Mario Gomez (l.) erzielte in bislang 57 Länderspielen 25 Tore © getty

Der Ruf nach Spezialisten im Sturm wird lauter, doch woher nehmen? DFB-Sportdirektor Dutt ist gespannt auf einen Youngster.

Vom DFB-Team berichtet Thorsten Mesch

Wien - Vor dem zweiten WM-Qualifikationsspiel der deutschen Nationalmannschaft in Wien gegen Österreich (Di., ab 20 Uhr im LIVE-TICKER) ist das Gedränge um die Plätze in der Offensive wieder einmal groß.

Thomas Müller, Mesut Özil, Marco Reus, Lukas Podolski, Mario Götze, Andre Schürrle oder Julian Draxler - Joachim Löw kann aus dem Vollen schöpfen.

Doch auf einer Position hat der Bundestrainer so gut wie keine Auswahl: der des Mittelstürmers.

Miroslav Klose ist der einzige echte Stürmer in Löws aktuellem Kader. (DATENCENTER: WM-Qualifikation)

Zwar können Müller, Reus oder Podolski auch in der Spitze spielen, was Podolski zuletzt beim 3:0 gegen die Färöer in den letzten 15 Minuten auch tat, doch ein klassischer Neuner ist nicht dabei.

Löw sieht Verbesserungspotenzial

"Wir haben das Pech gehabt, dass Mario Gomez sich verletzt hat und kurze Zeit später auch Patrick Helmes", erklärte Löws Assistenztrainer Hansi Flick am Sonntag auf SPORT1-Nachfrage die Mangel-Situation im Sturm.

Hatten Franz Beckenbauer und Berti Vogts in den 80er- und 90er-Jahren noch mehrere Stürmer internationaler Klasse wie Rudi Völler, Jürgen Klinsmann, Karlheinz Riedle, Thomas Doll oder Oliver Bierhoff zur Verfügung, können momentan nur Klose und Gomez dieses Prädikat tragen.

Während im Mittelfeld und in den meisten Teilen der Abwehr sämtliche Positionen doppelt oder gar dreifach besetzt sind, "gibt es auch einige Positionen, auf denen wir noch nicht Weltklasse sind", gab Löw in der "Bild am Sonntag" zu.

"Das sind Positionen, auf denen wir noch sehr viel machen müssen bis zur Weltmeisterschaft. Daran müssen wir arbeiten", betonte der Bundestrainer.

Netzer plädiert für den Stürmer als Spezialisten

"Die jetzige Fußball-Generation ist eher durchschnittlich besetzt, was die Qualität an echten Stürmern betrifft", sagt Ex-Nationalspieler Günter Netzer.

Der Weltmeister von 1974 glaubt nicht, "dass ein System auf Dauer erfolgreich ist, in dem man gänzlich auf den Stürmer als Spezialisten verzichtet."

Der Nachschub an solchen nimmt aber ab, da auch im Jugendbereich häufig schon im derzeit verbreiteten 4-2-3-1 gespielt wird, in dem nur eine echte Spitze benötigt wird.

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Spanien mit "falscher Neun" erfolgreich

Zudem bewies Spaniens Trainer Vicente del Bosque bei der EM, dass man sogar ohne echten Angreifer Titel gewinnen kann.

Del Bosque ersetzte den klassischen Mittelstürmer Fernando Torres in einigen Partien durch eine "falsche Neun" in Person von Mittelfeldspieler Cesc Fabregas und ließ auch den Stoßstürmer Fernando Llorente auf der Bank sitzen.

Die Frage ist: Wer könnte der deutschen Mannschaft auf allerhöchstem Niveau weiterhelfen?

Kießling, Cacau und Kuranyi chancenlos

Helmes stand 2008 im vorläufigen EM-Kader und zeigte in der vergangenen Bundesliga-Rückrunde ansteigende Form, doch der Wolfsburger fällt mit seinem Kreuzbandriss noch lange aus.

Stefan Kießling war bei der WM 2010 noch dabei, wurde danach aber von Löw nicht mehr berücksichtigt und hat momentan das Thema Nationalmannschaft für sich abgehakt, auch wenn Flick in der "Frankfurter Rundschau" sagt, Kießling stünde "weiterhin unter Beobachtung".

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Auch für Cacau, der in Südafrika als Joker überzeugte, dürfte der Traum von der WM in seinem Geburtsland Brasilien ausgeträumt sein. Der 31-Jährige gehört in Stuttgart nicht zur Anfangsformation. Kevin Kuranyi ist längst kein Thema mehr.

Junge Spieler im Blickfeld

Bremens Nils Petersen (23) fehlt noch die Erfahrung, Mike Hanke kämpft nach seiner starken letzten Saison in Mönchengladbach um einen Stammplatz.

Und auch Nachwuchsleute wie Hankes lange verletzter Vereinskollege Peniel Mlapa, Dortmunds Julian Schieber, Hoffenheims Kevin Volland oder der Nürnberger Sebastian Polter müssen sich in ihren Vereinen erst durchsetzen.

Die Spieler aus der U-21-Nationalmannschaft stehen aber im Blickfeld.

"Wir sind in engem Kontakt mit Rainer Adrion und beobachten, wie sich die jungen Spieler wie Polter oder Beister (Hamburgs Maximilian Beister, Anm. d. R.) entwickeln, die wir sehr genau beobachten", erklärte Flick.

Dutt ist gespannt auf Yesil

Kießlings ehemaliger Vereinskollege Samed Yesil, der kürzlich zum FC Liverpool wechselte könnte ein Mann für die Zukunft sein.

Sein ehemaliger Vereinstrainer Robin Dutt, seit kurzem DFB-Sportdirektor, traut dem 19-Jährigen zumindest viel zu und macht sich keine Sorgen um die Zukunft im Sturm.

"Es sind schon hochtalentierte Spieler dabei. Wir haben zum Beispiel einen Samed Yesil in der U 19, auf dessen Entwicklung in den nächsten Jahren ich sehr gespannt bin", sagte Dutt im Volkswagen Doppelpass auf SPORT1.

"Auch ein Mario Gomez war in der U 17 damals noch nicht ganz so präsent wie später, als er den Durchbruch bei den Profis des VfB Stuttgart schaffte", erklärte Dutt.

Klose sieht keine Probleme im Sturm

Doch Gomez, der in Wien vor einem Jahr in der EM-Qualifikation beide Tore zum 2:1-Sieg erzielte, ist noch verletzt.

Bleibt nur Klose als echter Angreifer. Gegen die Färöer versiebte der 34-Jährige mehrere gute Chancen, und weil auch seine Mitspieler viel verballerten, wurde der Ruf nach einem "Knipser" wieder lauter.

"Ganz entspannt", sieht Klose die Situation im Sturm. "Vor ein paar Jahren hatten wir keine klassische Nummer zehn, heute haben wir einen Überfluss und ich gehe davon aus, dass es bei den Stürmern genauso ist."

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