Rainer Adrion (r.) ist seit 2009 Trainer der deutschen U-21-Nationalmannschaft © getty

Nach dem Remis in Bosnien ist die U 21 mit Blick auf die EM 2013 gewarnt. Die Abwehr bereitet Trainer Rainer Adrion noch Sorgen.

München/Sarajevo - Wie wenig die deutsche U 21 bislang erreicht hat, bekam Trainer Rainer Adrion schon vor dem turbulenten 4:4 in Bosnien-Herzegowina (Spielbericht) vor Augen geführt.

"Coach: Adrian Rainer" stand auf der offiziellen Aufstellung, seine Spieler hießen wahlweise "Patrick Funn" statt Patrick Funk oder "Kevin Jolland" statt "Kevin Volland".

Neun Siege aus zehn Spielen - das reichte weder, um sich in Europa einen Namen zu machen, noch für die direkte Qualifikation zur EM 2013 in Israel.

Letzteres liegt allerdings nur an dem unglücklichen Modus. Denn Adrions Mannschaft hat sehr wohl viel geleistet: Als einziges Team holte Deutschland in der Gruppenphase 28 Punkte, schoss unerreichte 39 Tore und lieferte spektakuläre Spiele wie das 5:4 in Griechenland oder jetzt die Aufholjagd in Sarajevo ab - die Elf lag zur Halbzeit 1:3 zurück. Nun muss sie im Oktober dennoch in die Playoffs.

"Am Ende fällt die Bilanz positiv aus. Wir sind gut gerüstet", sagt Adrion.

Warnschuss für deutschen Nachwuchs

Ausgerechnet in der Generalprobe bekam der deutsche Nachwuchs allerdings einen Warnschuss vor den Bug gesetzt. Vier Gegentore, alle durch Kopfbälle, offenbarten gnadenlos die Schwächen der Hintermannschaft.

"Die erste Halbzeit war richtig schlecht. Wir haben keine Torgefahr ausgestrahlt, konnten kein hohes Tempo gehen, die Bosnier haben fast alle Zweikämpfe gewonnen", sagte Adrion.

Alleine der hoch aufgeschossene Milan Duric narrte die deutsche Abwehr nach Belieben und köpfte vor der Pause gleich dreimal problemlos ein.

[kaltura id="0_xtpxv5tl" class="full_size" title="U21: Spektakuläres 4:4 in Sarajewo"]

Blick in Richtung Playoffs

Dass der Blick in Richtung Playoffs am Ende doch positiv ausfiel, war einzig der zweiten Halbzeit zu verdanken.

"Ein Stück weit ging es ums Überleben. Das war ein guter Test für das, was in den Playoffs auf uns zukommt. Das haben wir gut geprobt und ganz ordentlich bestanden", sagte der Mainzer Jan Kirchhoff, der das zwischenzeitliche 1:1 erzielt hatte (21.).

Moral bewies das Team in der Tat, auch nach dem 1:3 und 3:4 kam die DFB-Elf durch Tore des eingewechselten Sebastian Polter (1. FC Nürnberg/58. und 87.) sowie Moritz Leitner (Borussia Dortmund/65.) immer wieder zurück.

Maximale Ausbeute wird verpasst

Nur noch Nebensache war es da, dass die angestrebte Maximal-Ausbeute von 30 Punkten doch noch verpasst wurde.

"Für die Playoffs nehmen wir mit, dass wir an uns glauben, auch wenn wir in Rückstand geraten. Das kann uns da auch passieren. Wir haben Charakter gezeigt, das ist positiv", sagte Angreifer Volland.

Kirchhoff, der in Sarajevo die Kapitänsbinde des pausierenden Lewis Holtby übernommen hatte, sprach gar von einem "Trieb, dass wir um jeden Preis gewinnen wollen."

Anderes Kaliber wartet

In den entscheidenden Spielen am 12. und 16. Oktober wird der Gegner allerdings ein anderes Kaliber haben. Es drohen Titelverteidiger Spanien, England oder die Niederlande, lösbar wären Teams wie Norwegen oder Serbien.

Der Schauplatz steht bereits fest, für das Heimspiel hat Leverkusen den Zuschlag erhalten. "Einen Wunschgegner habe ich nicht", sagt Adrion vor der Auslosung am Freitag in Nyon.

Der DFB-Coach weiß aber auch: Eine zweite EM in Folge ohne deutsche Teilnahme wäre eine herbe Enttäuschung. Daran würden auch die überragenden 28 Punkte und 39 Tore in der Qualifikation nichts ändern.

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