SPORT1-Reporter Reinhard Franke (r.) traf Rainhard Fendrich in München zum Interview © getty

Österreichs Liedermacher Rainhard Fendrich spricht bei SPORT1 über die DFB-Elf, Philipp Lahm und kritisiert den Bundestrainer.

Von Reinhard Franke

München - Mit dem Song "Es lebe der Sport" gelang Rainhard Fendrich 1983 ein Gassenhauer, den heute noch Jung und Alt mitträllert.

Der österreichische Liedermacher, Moderator und Schauspieler zählt heute zu den erfolgreichsten Vertretern des Austropop.

Vor dem WM-Qualifikationsspiel Österreich gegen Deutschland am Dienstag (ab 20 Uhr imLIVE-TICKER) outet sich der 57-jährige Wiener bei SPORT1 als Fan der deutschen Nationalmannschaft, schwärmt von Kapitän Philipp Lahm, Marco Reus und Mario Götze - und übt Kritik an Bundestrainer Joachim Löw. (DATENCENTER: WM-Qualifikation)

SPORT1: Herr Fendrich, wie wichtig war "Es lebe der Sport" für Sie?

Rainhard Fendrich: Sehr wichtig und ich singe den Song immer noch sehr gerne, wenn die Message auch nicht mehr so rüber kommt. Ich freue mich immer Lieder zu singen, die zu Volksliedern für die Fans geworden sind.

SPORT1: Die Bühnen-Show ist sowohl mental als auch physisch ein harter Job. Wie sportlich sind Sie denn?

Fendrich: Ich muss als Sänger vor allem mental fit sein. Ich will Sport machen, der mir Lust bereitet. Ich brauche zwar die Endorphin-Ausschüttung, aber keine Qualen. Ich halte nichts von stundenlangem Fitnesstraining, um Fett abzubauen. Ich trinke wenig Alkohol und ich ernähre mich auch ganz gesund. Ich bin ein leidenschaftlicher Ski-Fahrer und das schon seit meiner frühesten Jugend. Ich bin aber der reine Vergnügungs-Skifahrer.

SPORT1: Und Fußball?

Fendrich: Ich war nie ein Fußball-Fan, aber seit ich auf der Hochzeit vom Philipp Lahm gespielt habe, bin ich ein absoluter Bayern-Fan. Die werden dieses Jahr wieder Titel holen. Lahm hört in der Kabine immer "Herz wia a Bergwerk" (Fendrich-Hit, Anm. d. Red.) und fragte mich damals, ob ich bei ihm spielen will. Natürlich sagte ich zu.

SPORT1: Wie sehen Sie Lahm als Kapitän der DFB-Elf?

Fendrich: Lahm ist ein sehr bescheidener Mann, bei dem man sich kaum vorstellen kann, dass der sich so durchsetzen kann auf dem Platz. Ich halte diesen kleinen zierlichen Kerl nicht nur für den besten Passgeber, sondern für einen der besten Fußballer der Welt. (BERICHT: In Bestbesetzung einen Zahn zulegen)

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SPORT1: Das "Wunder von Cordoba" ist in Österreich immer noch ein Thema. In der Bundesliga spielen inzwischen mit Martin Harnik, David Alaba, Martin Stranzl und Christian Fuchs eine Reihe sehr guter Fußballer. Warum kriegt es die österreichische Nationalmannschaft nicht hin?

Fendrich: Cordoba ist absurd gewesen, weil es da um nichts mehr ging. Es ist lächerlich, dass man das als Kult hervor hebt und den Hans Krankl da so feiert. Ich weiß nicht, woran es uns im Fußball fehlt. Vielleicht muss man die kasernieren. Vielleicht sollten manche Spieler mehr trainieren, als beim Friseur zu sitzen oder nur Porsche zu fahren. Irgendwas machen die Österreicher falsch. Wir waren nie eine Fußball-Nation und werden auch nie eine werden.

SPORT1: Welche Erwartungen haben Sie an das Spiel am Dienstag?

Fendrich: Das Spiel wird ein Gemetzel. Die Österreicher reißen auch da nichts gegen die Deutschen. Deutschland hat die besseren Fußballer, die besseren Trainer, aber wir haben die besseren Skifahrer.

SPORT1: Wie sehen Sie die deutsche Elf? Seit 1996 wurde kein Titel mehr gewonnen. Jetzt wird wieder ein neuer Anlauf gestartet mit Blickrichtung WM 2014.

Fendrich: Bei der EM sind sie gescheitert, weil es ein krasser Fehler vom Herrn Löw war die Mannschaft gegen Italien so wild zu wechseln. Und das hat meiner Meinung nach mit Überheblichkeit zu tun. Immer dieses "Wir-sind-so-gut"-Gerede. Eine Band muss auch eingespielt sein.

SPORT1: Was werfen Sie Löw konkret vor? Zuletzt gab es erste Kritik an seiner Person.

Fendrich: Er ist ein bisschen zu überheblich geworden, indem er denkt, dass er mit seinen Schachfiguren das und das machen kann. Ich finde es richtig, dass er bleibt. Er sollte nur bescheidenere Interviews und Pressekonferenzen geben.

SPORT1: Wie meinen Sie das?

Fendrich: Löw sollte mal sagen "es war nicht gut, was ich gemacht habe". Zuletzt hat er ganz vorsichtig Fehler eingestanden, aber die Monate zuvor war von Einsicht wenig zu sehen. Er wird oft als der Heilsbringer des deutschen Fußballs gefeiert, aber das ist er nicht. Er hat noch keinen Titel für Deutschland geholt.

SPORT1: Harte Kritik am Bundestrainer.

Fendrich: Er sagt immer "wir sind so weit gekommen", aber im Fußball zählen Finalsiege und Titel. Der Löw sollte sein Ego ein bisschen reduzieren. Nicht immer sagen "ich bin der Größte", sondern auch etwas eingestehen. Er hat bei der EM den entscheidenden Fehler gemacht. Er hätte das Ganze gewinnen können, es ging nur um Nuancen. Deutschland wäre ein würdiger Finalist gewesen.

SPORT1: Ist das Team auch ein Topfavorit für den Titel 2014?

Fendrich: Wenn der Löw das Richtige macht, dann klappt das. Ich bin ein richtiger Nationalmannschafts-Fan. Es ist die jüngste Mannschaft seit langem. Ich finde die Spieler sympathisch und finde es toll, wie sie miteinander umgehen. Der Marco Reus und der Mario Götze sind prima Jungs. Auch wie sie in der Presse sprechen. Bei uns kriegt kein Spieler einen geraden Satz zustande. Die Deutschen haben die beste Mannschaft der Welt, man weiß es nur noch nicht.

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