Mesut Özil (M.) wechselte 2010 von Werder Bremen zu Real Madrid © getty

Die DFB-Elf erkämpft sich gegen den Nachbarn einen knappen Sieg - hat aber Glück. Arnautovic verpasst den späten Ausgleich.

Vom DFB-Team berichtet Thorsten Mesch

Wien - Mit viel Glück und einer dürftigen Leistung hat die deutsche Nationalmannschaft das Nachbarduell in Österreich gewonnen und den zweiten Sieg in der WM-Qualifikation gefeiert.

In Wien gewann das Team von Bundestrainer Joachim Löw 2:1 (1:0) durch Tore von Marco Reus (44.) und Mesut Özil (52.). Das Tor für die Gastgeber erzielte Zlatko Junuzovic (57.). (DATENCENTER: WM-Qualifikation)

Deutschland leistete sich viele Fehler in der Defensive und hatte offensiv nicht die gewohnte Durchschlagskraft. Österreich nutzte seine Chancen nicht und stand sich bisweilen selbst im Weg.

"Wir hatten die Voraussetzungen geschaffen, das Spiel in Ruhe zu beenden. Durch unsere Fehler haben wir uns selber in Bedrängnis gebracht", sagte Löw.

Löw stellt leicht um

Löw hatte seine Startelf gegenüber dem 3:0 gegen die Färöer wie erwartet leicht umformiert.

Für Per Mertesacker und Mario Götze rückten Marcel Schmelzer und Toni Kroos ins Team.

Holger Badstuber, in Hannover noch für Schmelzer Ersatz auf den linken Seite, spielte neben Mats Hummels in der Innenverteidigung.

Nur Legionäre beim Gastgeber

ÖFB-Teamchef Marcel Koller stellte elf Legionäre in die Startelf, darunter Kapitän Christian Fuchs von Schalke 04 und Bremens Marko Arnautovic ( 611023 DIASHOW: Die Bilder des Spiels ).

Die Stimmung im mit 47.000 Zuschauern ausverkauften Ernst-Happel-Stadion war prächtig, das Vorprogramm stimmungsvoll.

Viel Engagement von Beginn an

Auch auf dem Rasen ging es sofort in die Vollen. Die Gastgeber begannen mit großem Einsatz und viel Schwung und setzten das DFB-Team unter Druck.

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Die deutsche Defensive wirkte beeindruckt und machte Fehler.

Nach einem Fehlpass von Hummels startete Martin Harnik durch und lief allein auf Manuel Neuer zu. Badstuber lief hinterher und blockte den Stürmer des VfB Stuttgart in allerletzter Sekunde, der Ball flog über das Tor.

Österreich spielte stürmisch weiter, die DFB-Auswahl hielt zwar kämpferisch ordentlich dagegen, machte aber weiter Fehler und so kamen die Gastgeber zu weiteren Chancen.

Harnik verfehlt knapp - Löw tobt

Ein Direktschuss von Harnik flog knapp am linken Pfosten vorbei (12.), ein Weitschuss von Andreas Ivanschitz (15.) verfehlte ebenfalls nur knapp das deutsche Gehäuse.

Khedira verlor im Mittelfeld den Ball, forderte Foul, und die Österreicher schalteten blitzschnell um.

Zlatko Junuzovic zog von halbrechts ab, doch Neuer parierte den Schuss des Bremer Mittelfeldspielers.

Löw tobte vor seiner Bank.

Kaum Offensivaktionen

Die deutsche Defensive wackelte, die Offensive um Özil, Reus, Thomas Müller und Klose fand bis zur 20. Minute so gut wie nicht statt.

Nach einer Flanke kam Müller mit dem Kopf an den Ball, Torwart Robert Almer, bei Fortuna Düsseldorf nur Ersatz, konnte die Kugel nicht festhalten und lenkte sie ins Aus.

DFB-Team wird stärker

Deutschland fing sich nun etwas, doch Österreich blieb gefährlich.

Im Duell mit Badstuber ließ sich Harnik fallen und forderte einen Strafstoß, doch Schiedsrichter Björn Kuipers aus den Niederlanden, der viel laufen ließ, winkte ab.

Löws Elf wurde etwas stärker, erspielte sich aber keine Torchancen. Die Österreicher konnten ihr hohes Anfangstempo nicht mehr halten und waren vor dem Tor zu überhastet.

Reus eiskalt mit dem Tor

Deutschland hingegen zeigte sich eiskalt im Abschluss.

Nach einem scharfen Pass von Klose aus dem Mittelfeld startete Reus in der 44. Minute auf der linken Seite, schlug einen Haken in den Strafraum und schloss flach mit rechts ins linke Eck ab.

Die Führung, noch dazu zum viel zitierten psychologisch günstigen Zeitpunkt kurz vor der Pause, war aus deutscher Sicht schmeichelhaft.

Die Österreicher hatten sich allerdings selbst mit einer Unachtsamkeit um ihren Lohn gebracht.

Reus muss verletzt raus

Löw musste in der Pause reagieren, nachdem Reus in der Kabine über Schmerzen im Fuß klagte. Der BVB-Star hatte sich bei der Aktion zum 1:0 eine Prellung zugezogen, konnte nicht weitermachen.

Für den Dortmunder kam sein Vereinskollege Mario Götze.

Die Stimmung im Stadion zu Beginn der zweiten Halbzeit war angesichts der deutschen Führung gedämpfter als zu Beginn, und nur wenige Minuten nach dem Seitenwechsel wurde es ganz still.

Özil verwandelt Strafstoß

Kavlak rammte Müller an der Strafraumgrenze von hinten um, Kuipers zeigte sofort auf den Punkt.

Özil ließ sich die Chance nicht entgehen, der Madrilene schoss platziert unten rechts ein.

Koller brachte einen frischen Stürmer, Guido Burgstaller ersetzte Harnik.

Das Spiel schien entschieden zu sein, doch die DFB-Auswahl ließ die Österreicher mit desolatem Abwehrverhalten wieder herankommen.

Junuzovic verpasst den Anschlusstreffer

Schmelzer und Götze ließen Arnautovic von rechts flach in die Mitte passen, Hummels und Philipp Lahm kamen gegen Junuzovic zu spät und der Werder-Profi schoss aus vier Metern ein (57.).

Das Stadion bebte, die Österreicher witterten Morgenluft, die Deutschen bauten sie mit Fehlern weiter auf.

Böser Fehler von Lahm

Lahm leistete sich einen katastrophalen Rückpass auf Neuer, Burgstaller spritzte dazwischen und war allein vor Neuer, doch der Bayern-Keeper nahm dem Wiener den Ball vom Fuß.

Löw nahm Klose, der sich einige technische Fehler geleistet hatte und kaum zur Geltung gekommen war, aus dem Spiel und brachte Lukas Podolski als Ersatz im Angriffszentrum.

Das Spiel, trotz großen Kampfs fair geführt und mit nur drei Gelben Karten (Prödl, Fuchs und Lahm), verflachte etwas.

Österreich bäumte sich noch einmal auf, stemmte sich gegen die Niederlage und hatte in der 88. Minute nach einem Pass des eingewechselten Jakob Jantscher die Großchance zum Ausgleich durch Arnautovic, doch der Bremer verstolperte kläglich vor dem heraus eilenden Neuer.

Und so siegten am Ende wieder die Deutschen. Mit viel Dusel.

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