Marco Reus (r.) absolvierte sein erstes Länderspiele im Oktober 2011 in der Türkei © getty

Joachim Löw setzt gegen die Färöer auf mehr Kreativität. Viele Chancen springen heraus, das deutsche Team ist aber zu fahrlässig.

Vom DFB-Team berichtet Thorsten Mesch

Hannover - Joachim Löw nahm es mit einem Lächeln.

"Ich weiß, dass es gleichzeitig der höchste Sieg in der Geschichte gegen die Färöer ist", sagte der Bundestrainer nach dem 3:0 (1:0) gegen die Mannschaft von den Schafsinseln. (BERICHT: Jubiläumssieg für DFB-Team)

Es war der 500. Sieg in der Geschichte der Nationalmannschaft und, was wichtiger war, ein erfolgreicher Start in die Qualifikation für die WM 2014 in Brasilien. (DATENCENTER: WM-Qualifikation)

Vor zehn Jahren hatte die DFB-Auswahl, damals noch unter Teamchef Rudi Völler, in der EM-Quali 2:1 und 2:0 gegen die Färinger gewonnen, von daher war die Sache mit dem Rekordsieg nicht nur ein Gag, sondern ein unumstößlicher Fakt.

Löw bemängelt Ausbeute

Doch nicht wegzudiskutieren war am Freitagabend in Hannover, dass der Sieg deutlich höher hätte ausfallen müssen.

"Es ist unser Problem, dass wir derzeit viele Chancen auslassen", stellte Löw fest und ergänzte: "Nicht nur in diesem Spiel haben wir zu viele Möglichkeiten benötigt, um Tore zu erzielen."

Nach dem Halbfinal-Aus bei der EM gegen Italien war die mangelhafte Chancenverwertung vom Bundestrainer neben dem so genannten Spiel gegen den Ball als verbesserungswürdig erkannt worden.

Fahrlässige Chancenverwertung

Letzteres ließ sich gegen die Färöer nur schwer üben, dafür waren die Gäste zu harmlos und einfach zu selten am Ball.

Doch der fahrlässige Umgang mit besten Einschussmöglichkeiten trieb nicht nur Löw, sondern viele der etwas mehr als 32.000 Zuschauer im Stadion an den Rand der Verzweiflung.

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"Die Färöer standen mit Mann und Maus hinten drin, das macht es einem schwer", erklärte Marco Reus, "aber wir hätten natürlich höher gewinnen müssen, weil wir sechs, sieben hochkarätige Chancen hatten."

"Kleinigkeiten haben gefehlt"

Reus selbst hatte in der 8. Minute die erste vergeben, es folgten Sami Khedira, Mats Hummels, Miroslav Klose und Thomas Müller.

"Wir haben, wie schon in den vergangenen Spielen, einige Torchancen ausgelassen", sagte der Münchner. "Wichtig war, dass wir uns keine Blöße geben. Mit dem 3:0 können wir gut leben", versicherte der WM-Torschützenkönig von 2010.

"Es waren heute wieder einmal die Kleinigkeiten, die gefehlt haben, um noch mehr Tore zu erzielen", erklärte Löw.

[kaltura id="0_1ftmpte3" class="full_size" title="Die Reaktionen zum Spiel"]

"Zur Halbzeit hätte es 4:0 stehen können", merkte Philipp Lahm treffend an: "Insgesamt haben wir ordentlich gespielt."

Systemumstellung belebt Offensivspiel

Das traf allerdings weniger auf ihn selbst zu, sondern vielmehr für die Mittelfeldspieler. Lahm leistete sich einige Fehler und kassierte für ein Foul eine für ihn seltene Gelbe Karte.

Löw hatte neben Khedira keinen zweiten defensiv orientierten Mittelfeldspieler, sondern den offensiv ausgerichteten Mario Götze aufgeboten.

In einem 4-1-4-1-System spielten Müller, Reus, Mesut Özil und Götze viele Chancen heraus, Götze sorgte schließlich mit einem platzierten Flachschuss nach schönem Dribbling in der 28. Minute für die 1:0-Pausenführung.

"Es war sehr schwer für uns, da durchzukommen, sagte der Dortmunder das Gedränge am gegnerischen Strafraum und analysierte:

"In der einen oder anderen Situation hätten wir konsequenter sein müssen. Das einzige, was wir uns vorwerfen können ist, dass wir unsere Chancen nicht hundertprozentig genutzt haben."

"Färöer nicht der richtige Maßstab"

Das änderte sich nach dem Seitenwechsel, als Müller für Özil auflegte und der Spielmacher volley verwandelte (54.). In der 71. Minute stellte der Star von Real Madrid nach Vorarbeit von Reus den Endstand her.

"Mit dem Ergebnis können wir zufrieden sein", sagte Özil: "Wir haben alles gegeben und den ersten Schritt gemacht."

Am Dienstag soll in Wien der zweite folgen. Gegen Österreich wird sich die DFB-Auswahl allerdings in der Chancenverwertung steigern müssen, das ist allen bewusst.

"Es war okay heute, aber die Färöer waren nicht der richtige Maßstab", meinte Reus. "Am Dienstag treffen wir auf einen besseren Gegner. Wir wissen, dass wir viel arbeiten müssen. Bis Brasilien ist es noch ein Stück."

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