Bayerns Bastian Schweinsteiger (l.) hat bisher 90 Länderspiele absolviert und 23 Tore erzielt © imago

Der Münchner droht die EM-Generalprobe zu verpassen. Löw eröffnet den Kampf um die Plätze im Mittelfeld. Khedira steht bereit.

Aus dem DFB-Trainingslager berichtet Thorsten Mesch

Tourrettes - Eine Mannschaft, die bei einem Turnier etwas Großes erreichen will, braucht einen Chef.

Das hat auch die Geschichte der deutschen Nationalmannschaft gezeigt.

Fritz Walter 1954, Franz Beckenbauer 1974, Lothar Matthäus 1990 und Matthias Sammer 1996 hießen die Anführer im DFB-Team bei den letzten Titelgewinnen.

Bastian Schweinsteiger war bei der WM 2010 zwar nicht Kapitän, aber so etwas wie der Chef auf dem Platz.

Führungsrolle fraglich

Und diese Rolle ist ihm auch für die EM 2012 zugedacht. Doch ob der Bayern-Profi sie auch ausfüllen kann, ist noch fraglich. (DATENCENTER: Der EM-Spielplan)

Schweinsteiger laboriert noch an den physischen und vielleicht auch psychischen Nachwirkungen der verpassten Titel mit dem FC Bayern.

Sein Auftreten in der Stammelf ist vielleicht bald nicht mehr das, was es in den vergangenen Jahren war: eine Selbstverständlichkeit.

"Er hat seinen Bluterguss schon zu Beginn des Spiels gegen Chelsea erlitten und dann noch 115 Minuten gespielt. Deshalb ist es problematischer als erwartet", schilderte Bundestrainer Joachim Löw am Dienstagmittag in Tourrettes das körperliche Befinden des Münchners, der am Dienstag auch nicht mit der Mannschaft trainierte.

Löw will kein Risiko gehen

Schweinsteigers Einsatz bei der EM-Generalprobe am Donnerstag gegen Israel (ab 20 Uhr im LIVE-TICKER) ist deshalb fraglich. "Wenn es von ärztlicher Seite Einwände gibt, werde ich den Teufel tun und ihn spielen lassen", kündigte Löw an. (BERICHT: Sorgen um Schweinsteiger)

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Er werde Schweinsteigers Zustand von Tag zu Tag beobachten, meinte der Bundestrainer, der die Hoffnung auf eine Blitzheilung seines Mittelfeld-Routiniers aber noch nicht aufgegeben hat. "Es kann durchaus sein, dass sich morgen die Situation entscheidend verbessert", ergänzte Löw.

Fakt ist: Schweinsteiger ist nicht fit und bis zur EM ist es nicht mehr lang. (SERVICE:Der EM-Tabellenrechner)

"Braucht die eine oder andere Einheit"

"Er braucht noch die eine oder andere Einheit, um vorbereitet zu sein auf das Turnier", weiß der Bundestrainer, der aber beim EM-Auftakt am 9. Juni gegen Portugal eine schlagkräftige Mannschaft auf das Feld schicken muss. 565388 (DIASHOW: Der endgültige DFB-Kader)

Schweinsteiger und Philipp Lahm seien als "Leadertypen" gefordert, in kurzer Zeit in die Mitte der Mannschaft zu kommen.

Lahm wird die Mannschaft gegen Israel als Kapitän aufs Feld führen und auf der linken Abwehrseite beginnen, wie Löw verriet.

Kroos als Ersatz

Schweinsteigers Position im defensiven Mittelfeld wird wahrscheinlich von seinem Vereinskollegen Toni Kroos besetzt werden. (Bericht: Die Bayern sind da: Mit Lust und Hunger zur EM)

[kaltura id="0_6u89sw9n" class="full_size" title="Die Bayern Stars sollen s richten"]

Er baue im Mittelfeld "auf drei spielstarke zentrale Spieler, die defensiv wie offensiv richtig gut sein müssen und ihre Aufgabe erfüllen müssen", erklärte Löw und schob hinterher: "egal wie ihre Namen oder Nummern sind."

Nicht nur Schweinsteiger, Kroos und Sami Khedira, auch Mario Götze könne den defensiven Part übernehmen, betonte der Bundestrainer. Und mit Ilkay Gündogan hat Löw noch einen Spieler, von dem er zuletzt sagte, er erinnere ihn "an den jungen Schweinsteiger".

Der deutsche EM-Kader:

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Khedira neuer Chef?

Für den Fall, dass der Münchner nicht rechtzeitig fit wird, könnte Khedira die Rolle des Chefs auf dem Platz übernehmen.

Der Real-Profi, der mit Madrid die spanische Meisterschaft gewann, machte am Montag einen sehr selbstbewussten und entschlossenen Eindruck - und das nicht nur auf dem Trainingsplatz in Tourrettes.

Er sei gereifter durch die WM 2010, bei der er an Schweinsteigers Seite das Spiel im Mittelfeld prägte. Auch die zwei Jahre in Madrid hätten ihm viel in seiner Entwicklung gebracht, sagte Khedira: "Ich denke, dass ich jetzt noch mehr weiß, worum es bei einem Turnier geht." (TIPPSPIEL: Werden Sie EM-Prophet)

"Überragendes" Zusammenspiel

Anspruch der Nationalmannschaft sei es, "das Turnier zu gewinnen", dafür müsse man aber "alles abrufen und gut starten". Am besten mit Schweinsteiger.

"Bastian in Topform kann jeder Mannschaft weiterhelfen", meinte Khedira und erinnerte sich an die WM 2010, wo beide "überragend" zusammengespielt hätten.

Khedira wäre bereit für eine Führungsrolle, aber er hofft auf Schweinsteiger, der nach den jüngsten Misserfolgen hungrig auf den Titel sei: "Er wird sehr motiviert ins Turnier gehen", sagte Khedira über Schweinsteiger.

Doch der muss vor allem eins: schnell fit werden.

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