Bayern-Stürmer Mario Gomez erzielte gegen Israel sein 22. Tor für Deutschland © imago

Das DFB-Team besiegt im letzten Test harmlose Israelis ohne zu überzeugen. Im Spiel nach vorne fällt der Löw-Truppe wenig ein.

Von der Nationalmannschaft berichtet Thorsten Mesch

Leipzig - Ein Sieg, wenn auch keine Glanzleistung.

Die deutsche Nationalmannschaft hat das letzte Testspiel vor der Europameisterschaft mit einem Sieg absolviert, tat sich gegen eine äußerst defensive Mannschaft aus Israel aber schwer und blieb in der Chancenverwertung unter ihren Möglichkeiten.

In Leipzig gewann die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw 2:0 (1:0) und zeigte sich spielerisch und läuferisch verbessert gegenüber dem 3:5 in der Schweiz am vergangenen Samstag. 566522 (DIASHOW: Bilder des Spiels)

Mario Gomez erzielte in der 40. Minute den Führungstreffer für das hoch überlegene, aber nicht effektive DFB-Team, das besonders in der zweiten Halbzeit viele gute Möglichkeiten liegenließ.

Andre Schürrle (82.) sorgte für den Endstand. Für Gomez war es der 22. Treffer für das DFB-Team, Schürrle erzielte sein siebtes Tor. 564701 (DIASHOW: Der DFB-Kader)

Löw und Lahm optimistisch

"Es war eine ganz ordentliche Abschlussprüfung. Noch nicht alles lief rund, wir hätten mehr Tore machen können. Aber der Sieg tut uns auf jeden Fall gut, er gibt etwas Sicherheit", sagte Löw.

Kapitän Philipp Lahm macht mit Blick auf die EM vor allem eines Mut: "Wir haben eine sensationelle Qualität im Kader. Wir müssen es nur zeigen."

Keine BVB-Spieler in der Startformation

Neun Tage vor dem ersten Gruppenspiel gegen Portugal nutzte Löw die Partie, um ein Großteil der voraussichtlichen EM-Formation Gelegenheit zu geben, sich einzuspielen.

Dabei verzichtete er in seiner Anfangsformation komplett auf Spieler vom Double-Gewinner Borussia Dortmund.

Vor Manuel Neuer spielten Jerome Boateng, Per Mertesacker, Holger Badstuber und Philipp Lahm in der Abwehrkette.

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Im defensiven Mittelfeld ersetzte Toni Kroos den angeschlagenen Bastian Schweinsteiger, neben dem Münchner spielte Sami Khedira.(SERVICE: Der EM-Rechner)

Thomas Müller, Mesut Özil und Lukas Podolski bildeten den Offensiv-Block, Gomez begann als Spitze.

DFB-Team von Beginn an offensiv

Deutschland kontrollierte vor 43.241 Zuschauern im WM-Stadion die Partie, hatte aber große Mühe, gegen die tief stehenden und engagiert verteidigenden Gäste eine Lücke in der Abwehr zu finden.

In der 5. Minute spielte Lahm in den Strafraum auf Gomez, der wurde von zwei Israelis bedrängt und kam zu Fall, aber Schiedsrichter Kevin Blom aus den Niederlanden ließ weiterspielen.(DATENCENTER: Der EM-Spielplan)

In der 13. Minute war es wieder Lahm, der einen Angriff einleitete, auf Podolski passte, doch dessen Hereingabe fing Ariel Harush ab.

[kaltura id="0_zk7u0sei" class="full_size" title="Die Stimmen zum Spiel"]

Fünf Minuten später entschärfte Israels Torwart einen Flachschuss von Gomez.

Boateng trifft den Pfosten

Nach 19 Minuten die erste Großchance für Deutschland: Boateng legte sich auf der rechten Strafraumseite den Ball auf den linken Fuß, zog aus 14 Metern im Fallen ab und traf den linken Pfosten.

Die Gäste taten so gut wie nichts für einen eigenen Spielaufbau und lauerten nur auf Konter, doch das deutsche Mittelfeld und die Abwehr ließen nichts zu. Neuer musste nur zwei misslungene Steilpässe abfangen.

Das Spiel plätscherte zwischen der 25. und 35. Minute etwas vor sich hin, die DFB-Auswahl fand im Zehn-Mann-Abwehrverbund der Israelis keine Lücke.

Özil ließ in einigen Aktionen seine spielerische Klasse aufblitzen, Müller hatte gute Ideen, Podolski hingegen blieb blass.

Größtes Manko im deutschen Offensivspiel: Den Aktionen fehlte es zumeist an Tempo.

Gomez hämmert Ball in den Winkel

In der 40. Minute eroberte Khedira 30 Meter vor dem Tor den Ball und spielte in den Strafraum.

Müller leitete direkt mit der Hacke weiter auf Gomez, der sich im Strafraum den Ball zurechtlegte und ihn aus zehn Metern in den Winkel zimmerte.

Mit der verdienten Führung ging es in die Pause.

Nach dem Seitenwechsel das gleiche Bild, Deutschland im Vorwärtsgang, Israel igelte sich hinten ein.

Nach einer Flanke von Lahm verpasste Gomez (48.), ein Querpass von Özil im Strafraum wurde abgefangen (50.).

In der 51. Minute dann das völlig Unerwartete: ein Schuss auf Neuers Tor. Doch der hatte keine Mühe, den Ball von Natcho zu entschärfen.

Fünf Minuten später lenkte Neuer einen Schuss von Gil Vermouth über die Latte. (Stimmen)

Schürrle kommt für Podolski

Danach nahm die DFB-Auswahl das Heft wieder in die Hand und setzte die Gäste immer mehr unter Druck.

Özil schoss flach am Tor vorbei (55.), Badstuber verpasste nach einer Lahm-Ecke (58.), Podolski schoss zunächst aus acht Metern drüber (60.), dann hämmerte er die Kugel genau auf den Torwart (64.).

Drei Minuten später ging Podolski vom Platz, für ihn kam Andre Schürrle. Auch Gomez musste raus und Klose durfte ran.

Das Powerplay-Spiel auf das Gästetor ging weiter: Schürrles Weitschuss wurde abgefälscht (74.), zwei Minuten später vergab Müller eine Großchance, als er den Ball im Strafraumgut nur noch einschieben musste, aber aus acht Metern rechts vorbei schoss (76.).

Noch viel Arbeit für Löw

In der 82. Minute nahm Schürrle erneut Maß und traf, wie schon in der Schweiz, mit einem Fernschuss. Aus 20 Metern drosch er den Ball wuchtig in die Maschen. Das Spiel war entschieden.

Löw wechselte noch dreimal, brachte Marco Reus für Müller (83.), Mario Götze für Kroos (87.) und Lars Bender für Khedira (89.).

Allerdings blieb der Eindruck, dass bis zum Auftaktspiel gegen Portugal noch einige Arbeit auf den Bundestrainer und seine Spieler wartet.

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