Samed Yesil (r.) feierte am 14. April 2012 gegen Hertha BSC sein Debüt im Profifußball © getty

U19-Nationalspieler Samed Yesil ist eines der größten deutschen Talente. Der Angreifer gerät immer mehr in den Fokus des DFB.

Kiel - Samed Yesil trifft und trifft und trifft. Und weil das so ist, dürfte es Rudi Völler am späten Montagabend vor dem Fernseher ein bisschen mulmig geworden sein.

Keine zwei Wochen ist es her, da hatte der Sportdirektor von Bayer Leverkusen den U19-Nationalspieler für vergleichsweise kleines Geld an den früheren englischen Rekordmeister FC Liverpool verkauft.

Setzt Mittelstürmer Yesil seinen beeindruckenden Lauf fort, könnte er irgendwann sogar für Bundestrainer Joachim Löw ein Thema sein.

Das Tor im letzten Härtetest vor der EM-Qualifikation gegen Wales am Montagabend war Yesils dritter Treffer in der U19-Nationalmannschaft binnen vier Tagen.

Zuvor hatte der 18-Jährige bereits beim 3:1 gegen England am vergangenen Donnerstag mit einem Doppelpack überzeugt.

Vergleiche mit Gerd Müller

Yesil, dessen herausragende Torquote ihm in Anlehnung an den DFB-Rekordschützen Gerd Müller bereits den Spitznamen "Gerd" eingebracht hat, zählt zu den größten Hoffnungsträgern im deutschen Fußball.

Als klassischer Mittelstürmer gehört er zu einer Spezies, nach der beim DFB zurzeit unter Hochdruck gefahndet wird - die Auswahl in der Angriffszentrale ist nicht gerade üppig.

[kaltura id="0_a0d3bt2y" class="full_size" title="U 19 dominiert Wales"]

Flick mangelt es an "Zentrumsstürmern"

"Schauen Sie sich in der Bundesliga um: An typischen Zentrumsstürmern mangelt es", sagte Löws Assistent Hansi Flick unlängst mit Blick auf eine der größten Baustellen in der A-Nationalmannschaft.

Der neue DFB-Sportdirektor Robin Dutt ist deswegen angehalten, verstärkt diese Art Spieler zu sichten und Stürmer-Typen zu fördern. Löw hofft "langfristig" auf Besserung. Kurzfristig, das belegt ein Blick auf die aktuellen Alternativen, ist kaum Unterstützung für Klose und Gomez in Sicht.

Torriecher zur Genüge bewiesen

In ein paar Jahren könnte Yesil diese Lücke schießen. Seinen Torriecher hat das Supertalent mit türkischen Wurzeln in den vergangenen Jahren zur Genüge bewiesen.

"Samed geht dahin, wo es wehtut. Er hält sich gerne zwischen den Innenverteidigern auf und schafft es, sich auch im engsten Raum zu lösen", hatte sein ehemaliger DFB-Trainer Steffen Freund einmal gesagt.

Bei der U17-Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr ballerte Yesil sein Team fast im Alleingang auf Platz drei. Mit sechs Treffern in sieben Partien wurde er als zweitbester Torschütze des Turniers mit dem Silbernen Schuh ausgezeichnet. Insgesamt gelangen dem Stürmer in 21 Partien für die U17-Nationalmannschaft stolze 19 Treffer.

Wechsel nach Liverpool

Seinen vorläufigen Karriere-Höhepunkt erlebte Yesil vor zwei Wochen, als er für eine Ablösesumme von etwas mehr als einer Million Euro nach Liverpool wechselte und sich mit dem Vierjahresvertrag an der Anfield Road einen Kindheitstraum erfüllte.

"Ich hoffe, dass ich in ein oder zwei Jahren in der ersten Mannschaft spielen kann. Es ist ein Traum, für Liverpool zu spielen", sagte Yesil.

Viele Bayer-Fans halten den Verkauf des Nachwuchsmannes für einen großen Fehler. Gut möglich, dass auch Rudi Völler das bald so sehen wird.

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