Gladbachs Marco Reus spielt in der kommenden Saison für Borussia Dortmund © getty

Mit nur zwei nominellen Stürmer geht Bundestrainer Joachim Löw nach Cacaus Ausmusterung in die EM. Miroslav Klose grübelt.

Aus dem DFB-Trainingslager berichtet Thorsten Mesch

Tourrettes - Mittelstürmer haben Tradition in der deutschen Nationalmannschaft.

Uwe Seeler, Gerd Müller, Horst Hrubesch, Klaus Fischer oder Rudi Völler verkörperten das Ideal des klassischen Angreifers.

Mario Gomez kann dieser Kategorie zugerechnet werden, Miroslav Klose ist ein anderer Typ, aber ebenso überaus erfolgreich. (Bericht: Die Bayern sind da: Mit Lust und Hunger zur EM)

Gomez und Klose sind die einzigen echten Stürmer im EM-Kader der DFB-Auswahl, seitdem Bundestrainer Joachim Löw am Montag in Südfrankreich entschieden hat, Cacau nach Hause zu schicken. 565388 (DIASHOW: Der endgültige DFB-Kader)

Nur zwei echte Stürmer

Nun fragen sich Millionen Bundestrainer in der Heimat: Nur zwei Stürmer? Was ist, wenn der zuletzt häufig verletzte Klose bei der EM nicht fit ist? Wer soll die Tore schießen, falls Gomez Ladehemmung hat?

Der echte Bundestrainer gab die Antwort schon im ersten Trainingslager.

Er könne sich vorstellen, Marco Reus "ganz vorne zu sehen", hatte Löw auf Sardinien freimütig erklärt und damit die Spekulationen über Cacaus Ausmusterung geschürt.

Am vergangenen Freitag in Tourrettes führte Löw seine Gedankenspiele noch detaillierter aus.

Lob für den "Querläufer"

Reus habe gezeigt, "dass er auf verschiedenen Positionen spielen kann", er sei "ein guter Querläufer" charakterisierte der Bundestrainer den gebürtigen Dortmunder.

Reus, der im Sommer zum deutschen Doublegewinner zurückkehrt, ist die ihm zugedachte Rolle nicht unbekannt.

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Keine unbekannte Rolle

Er habe sie "ja auch schon in Gladbach einige Male gespielt", erzählte er vergangene Woche im "Spiegel". Und das sehr erfolgreich: In 37 Pflichtspielen erzielte er 21 Tore und bereitete 14 vor.

Im Verein teilte Reus sich die Rolle im Angriff mit Mike Hanke, einem Stürmer, den Löw trotz guter Leistungen in der Bundesliga nicht in seinen erweiterten Kader geholt hatte.

Auch Patrick Helmes, der es vor der EM 2008 bis in die Vorauswahl geschafft hatte, wurde trotz einer starken Rückrunde in Wolfsburg nicht gebraucht. (Bericht: Aussortiertes Quartett zwischen Frust und Trost).

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Torgefährliches Mittelfeld

Löw setzt auf Reus und seine anderen torgefährlichen Offensivspieler wie Lukas Podolski, Thomas Müller, Mesut Özil oder Andre Schürrle.

Podolski brachte es in bisher 96 Länderspielen auf 43 Tore, WM-Torschützenkönig Müller war in 26 Einsätzen zehnmal erfolgreich.

Özil ist nicht nur genialer Vorbereiter, sondern hat in seinen 32 Länderspielen auch schon acht Tore erzielt, Schürrles Quote kann sich mit sechs Toren in 13 Spielen ebenfalls sehen lassen.

Allerdings lief es bei Podolski, Schürrle und Müller in der Bundesliga zuletzt nicht allzugut.

"Poldi" hat seinen Abstieg mit Köln zu verdauen, Schürrle hatte in Leverkusen keine gute Saison und Müller fand sich bei den Bayern gegen Saisonende auf der Ersatzbank wieder

Cacaus Zeit abgelaufen?

Cacau hat für seine sechs Treffer zehn Einsätze mehr gebraucht. Für den 31-Jährigen ist die Karriere im DFB-Team mit seiner Ausmusterung wohl beendet, Reus hingegen gehört die Zukunft.

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Besonders gegen defensiv eingestellte Gegner, "wenn die Räume eng sind, wenn man einem Rückstand hinterherläuft" sei er "prädestiniert, in vorderer Linie zu spielen", hatte Löw vor der 3:5-Niederlage in der Schweiz erklärt.

Erstes Länderspieltor für Reus

In Basel wechselte er den 22-Jährigen zur zweiten Halbzeit ein. Reus brachte mehr Dynamik ins Spiel und erzielte sein erstes Länderspieltor. Cacau kam in der Schlussphase ins Spiel, konnte sich aber nicht empfehlen. Löws Entscheidung war gereift. (DATENCENTER: Der EM-Spielplan)

Bei der EM könnte Reus nun so etwas wie die Absicherung des Bundestrainers werden. Auf dem rechten Flügel als Alternative, im Sturmzentrum als Alternative zu Klose oder Gomez, oder als hängende Spitze.

Klose kann sich Rücktritt vorstellen

Nach der Europameisterschaft könnte Reus sogar im Angriff noch einen Platz nach vorn rücken, denn Klose schließt einen Rücktritt im Fall eines EM-Triumphs nicht aus.

"Sollte ich meinen ersten Titel mit der Nationalelf holen, könnte es passieren, dass ich sage, ich höre auf", sagte Klose dem "Kicker". Er könne sich aber auch "die WM 2014 sehr wohl noch vorstellen." (SERVICE: Der EM-Rechner)

Wie Klose sich auch entscheiden wird, Reus steht bereit.

Am Donnerstag, wenn die deutsche Mannschaft in Leipzig ihr letztes Testspiel vor der EM bestreitet, wird er 23 Jahre alt. Ein Tor wäre ein schönes Geburtstagsgeschenk.

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