Marcel Koller war von 2005 bis 2009 Trainer beim VfL Bochum © imago

Unter Marcel Koller ist Österreich so gut wie lange nicht. Gegen die DFB-Elf erlebt der Schweizer den ersten Härtetest.

Wien - Ausgerechnet ein Schweizer sollte es machen. Als Marcel Koller vor gut einem Jahr im beschaulichen Oberwart berufen wurde, den am Boden liegenden österreichischen Fußball zu retten, schüttelten fast alle in der Alpenrepublik skeptisch den Kopf.

Immerhin, es war kein Deutscher, der die Schmach der verpassten EM-Qualifikation tilgen sollte - trotzdem war der in Zürich geborene Koller alles andere als ein Wunschkandidat.

"Es hat Stimmen gegeben, die gemeint haben, ein österreichischer Nationaltrainer müsste ein Österreicher sein", sagte der ehemalige Teamchef Josef Hickersberger der "Rheinischen Post".

Eben diese Stimmen sind, vor allem im Boulevard Österreichs, nach nur fünf Testspielen verstummt.

"Im Grunde genommen ist jeder Fan zufrieden, weil die Mannschaft mit Koller sehr gute Resultate erzielt hat und eine Aufwärtsentwicklung zu erkennen ist", sagte Hickersberger.

Adrenalin statt Schlafstörungen

Koller hat die "Nati" umgekrempelt, "die Zügel angezogen", wie der "Kurier" erkannt hat.

Das erste Pflichtspiel am Dienstag in der WM-Qualifikation gegen Deutschland (ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER) ist die Reifeprüfung des ehemaligen Bundesliga-Trainers vom 1. FC Köln und dem VfL Bochum.

"Mir ist klar, dass so eine Partie von den Medien aufgebauscht wird", sagte Koller im Interview mit der Tageszeitung "Österreich": "Ich lasse mich davon aber nicht beeinflussen. Ich habe keine Schlafstörungen, und nervös bin ich auch nicht. Nur voll mit Adrenalin."

Typischer Schweizer

Die ruhige, akribische Art des 51-Jährigen bedient das Klischee des Schweizers in Österreich mitunter am besten. (DATENCENTER: WM-Qualifikation)

Den Medien gefällt es, wenn Koller im Trainingsanzug mal selbst das Tor verrückt oder auf Pressekonferenzen überschwänglichen Lobpreisungen ruhig entgegentritt: "Wir nehmen das auf und mit, aber wir wissen, was wir auf dem Platz zu tun haben."

Krankl glaubt an Sieg

Nicht wenige rund um das Ernst-Happel-Stadion sprechen vor dem Spiel gegen den Lieblingsnachbarn von einem Duell auf Augenhöhe.

[kaltura id="0_1ftmpte3" class="full_size" title="Die Reaktionen zum F r er Spiel"]

"Wir sind auf einem hervorragenden Weg. Unsere Elf wirkt kompakt. Das Selbstvertrauen stimmt auch", sagte Kollers Vorgänger Dietmar Constantini.

Hans Krankl, die Legende, der "Held von Cordoba", geht noch weiter: "Wir dürfen uns nicht kleiner machen, als wir sind. Wenn wir einen perfekten Tag erwischen, ist ein Sieg möglich."

Bundestrainer Joachim Löw lobte, die Österreicher seien "im Moment so stark wie seit Jahren nicht mehr". (AKTUELL: DFB-Team will Zahn zulegen)

Neun Bundesliga-Spieler im Kader

Koller, der kurz nach seiner Berufung nach Wien gezogen ist, will davon nicht viel wissen. "Meine Strategie verrate ich nicht. Aber ich bin kein Trainer, der jemanden an die Kette nimmt", sagte er.

Neun Bundesliga-Akteure berief Koller in sein 23-köpfiges Aufgebot, seinen ehemaligen Bochumer Weggefährten Christian Fuchs (Schalke 04) machte er zum Kapitän.

Selbst Sorgenkind Marko Arnautovic (Werder Bremen) wirkt unter Koller deutlich ruhiger.

Aufmüpfigen Scharner rausgeworfen

Zudem hatte Koller den ersten Härtetest vor dem Härtetest mit Bravour bestanden.

Den Eklat um den Neuzugang des Hamburger SV, Paul Scharner, löste Koller unaufgeregt und schmiss den Verteidiger, der vor dem Testspiel gegen die Türkei (2:0) eigenmächtig aus dem Teamhotel abgereist war, für immer aus der Nationalmannschaft.

Verband und Medien stellten sich auf Kollers Seite. Wie schon vor gut einem Jahr in Oberwart.

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