Philipp Lahm (l.) gab 2004 sein Debüt in der Nationalmannschaft © getty

Die DFB-Auswahl will den nächsten Schritt zur WM machen. Löw warnt vor dem Gegner. Dutt lobt bei SPORT1 die Mannschaft.

Vom DFB-Team berichtet Thorsten Mesch

Barsinghausen - Das 3:0 zum Auftakt der WM-Qualifikation gegen die Färöer in Hannover ist abgehakt.

Der Blick geht nach vorn, respektive nach Süden.

In Österreich will die deutsche Nationalmannschaft am Dienstag (ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER) den nächsten Sieg einfahren und ihre Tabellenführung in der Gruppe C ausbauen (DATENCENTER: WM-Qualifikation).

"Klar ist, dass wir ganz vorne bleiben wollen und da zählen nur drei Punkte", meinte Kapitän Philipp Lahm.

Das Spiel im Ernst-Happel-Stadion wird jedoch alles andere als ein Selbstläufer.

"Die Österreicher sind im Moment so stark wie seit Jahren nicht mehr", warnte Bundestrainer Joachim Löw, "sie wittern ihre Chance auf die WM 2014 und sind hochmotiviert."

Klose: Mit angezogener Handbremse

Im Gegensatz zum Team der Färöer werden die Österreicher vor heimischem Publikum Löws Mannschaft alles abverlangen.

Beim 3:0 am Dienstag, als die DFB-Auswahl reihenweise gute Torchancen ausließ, habe etwas die Konzentration gefehlt, die Mannschaft habe quasi mit angezogener Handbremse gespielt, gab Miroslav Klose zu.

"Da ist ein Schalter im Kopf, der ist dann nur sehr schwer einzudrücken", gestand der Stürmer, der selbst mehrere gute Torgelegenheiten nicht genutzt hatte.

Flick: "Einen Zahn zulegen"

"In Österreich müssen wir konsequenter und konzentrierter zu Werke gehen. Wir müssen einen Zahn zulegen", forderte Löws Assistent Hansi Flick und stellte die Qualitäten des Gegners heraus:

"Mit Marcel Koller haben sie einen Trainer, der Linie reingebracht hat, und mit Martin Harnik und Marko Arnautovic zwei Spieler mit herausragender Qualität", sagte Flick.

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Es ist anzunehmen, dass Löw dem Rechnung tragen und eine andere Taktik als gegen die Färöer wählen wird.

Nach dem 4-1-4-1 wird er höchstwahrscheinlich zum gewohnten 4-2-3-1 zurückkehren.

Mehr Räume für Klose?

"Wir werden das System spielen, weil wir den zweiten Sechser als defensiven Sechser brauchen", sagte Klose, der sich als zentraler Stürmer von einer Umstellung mehr Räume erhofft.

Leidtragender wäre wohl Mario Götze, der gegen die Färöer zu den Besten gehörte und das 1:0 erzielte.

Favoriten auf den Platz im zentralen Mittelfeld neben Sami Khedira sind Toni Kroos und Lars Bender.

Kroos wieder fit

Kroos hat seine Beckenprellung auskuriert und absolvierte am Samstag und Sonntag jeweils das volle Trainingsprogramm mit der Mannschaft (BERICHT: In Bestbesetzung einen Zahn zulegen).

"Toni ist eher ein Spieler, der seine Qualitäten eher in der Offensive hat. Er gewinnt aber auch sehr viele Bälle", erklärte Flick.

Bender habe "einen deutlichen Schritt nach vorne gemacht. Er ist in der Defensive überall einsetzbar und bringt der Mannschaft große Stabilität."

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Schmelzer oder Badstuber?

Wer in Wien linker Außenverteidiger spielen wird, ist ebenfalls noch nicht klar.

Marcel Schmelzer, der gegen die Färöer wegen einer Fußprellung passen musste, stieg am Sonntag wieder ins Mannschaftstraining ein.

Sollte der Dortmunder sich für Dienstag fit melden, wird Löw ihn einsetzen. Wenn nicht, wird Holger Badstuber wieder links aushelfen und Per Mertesacker erneut in der Mitte verteidigen.

"Wenn Schmelzer weiter ausfällt, werde ich mit Sicherheit mit dieser Besetzung auch in Wien spielen", kündigte der Bundestrainer an.

Schmelzer hofft auf seinen Einsatz in Wien, wo er schon im vergangenen Jahr beim 2:1 über 90 Minuten spielte.

Löw: Nicht überall Weltklasse

Wer auch spielen wird, Löw sieht auf der linken Abwehrseite in jedem Fall noch Verbesserungsbedarf.

"Wir haben einige sehr gute Spieler. Aber es gibt auch einige Positionen, auf denen wir noch nicht Weltklasse sind. Das ist Fakt", sagte Löw der "Bild am Sonntag".

Das sei daran zu erkennen, dass "gegen die Färöer beispielsweise mit Holger Badstuber ein Innenverteidiger als linker Verteidiger gespielt hat".

Auch der Sturm, wo er mit Klose nur einen Angreifer nominiert habe, sei "eine der Positionen, auf denen wir noch sehr viel machen müssen bis zur Weltmeisterschaft. Daran müssen wir arbeiten".

Reus greift nach Startelf-Platz

Marco Reus kann im Mittelfeld und im Angriff eingesetzt werden. Der Dortmunder weiß um seine Qualität und meldete nun vorsichtig seinen Anspruch auf einen Platz in der Startelf an.

"Ich habe bei der EM gezeigt, dass ich in der Lage bin, in der ersten Elf zu spielen. Ich habe mich in den Fokus gespielt", sagte Reus der "BamS": "Es zählt nur die Leistung, und ich bin jetzt in einem Alter und in einer Situation, in der ich klar sage: Ich möchte spielen."

Dutt: Entwicklung in rasendem Tempo

Für DFB-Sportdirektor Robin Dutt hätte vor allem die Generation um Lahm und Bastian Schweinsteiger "langsam einen Titel verdient. Sie hat eine Entwicklung gemacht in einem rasenden Tempo", meinte Dutt im Volkswagen-Doppelpass auf SPORT1.

Spanien sei in der Entwicklung jedoch "noch eine Stufe weiter. Jetzt ist es die große Kunst, auch diese letzte Schwelle zu schaffen", erklärte der ehemalige Bundesligatrainer.

So sieht es auch Löw, der aber vor einer zu großen Erwartungshaltung warnt.

"Wir dürfen nicht den Anspruch haben, dass außer dem Titel nichts zählt. 2014 gibt es mit Brasilien, Argentinien, dem Jahrhundert-Team aus Spanien und anderen europäischen Nationen extrem viele Mannschaften, die Weltmeister werden wollen", meinte der Bundestrainer.

"Natürlich haben wir den Anspruch, uns so auf das Turnier vorzubereiten, dass wir gewinnen können. Aber wir dürfen auch nicht vergessen, dass wir eine junge Mannschaft haben, die noch nicht ihren Zenit erreicht hat. Wir haben in Deutschland noch einiges zu tun."

In Österreich können Löw und seine Mannschaft den nächsten Schritt machen.

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