz, die der heutigen Gesellschaft entsprechen.

SPORT1: Und zwar?

Dutt: Die Erziehung im Elternhaus ist eine andere als die vor 20 Jahren. Damals wurde häufig noch sehr autoritär, heute wird eher kooperativ erzogen. Dementsprechend verhält sich ein Führungsspieler heute auch anders als früher. Wir brauchen eine Hierarchie in den Teams, aber diese wird heutzutage anders definiert.

SPORT1: Würden Sie denn sagen, dass Sie hinsichtlich der Spielphilosophie der Nationalelf und auch der U-Mannschaften mit Joachim Löw weitgehend auf einer Wellenlänge sind?

Dutt: Bei den ersten Sitzungen haben wir sehr viele Parallelen festgestellt. Wir müssen aber auch differenzieren und eine U-16-Mannschaft beispielweise in ihrer Spielauffassung anders behandeln als die A-Nationalmannschaft. Ziel muss es sein, dass der U-16-Spieler zum A-Nationalspieler ausgebildet wird. Und da hilft es natürlich, dass wir eine einheitliche Auffassung haben, zum Beispiel dass wir lieber flach als hoch spielen oder unsere Teams der aktivere Part auf dem Spielfeld sein sollen.

SPORT1: Fühlen Sie sich denn schon angekommen in Ihrem Amt oder befinden Sie sich noch in der Eingewöhnungsphase?

Dutt: Spätestens jetzt mit den Länderspielen ist der Kabinengeruch ja wieder da (lacht). Ich war mit der U 17 im Trainingslager im Zillertal, bei der U 19 in Lübeck, bei der U 21 in Rostock, mit der U 21 in Sarajevo und mit der A-Nationalmannschaft in Wien.

SPORT1: Wie groß ist die Umstellung auf diesen doch neuen Job für Sie?

Dutt: Die eigentliche Umstellung ist, Bundesliga-Spiele jetzt von oben von der Tribüne aus zu verfolgen und nicht mehr von unten. Es ist schon eine Umstellung, sich da zu disziplinieren und bei den Spielen der U-Teams etwas zurückzuhalten, eher zu beobachten und nicht wie als Trainer gleich eine Sofortmaßnahme zu ergreifen. Daran muss man sich erst gewöhnen.

SPORT1: Wie gehen Sie mit der für Sie schwierigen Entscheidung gegen einen Job als Bundesliga-Trainer um? Der DFB will ja keinen Sportdirektor auf Abruf.

Dutt: In den Ämtern, die ich bislang bekleidet habe, war ich - mit Ausnahme von Leverkusen - immer sehr lange tätig. Ich war in den jeweiligen Vereinen immer vier, fünf Jahre und auch jetzt habe ich einen Vertrag bis 2016. Das ist die Zeit, mit der ich aktuell plane.

SPORT1: Macht Ihnen der Job Spaß?

Dutt: Klar, das ist doch überhaupt keine Frage. Jetzt, wo es für die Nationalmannschaften wieder losgeht, bin ich nahe an den Teams und ihrer Arbeit auf dem Platz dran. Das ist der Teil, der mir als Sportdirektor natürlich die meiste Freude macht. Je mehr ich mich in die Materie einarbeite, desto größer wird meine Vorfreude auf die Zukunft in diesem Amt.

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