Bayerns Bastian Schweinsteiger hat bisher 90 Länderspiele absolviert und 23 Tore erzielt © getty

Der Fitnesszustand Bastian Schweinsteigers bereitet nicht nur dem Bundestrainer Sorgen. Für die Israel-Partie reicht es wohl nicht.

Aus dem DFB-Trainingslager berichtet Thorsten Mesch

Tourrettes - Bevor Joachim Löw am Dienstagmittag auf das Podium des Presseraums im DFB-Medienzentrum in Südfrankreich schritt, grüßte er freundlich in die Runde, dann setzte der Bundestrainer einen dem Anlass angemessenen ernsteren Gesichtsausdruck auf.

Das lag nicht nur an der schwierigen Nominierungsentscheidung, die Löw am Montag getroffen hatte.

Auch der Fitnesszustand von Vize-Kapitän und Mittelfeld-Leader Bastian Schweinsteiger bereitet Sorgen.

Wadenverletzung bremst "Schweini"

Bei der WM vor zwei Jahren war Bastian Schweinsteiger noch der unangefochtene Chef im Mittelfeld, doch der Bayern-Profi schleppt immer noch seine Wadenverletzung aus dem verlorenen Champions-League-Finale gegen den FC Chelsea mit sich herum und absolvierte bei den ersten beiden Trainingseinheiten am Montag nur ein sehr dosiertes Fitnessprogramm.

"Er ist noch leicht angeschlagen", erzählte Löw. Er wolle "das Risiko minimieren und von Tag zu Tag sehen."

Schweinsteiger brauche noch "die eine oder andere Einheit, um vorbereitet zu sein" auf das EM-Turnier. Es könne aber durchaus sein, dass sich schon am Mittwoch die Situation entscheidend verbessere.

Wohl kein Einsatz gegen Israel

Für das Testspiel am Donnerstag gegen Israel (ab 20 Uhr im LIVE-TICKER) wird es bei Schweinsteiger aber mit großer Wahrscheinlichkeit noch nicht reichen. (TIPPSPIEL: Werden Sie EM-Prophet)

"Wenn es von ärztlicher Seite Einwände gibt, werde ich den Teufel tun und ihn spielen lassen", sagte Löw, betonte aber auch "Leadertypen wie Schweinsteiger und Philipp Lahm" seien "gefordert, in kurzer Zeit in die Mitte der Mannschaft zu kommen."

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Draußen aus der Mansnchaft dagegen sind Cacau, Sven Bender, Marc-Andre ter Stegen und Julian Draxler.

Es sei kein einfacher Moment gewesen, berichtete Löw, als er davon sprach, wie er am Montag vier Spielern mitteilen musste, dass sie nicht zum Kader für die Europameisterschaft gehören. (Bericht: Aussortiertes Quartett zwischen Frust und Trost).

Entscheidung bei Cacau "extrem schwierig"

Die Betroffenen "waren unglaublich enttäuscht und niedergeschlagen", erzählte Löw und berichtete von "langem Überlegen und Diskutieren" im Trainerstab.

Vor allem bei Cacau sei die Entscheidung "extrem schwierig" gewesen, "weil ich den Menschen Cacau über alles stelle". Der Stuttgarter sei, sozial, integer und immer korrekt, lobte Löw und pries die Verdienste des gebürtigen Brasilianers in der Nationalmannschaft.

Cacau hätte jedoch "ein Stück weit damit rechnen" müssen, nicht zum EM-Aufgebot zu gehören und nannte sportliche Argumente für die Nichtberücksichtigung des 31-Jährigen. 565388 (DIASHOW: Der endgültige DFB-Kader)

Stuttgarter noch im erweiterten Kreis

Im Angriff nicht auf Cacau, sondern auf den eigentlichen Mittelfeldspieler Marco Reus zu setzen, sei in der besonderen Qualität und Flexibilität des zukünftigen Dortmunders begründet, für Cacau sei die Tür zum DFB-Team aber "nicht zu", er gehöre "immer noch zum erweiterten Kreis."

Dennoch dürfte es für Cacau mehr als schwer werden, noch einmal den Weg zurück ins DFB-Team zu finden.

Youngster haben "Tür aufgemacht"

Die anderen betroffenen und allesamt sehr jungen Spieler hätten beim DFB-Team "nicht nur angeklopft, sondern die Tür aufgemacht", betonte Löw.

Vor allem Julian Draxler sei "ein Gewinner der Vorbereitung, er hat uns nachhaltig überzeugt". Draxler, Marc-Andre ter Stegen und Sven Bender werden "wahrscheinlich relativ früh wieder dabei" sein.

Ausgeglichenheit im Mittelfeld

Wichtig sei ihm bei der Zusammenstellung des endgültigen Kaders "eine Ausgeglichenheit im Mittelfeld", erklärte der Bundestrainer.

Lars Bender verkörpere einen zweikampfstarken Typ, Ilkay Gündogan lobte er für seine Spielintelligenz und Ballsicherheit und Abschlussstärke.

Was seine Stammelf im Hinblick auf die EM angeht, baut Löw auf "drei spielstarke zentrale Spieler", die defensiv und auch offensiv "richtig gut sein und ihre Aufgabe erfüllen müssen, egal

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Lahm beginnt auf der linken Seite

In der Abwehr werde Lahm gegen Israel auf der linken Abwehrseite beginnen, kündigte der Bundestrainer an, schob aber mit Blick auf das erste EM-Spiel am 9. Juni hinterher: "Das hat aber noch nichts damit zu tun, wie wir gegen Portugal spielen." (DATENCENTER: Der EM-Spielplan)

Für die rechte Seite sei "denkbar, dass Jerome Boateng spielt."

Gut möglich, dass Löw in Leipzig auf einen Bayern-Block setzen wird. Im Tor wird Manuel Neuer erwartet, Holger Badstuber könnte in die Innenverteidigung rücken, Toni Kroos ins defensive Mittelfeld. (Bericht: Die Bayern sind da: Mit Lust und Hunger zur EM)

Müller macht guten Eindruck

Thomas Müller machte im Training einen sehr guten und hungrigen Eindruck, Mario Gomez darf auf einen Einsatz im Sturm hoffen.

Miroslav Klose sei "absolut im Soll, was die Trainingsleistung betrifft", erklärte Löw, das gelte auch für Per Mertesacker.

Abwehrarbeit als Schwerpunkt

Die Probleme, die nicht nur der Arsenal-Profi beim 3:5 in der Schweiz hatte, sind Löws größte Baustelle im Hinblick auf die EM.

"Zuletzt hatte ich gesagt, wir haben den Prolog absolviert. Jetzt sind wir in den Bergen, vielleicht vor Alpe d'Huez. Wir müssen hart arbeiten, um die Berge hochzukommen", sagte Löw.

"Ich sehe eine gewisse Arbeit auf uns zukommen", gab er zu. Er habe Probleme in der Abstimmung und individuelle Fehler gesehen.

Bei der EM, da sei er sicher, werden die Mannschaft "aber wacher sein und dynamischer."

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