Thomas Strunz sieht zu viel Harmonie in der DFB-Elf und zu wenig Eigenverantwortung bei den Spielern. Ihm fehlen Reibungspunkte.

Hallo Fußball-Freunde,

das Spiel gegen die Färöer war weder erhellend noch aufschlussreich.

Es war wie ein Freundschaftsspiel oder ein Trainingsspiel - obwohl die Jungs bei Letzterem noch mehr gefordert wären. Insgesamt kann aus von diesem Spiel keine Erkenntnisse ableiten.

Gegen Österreich wird es nicht so im Spaziergang gehen. Sie haben eine bessere Mannschaft als früher. Marcel Koller hat dem Team ein gewisses Wir-Gefühl zurückgegeben.

Um das Wir-Gefühl bei unserer Truppe steht es auch bestens, im Gegenteil:

Mir ist die Mannschaft zu harmonisch, um auch mal an Grenzen kommen zu können. Aus meiner Sicht ist zu viel Harmonie nicht leistungsfördernd. Doch das ist ein wesentlicher Charakterzug in unserem Kader.

Mir fehlen diese Reibungspunkte untereinander, dass auch mal unschöne Dinge gesagt werden. Und gerade bei großen Turnieren muss es Reizthemen geben

Dort geht es nicht darum, spektakulären Fußball zu spielen. Das hat Spanien bei der EM wieder gezeigt. Die Leistung war nicht durch Glanz geprägt, sondern durch Effektivität und einen unglaublichen Erfolgshunger.

Bei uns hingegen gehen die Köpfe bei Rückschlägen zu schnell nach unten. Nach einem Gegentor war die Mannschaft in den großen Spielen der letzten Jahre nicht in der Lage, zurückzukommen.

Das ist für mich schon ein Hinweis, dass sich die Spieler nicht trauen, die Verantwortung zu übernehmen. Es fehlt offenbar der Antrieb, selbst etwas zu ändern und den Mitspielern ein Signal zu geben.

Da erwarte ich künftig von der Mannschaft mehr Mut zum Risiko.

Bis demnächst,

Euer Thomas Strunz

Ex-Nationalspieler Thomas Strunz wechselt sich in dieser Saison als Experte im Volkswagen Doppelpass und bei der sonntäglichen SPORT1-Kolumne mit Thomas Helmer und Mario Basler ab.

Zum Forum - hier mitdiskutieren! Zurück zur Startseite

Weiterlesen