Reus und Gündogan (von mi. und re.) dürften nicht in der EM-Startelf stehen © getty

Nach intensiven 19 Tagen ist der DFB-Tross zufrieden mit dem Trainingslager, nur Schweinsteiger bereitet leichte Sorgen.

Vom DFB-Team berichtet Thorsten Mesch

Tourrettes - Eine Woche auf Sardinien und 13 Tage Trainingslager in Südfrankreich sind vorbei, bis zu 25 Übungseinheiten liegen hinter den Nationalspielern.

Etwas weniger waren es bei den vier Dortmundern und zwei Madrilenen, die acht Münchner stießen erst am Wochenende dazu.

Dennoch war Bayerns Kapitän Philipp Lahm (Bericht) nicht unzufrieden: "Wir Bayern hatten nicht so viele Trainingseinheiten mit der Mannschaft, aber wir werden weiter arbeiten und top vorbereitet sein."

Schweinsteiger wieder nur mit Individualtraining

DFB-Teammanager Oliver Bierhoff äußerte sich am Mittwochmittag ähnlich positiv: "Wir blicken zurück auf 19 Tage, in denen wir sehr intensiv gearbeitet haben." Die Trainingslager seien "optimal verlaufen", obwohl man anfangs in den Medien von einer "zerrütteten Vorbereitung" gesprochen habe (DATENCENTER: Der EM-Spielplan).

Um zehn Minuten vor elf versammelten Bundestrainer Joachim Löw, sein Assistent Hansi Flick und Torwarttrainer Andreas Köpke noch einmal 22 Akteure auf dem Platz in Tourrettes.

Bastian Schweinsteiger, der nach seiner Wadenverletzung aus dem Champions-League-Finale noch Rückstand hat, absolvierte individuelle Übungen im Fitnesszelt.

Gomez als Schlichter

Gymnastik auf blauen Yogamatten, Kopfbälle, Passspiel, kurze Antritte und schnelle Angriffe standen auf dem Programm.

Die Stimmung war bestens, aber es ging auch ordentlich zur Sache: Nach einer Grätsche von Thomas Müller beschwerte sich Holger Badstuber lautstark bei einem Bayern-Kollegen.

Mario Gomez beruhigte den Innenverteidiger und die Sache war schnell vergessen.

Die Szene zeigte aber auch: Die heiße Phase vor der EM hat begonnen (SERVICE: Der EM-Rechner).

"Wir wollen so etwas sehen - so lange sich niemand verletzt", sagte Bierhoff auf Nachfrage von SPORT1.

Aufbruch in Richtung Leipzig

Am Nachmittag verließ der DFB-Tross das Frankreich, am Donnerstag beginnt in Leipzig mit dem letzten Testspiel gegen Israel (ab 20 Uhr im LIVE-TICKER) die letzte Phase der Vorbereitung auf die Europameisterschaft.

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"Wir sind im Soll. Das, was wir uns vorgenommen hatten, das konnten wir mit der ersten Gruppe sehr gut durchziehen", zog Löw eine positive Bilanz und beschrieb den Vorbereitungsstand mit einem Bild aus dem Radsport:

"Ich sehe Arbeit auf uns zukommen"

"Letztes Mal habe ich vom Prolog gesprochen, heute sind wir in den Bergen, vielleicht in L'Alpe d'Huez, und jetzt müssen wir in den nächsten Tagen weiter arbeiten, um da hoch zu kommen und gewappnet zu sein für den nächsten Anstieg."

Bis zum ersten Gruppenspiel am 9. Juni gibt es jedoch noch viel zu tun. "Ich sehe eine gewisse Arbeit auf uns zukommen", erklärte Löw.

Er sei aber zuversichtlich, dass die Mannschaft bis zur EM noch "stabiler, ausgeglichener, wacher und dynamischer" sein werde 564701 (DIASHOW: Der DFB-Kader) .

SPORT1 blickt auf das Trainingslager in Tourrettes zurück und zieht ein Fazit:

Fitness/Verletzungen:

Bis auf Schweinsteiger, Per Mertesacker, Miroslav Klose und Mario Götze, denen allerdings im Gegensatz zum Bayern-Star nur ein paar Prozent oder etwas Spielpraxis fehlen, machen alle Spieler einen topfitten Eindruck.

Anders als 2010, als sich vor der EM mehrere Spieler schwer verletzten, blieb Löw dieses Mal von bösen Überraschungen verschont.

"Dass es keine Verletzungen gibt, zeigt, in welch guten körperlichem Zustand die Mannschaft ist", meinte Bierhoff.

Aussortierte:

Da es im Gegensatz zu 2010 keine Verletzungen gab, musste Löw vier Spieler aus dem vorläufigen Aufgebot streichen. Am härtesten traf die Auswahl Cacau. Ob der 31-Jährige eine Zukunft im DFB-Team hat, ist fraglich. (EXKLUSIV: Cacau nach Ausbootung traurig)

Marc-Andre ter Stegen, Julian Draxler und Sven Bender sind hingegen allesamt Spieler, denen die Zukunft gehört. Keine von ihnen fiel im Training gegenüber anderen Spielern ab - im Gegenteil: Youngster Draxler fügte sich dermaßen gut ein, dass der Trainerstab nachhaltig beeindruckt war. Auch Bender und ter Stegen werden sicher wieder eingeladen.

Stimmung:

Die Atmosphäre war sehr gut, auch die Bayern fügten sich schnell ein und wirken konzentriert und hungrig.

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Trainingsinhalte:

Löw ließ schwerpunktmäßig Spielsituationen auf engem Raum trainieren. Schnelles Umschalten auf Angriff und konsequente Abschlüsse wollten die Trainer sehen, die Spieler setzten die Vorgaben sehr gut um. Auch die Torhüter, der nach Hause geschickte Marc-Andre ter Stegen eingeschlossen, haben sehr gut trainiert. "Überragend" lobte Löw.

Standards:

Ließ Löw nicht trainieren. "Klar stehen sie nächste Woche auf dem Programm", kündigte Löw mit Blick auf die kommenden Tage ab dem 4. Juni in Polen an. Schwerpunkt soll dann das Verhalten bei Freistößen und bei Ecken sein.

Beim 3:5 in Basel funktionierte dieses Verhalten noch nicht optimal, genau wie die Abstimmung im gesamten Defensivverhalten. Bange ist dem Bundestrainer deshalb nicht.

Alles sei darauf ausgerichtet, betonte Löw, am 9. Juni gegen Portugal "voll im Saft zu stehen."

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