Joachim Löw trainiert seit August 2006 die deutsche Nationalmannschaft © getty

Der Bundestrainer hat die Lehren aus der EM gezogen und sieht den Schlüssel zu einer erfolgreichen WM im Spiel gegen den Ball.

Vom DFB-Team berichtet Martin Volkmar

Barsinghausen - Die deutsche Nationalmannschaft spielt derzeit auf Bewährung.

In der öffentlichen Wahrnehmung jedenfalls hat das Image der lange so hoch gejubelten DFB-Auswahl durch das enttäuschende EM-Aus gegen Italien empfindlich gelitten.

Nur überzeugende Vorstellungen in den verbleibenden fünf Länderspielen des Jahres können dafür sorgen, dass sich die erhoffte Aufbruchstimmung in Richtung WM 2014 einstellt.

Joachim Löw ist das bewusst, weshalb er den Blick vor dem ersten WM-Qualifikationsspiel gegen Fußball-Zwerg Färöer (Fr., ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER) nur noch nach vorne richtet.

"Neue Motivation"

"Wir haben selbstkritisch unsere Fehler bei der EM analysiert und mit diesen Erkenntnissen kommt auch neue Motivation", berichtete der Bundestrainer und sprach von "zwei, drei wichtigen Themen für die nächsten Jahre".

Dabei dürfte er unter anderem die bei der Europameisterschaft für ein Spitzenteam zu schlechte Chancenverwertung sowie die anhaltende Schwäche bei Standards im Kopf haben.

Spiel gegen den Ball muss besser werden

Vor allem aber will Löw die von ihm ersonnene offensive Spielphilosophie optimieren - besonders in der Rückwärtsbewegung. (DATENCENTER: WM-Qualifikation).

"Die Spielweise in der Offensive hat bei der EM absolut gestimmt, da sind wir sehr weit. Unser Ansatzpunkt ist das Spiel gegen den Ball. Da müssen wir uns verbessern", erklärte er auf SPORT1-Nachfrage:

"Alles was man früher gelernt hat - bei Ballbesitz aktiv zu sein und bei Ballverlust auszuruhen - ist heute anders. Gerade dann, wenn man den Ball nicht hat, muss man die größte Aktivität zeigen. Da darf man dem Gegner keine Zeit lassen und muss wieder schnell in Ballbesitz kommen."

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"Über 90 Minuten hohes Pressing spielen"

Früher, härter und konsequenter sollen die Gegner, egal auf welchem Niveau, attackiert werden. "Wir dürfen dem Gegner keine Chance geben, sich in aller Ruhe hinten rauszuspielen", forderte Löw:

"Das wird die Aufgabe in den nächsten Monaten sein: Dass wir in der Lage sind, über 90 Minuten hohes Pressing zu spielen, den Gegner früh zu attackieren und dass sich alle daran beteiligen. Nicht nur das Spiel zu verwalten, sondern aktiver gegen den Ball zu arbeiten."

Bei der EM fehlte die Zeit

Dies sei schon sein Ziel bei der EM in Polen und der Ukraine gewesen, doch dazu sei aufgrund der langen Abwesenheit der Bayern-Spieler in der Vorbereitung die Zeit am Ende zu knapp gewesen.

Beim 1:2 im Halbfinale gegen Italien war das dann der Knackpunkt, weil die DFB-Elf in der Vorbereitung beider Gegentreffer viel zu spät attackierte. "Das hätte man schon in der Entstehung durch frühzeitiges Stören verhindern können", sagte Löw:

"Wir müssen den Gegner künftig so unter Druck setzen, dass er Fehler macht."

Zumal die deutsche Mannschaft im Gegensatz zur WM 2010, als sich England und Argentinien beinahe anfängerhaft auskontern ließen, fast immer gegen Teams antreten muss, die sich sehr weit zurückziehen - "selbst so spielstarke Gegner wie Portugal und die Niederlande", so Löw.

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Kein Vergleich mit Dortmund

Mit der aufwändigen und erfolgreichen Spielweise von Double-Gewinner Borussia Dortmund wollte der DFB-Chefcoach seine Philosophie aber nicht vergleichen:

"Ich brauche das Dortmunder System nicht zu kopieren. Wir haben in den letzten zwei, drei Jahren unseren eigenen Spielstil entwickelt und schon sehr stark verinnerlicht. Daher brauche ich mich nicht an anderen Bundesligamannschaften zu orientieren."

Vielmehr bleibt der weltweit hoch gelobte Fußball des FC Barcelona und von Welt- und Europameister Spanien Löws Vorbild.

Zum Abschluss auf Augenhöhe

Zwei Jahre Zeit hat der Badener nun, um taktisch mit seiner Mannschaft den nächsten Schritt zu machen und dadurch mit dem Titelverteidiger bei der WM 2014 endlich auf Augenhöhe zu sein.

Danach, darauf deutet momentan sehr viel hin, dürfte Löws Ära als Bundestrainer nach dann acht Jahren beendet sein - idealerweise mit einem Titel.

"Ich denke noch nicht an Brasilien, das ist mir noch einen Schritt zu weit", sagte er: "Aber der Erfolgshunger in der Mannschaft ist wieder absolut zu spüren."

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