Unumschränkte deutsche Nummer eins: Manuel Neuer vom FC Bayern © getty

Bei SPORT1 spricht Manuel Neuer über das Spiel gegen die Färöer, Enttäuschungen der Vorsaison - und Kloses angestrebte Bestmarke.

Von Thorsten Meschund Mathias Frohnapfel

Barsinghausen - Viel ist nicht los im Fuchsbachtal in Barsinghausen. In der niedersächsischen Provinz sagen sich Fuchs und Hase gute Nacht.

Ein Weinfest oder Segwayfahren entlang des Deister-Kohle-Pfades sollen für Abwechslung sorgen.

Doch für derartige Freizeitunternehmungen haben die Spieler der deutschen Nationalmannschaft keine Zeit.

Sie bereiten sich vor auf den Start der WM-Qualifikation gegen das Team der Färöer-Inseln in Hannover (ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER) und die Partie in Wien gegen Österreich am Dienstag.

Neuer: "Wir müssen hellwach sein!"

Neben der Tür zum "Fuchsbau", in dem Manuel Neuer zum Interview bittet, steht "Bierschwemme", doch zum Feiern gibt es noch keinen Grund. (DATENCENTER: WM-Qualifikation)

Ein Sieg gegen die Färöer ist Pflicht, doch Neuer warnt: "Gegen Italien haben die Färinger auch zwei Riesenchancen gehabt, wir müssen hellwach sein!"

Im SPORT1-Interview spricht der Nationalkeeper Neuer über den Auftakt der WM-Quali, die Enttäuschungen der vergangenen Saison und erklärt, was besser werden muss.

SPORT1: Herr Neuer, mit dem FC Bayern sind Sie mit zwei deutlichen Siegen in die Saison gestartet. Können Sie den Schwung mit zur Nationalmannschaft nehmen?

Manuel Neuer: Versuchen kann man das. Aber bei der Nationalmannschaft gibt es ja nicht nur Bayern-Spieler. Insgesamt ist es natürlich positiv, wenn die Spieler mit Selbstvertrauen und einem guten Gefühlt zum Team stoßen. Wer gut drauf ist, kann der Mannschaft auch helfen.

[image id="78383d20-63f1-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

SPORT1: Wie haben Sie die abgelaufene Saison mit dem FC Bayern und mit der Nationalmannschaft verarbeitet?

Neuer: Wir hatten in der vergangenen Saison nicht den Erfolg, den wir uns gewünscht haben. Das ist bitter und war eine herbe Enttäuschung. Ich habe im Urlaub oft dran denken müssen, was wir hätten besser machen müssen, woran es lag und habe das für mich verarbeitet. Aus Niederlagen kann man die größte Motivation ziehen, um erfolgreich Fußball zu spielen und am Ende der nächsten Saison möglichst mit Erfolgen dazustehen.

SPORT1: Wie betrachten Sie die EM rückblickend?

Neuer: Es war für uns eine große Enttäuschung, dass wir im Halbfinale gegen Italien verloren haben. Man darf über dieses Spiel hinaus aber nicht vergessen, dass wir bis dahin teilweise überzeugend gespielt und starke Teams wie Portugal und die Niederlande geschlagen haben. Aber natürlich wollten wir mehr, wollten ins Finale einziehen und den Titel gewinnen. Jetzt müssen wir das Positive sehen: Aus Fehlern und Niederlagen lernt man. Wir wollen und werden uns verbessern - und künftig die Fehler vermeiden, die wir gemacht haben.

[kaltura id="0_g9v5dlxt" class="full_size" title="F r er tr umen von Sensation"]

SPORT1: Und was soll konkret besser werden?

Neuer: Der Bundestrainer hat intern einige Punkte klar angesprochen. Wir haben jetzt in der Qualifikationsrunde genügend Zeit, unser Spiel zu verbessern und Fehler abzustellen. Bei einem Gegner wie den Färöern geht das natürlich nur eingeschränkt. Da gilt es eher, das variable Offensivspiel mit dem Ball zu verbessern. Das haben wir zum Beispiel gegen Italien nicht so gut gemacht.

SPORT1: Was erwarten Sie als Torwart von der Partie?

Neuer: Es ist ein undankbares Spiel für einen Torhüter. Aber wir sind gewarnt: Gegen Italien haben die Färinger auch zwei Riesenchancen gehabt, ich glaube sogar zwei Lattentreffer: nach einer Ecke der Italiener, bei Kontern. Und damit haben wir ja auch so unsere Probleme, wie im EM-Halbfinale gegen Italien zu sehen war. Wir müssen vernünftig stehen und hellwach sein. Wir dürfen niemanden unterschätzen.

SPORT1: Als Deutschland zum ersten Mal auf die Färöer traf, waren Sie erst 16 Jahre alt. Haben Sie Erinnerungen daran?

Neuer: Klar kann ich mich erinnern. Das ist schon zehn Jahre her, und Miroslav Klose war schon dabei...

SPORT1: ...der nun bei einem hohen Sieg seinem Ziel näher kommen kann, die vier Tore zum Rekord von Gerd Müller aufzuholen.

Neuer: Wir spielen nicht, um Miro einen Rekord zu schenken. In erster Linie geht es ums Gewinnen. Wer die Tore macht, ist egal. Aber er wird seine Treffer schon noch erzielen und sich irgendwann den Rekord holen.

SPORT1: 2002 hatte die DFB-Elf mit den Färingern allergrößte Mühe. Gibt es überhaupt noch Fußball-Zwerge?

Neuer: Wir müssen jeden Gegner ernst nehmen. Wir wissen allerdings, dass wir klarer Favorit sind, eindeutig die besseren Spieler haben und gewinnen müssen. Und das werden wir auch tun. Es ist alles eine Frage der Einstellung.

SPORT1: Fehlt der deutschen Mannschaft vielleicht noch Routine im Vergleich zu Topteams wie Italien?

Neuer: Nein überhaupt nicht. Wir haben in den vergangenen Jahren oft genug gezeigt, dass wir mithalten können. Bei der WM 2010 haben wir mit einer ganz jungen Mannschaft England und Argentinien geschlagen. Und bei der EM haben wir uns gegen Portugal und Holland durchgesetzt.

Weiterlesen